Jahreslosung

Die Jahreslosung für 2021 steht im Lukasevangelium:

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Lukas 6, 36
Acryl von U. Wilke-Müller 
© GemeindebriefDruckerei.de

„Barmherzigkeit“ – was für ein Begriff? Kaum einer von uns verwendet dieses Wort in seinem Alltag. Aber den meisten von uns kommt dabei die biblische Erzählung vom barmherzigen Samariter in den Sinn. Das war der, der einem Überfallenen, einem übel zugerichteten Mann geholfen hat. Jesus erzählt seinen Zuhörern dieses Gleichnis, als sie ihn fragen, wie man sich seinem Nächsten gegenüber verhalten soll. Und typisch Jesus…er verpackt seine Antwort in eine Geschichte. Darin provoziert er seine Zuhörer, damit sie die Antwort begreifen, ja selbst finden.

An dem Überfallenen zieht zuerst ein Priester vorbei; er darf sich aufgrund der Priestergesetze nicht mit Unreinem in Verbindung bringen. Dann kommt ein Levit daher; auch er kennt alle Kultvorschriften, er hat es eilig, um rechtzeitig zum Tempeldienst zu kommen. Schließlich sieht ein Samariter den Mann am Boden liegen. Er handelt ohne lang zu fragen, ob er das darf, ob er sich dabei beschmutzt, ob es ihn seine Zeit und natürlich auch sein Geld kostet.

Provokant für Jesu Zuhörer ist die Geschichte deshalb, weil sie einem Samariter das barmherzige Handeln niemals zugetraut hätten. Hatten doch die Samariter keinen guten Ruf und galten als sektiererisch in dem Sinne, dass sie sich nicht streng an die jüdische Gesetzgebung hielten.

Doch Jesu Zuhörern wird dadurch klar: Unser Nächster ist der, der unsere Hilfe braucht!

Wir sind barmherzig, wenn wir die Not eines anderen zum Besseren wenden! Voraussetzung dafür ist, dass wir mit uns selbst im Reinen sind. Nur wenn wir uns mit allen Fehlern und Macken selbst akzeptieren, können wir auch für andere ein großes Herz haben. Und wie schaffen wir das, unser eigenes Herz geschmeidig werden zu lassen? Bei dieser Frage fällt unser Blick auf den, der als Kind zu uns kam und der als Erlöser für uns den schweren Weg ans Kreuz ging.

Manchmal braucht es Opfer, um die Welt in einen besseren Zustand zu bringen! Dabei können wir immer wieder über uns hinauswachsen, um unseren Mitmenschen etwas Gutes zu tun, um die Welt ein wenig besser zu machen, gemäß dem Motto „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“. Ich lade Sie ein zu einem kurzen Gebet: Berühre mich, Herr, sanft mit deinem Wort, das mich hören und fühlen lässt und in mir Kräfte freisetzt, die Berge versetzen. Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin