und Patronin der Augenkranken

Als Lichterkönigin wird Luzia in Schweden in den langen, dunklen Winternächten verehrt. „Luziabräute“ ziehen durch die Dörfer und Städte, Mädchen mit langen blonden Haaren (das ist Tradition) und mit einer Krone aus brennenden Kerzen oder elektrischen Lichtern auf dem Kopf, in ihrem Gefolge „Sternknaben“, die auch Mädchen sein können (das ist neu). Die kleine Prozession macht überall dort Halt, wo Licht gebraucht wird oder Traurigkeit herrscht, in Schulen und Industriebetrieben, Krankenhäusern und Altenheimen. Man singt das Luzialied und lädt zu Kaffee oder Glögg ein; so heißt der schwedische Glühwein mit Rosinen und Mandeln.
Als sicher kann gelten, dass Luzia während der Christenverfolgung unter Diokletian in Syrakus zu Tode gemartert wurde. Es wird erzählt, sie habe schon als Kind gelobt, Jungfrau zu bleiben. Die kranke Mutter habe ihr zwar einen Bräutigam ausgesucht, einen Heiden. Doch als sie zusammen mit ihrer Tochter eine Wallfahrt zum Grab der Märtyrerin Agatha machte und dort wundersam geheilt wurde, habe sie staunend Luzias Wunsch erfüllt und mit der Mitgift der Tochter und dem Familienvermögen ein Haus für Arme und Kranke errichtet.
Luzia, so wird weiter berichtet, habe den verfolgten Mitchristen im Schutz der Dunkelheit Lebensmittel in ihre Verstecke gebracht. Damit sie beide Hände zum Tragen der Speisen frei hatte und im Finstern den Weg finden konnte, soll sie sich einen Lichterkranz auf den Kopf gesetzt haben. Der erzürnte Bräutigam denunzierte das Mädchen beim Richter, der es vergeblich zum Kaiseropfer zu bringen versuchte. „Ein Opfer, das Gott wohlgefällt“, entgegnete ihm die couragierte Jungfrau, „das ist: die armen Leute suchen und ihnen zu Hilfe kommen in ihrer Not.“
Hier in Italien gilt Santa Lucia heute noch als Schutzpatronin der Fischer. An ihrem Festtag bereitet man Torrone dei poveri, für die Armen: Kichererbsen werden mit Zucker so lange gekocht, bis daraus ein dicker Brei entsteht. Aber auch die Augenkranken und die Blinden kommen zu ihr und erinnern sich dabei an die romantisch-makabre Legende von dem heidnischen Jüngling, der sich in Luzias glutvolle Augen verliebt hatte. Um seinen Nachstellungen zu entgehen, so die Legende, riss oder schnitt die bildhübsche Luzia sich selbst die Augen aus und sandte sie dem armen Kerl auf einem Tablett. Doch nun schenkte die Madonna ihrer standhaften Verehrerin noch schönere Augen.
Christian Feldmann
