Jesus, ganz menschlich

Monatsspruch März: Da weinte Jesus.
Johannes 11,35

Vor ein paar Tagen schon haben Maria und Martha ihn um Hilfe gebeten. Ihr Bruder sei schwer krank. Jesus aber macht sich nicht gleich auf den Weg, sondern wartet noch ab. Als sei er schon gewiss, dass er ein Wunder tun wird. Vier lange Tage ist sein Freund Lazarus schon tot, als Jesus endlich bei Maria und Marta eintrifft.

Und nun, auf dem Weg zum Grab, da weint Jesus, verzweifelt über den Tod des Freundes, überwältigt vom Schmerz. Als sei auch er hilflos, als glaube er nicht mehr daran, himmlische Kraft zu bekommen, die ihm ermöglicht, einen toten Menschen wieder ins Leben zu rufen.

Jesus weint.

Und ich fühle mit ihm, ich weiß ja, wie traurig ich bin, wenn ich einen Menschen loslassen muss. Fast möchte ich Jesus trösten, so wie es mich getröstet hat, wenn jemand mich in den Arm genommen hat und mir die Tränen abgewischt hat, als ich traurig war.

Der weinende Jesus, er ist mir nah und ich ihm. Am Ende geht die Geschichte gut aus, Jesus holt Lazarus zurück ins Leben.

Ich aber will noch einen Moment stehen bleiben, will verweilen beim weinenden Jesus. So wie die Passionszeit vor Ostern es auch tut, wenn sie uns an das Leiden Jesu erinnert.

Wie wichtig ist auch das: Hinschauen, um Tod, Trauer und Schmerz nicht zu überspringen. Aushalten, dass Tränen fließen und Zweifel sich breit machen, weil der Ausgang ungewiss ist.

Denn genau da, wo das große Wunder in Frage steht, wird das kleine Wunder möglich: Menschen zeigen sich menschlich, weinen und fühlen mit, trösten und kommen einander nah.

Tina Willms

Ich bin gefangen im Schmerz

Monatsspruch März 2024: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Markus 16,6

Da spricht jemand vom neuen Anfang, wo ich selbst noch im Schrecken feststecke. Und manchmal verstehe ich es nicht gleich. Den drei Frauen geht es so, die sich frühmorgens auf den Weg zum Grab machen. Maria Magdalena, Maria und Salome. Sie sind versunken in ihrer Traurigkeit. Jesus ist tot. Grausam gestorben. Nun wollen sie ihm einen letzten Dienst erweisen. Kostbare Öle haben sie dabei, um seinen Leichnam zu salben.

Als sie näher kommen, sehen sie, dass der Stein vor der Grabhöhle weggewälzt worden ist. Der Eingang steht offen. Vorsichtig wagen sie sich hinein in das Grab. Und schrecken sofort wieder zurück. Dort sitzt einer im weißen Gewand. Er hebt sich ab von der dunklen Höhle. Und sagt: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier.

Die Frauen aber tun genau das, was sie nicht sollen: Sie entsetzen sich, zitternd und schockiert fliehen sie aus dem Grab. Gefangen im Abschied und ihrer Trauer können sie nicht fassen, was der Engel behauptet: Draußen wartet mit dem Morgenlicht ein neuer Anfang. Jesus ist auferstanden. Weil Gott es so will.

Vielleicht geschieht das bis heute, was die Frauen erleben und erst später verstehen, vielleicht geschieht es manchmal auch mir. Ich bin gefangen im Schmerz und kann den Hoffnungsworten nicht glauben. Erst später erkenne ich: Der Weg mit dem Schrecken in allen Gliedern war schon einer, auf dem ich zurückkehrte ins Leben.

Tina Willms

Im März

Am Morgen erwachen und munter werden.
Frisches Wasser auf der Haut und Hände, die tatkräftig sind.
Lichtblicke zwischen den Wolken und in den Worten von nebenan.
Eine Idee von irgendwoher und Fragen, die eine Antwort finden.
Ich wünsche dir Auferstehungsaugenblicke, mitten im Alltag.

Tina Willms

Gott hält immer an mir fest

Monatsspruch März 2023: Was kann uns scheiden von der Liebe Christi?  Römer 8,35

Es gibt viele Gründe, warum Menschen die Verbindung zu Gott kappen. Ich habe das Bild eines dicken Taus vor Augen, viele einzelne Stränge aus noch dünneren Stricken bestehend, die zu einem starken Seil verbunden sind, und einzelne Fäden dröseln sich auf. Da sind die Fäden, die nie etwas von Gott gehört haben, die von Christen enttäuscht sind, deren Vertrauen aufgebraucht ist, die andere Religionen und Glaubens- und Lebensformen interessanter finden.

Das Tau, aus dem einzelne Fäden sogar mutwillig zertrennt werden, spannt sich von Menschen zu Gott. Das einst starke Tau löst sich auf in den jeweiligen Alltagssorgen, Interessen, Lebenssituationen. Ein unscheinbar erscheinendes Rettungsseil ist in greifbarer Nähe. Dieses Halteseil führt von Gott zum Menschen. Das wiederum kann von Menschen nicht zerstört, aufgedröselt, losgelassen werden. Sichtbar wird es in Christus, der personifizierten Liebe Gottes.

Und so kann ich angesichts dieser stabilen Verbindung sagen: Nichts kann mich von der Liebe Christi scheiden. Selbst wenn ich meinerseits die Verbindung kappe, Gott hält immer daran fest. Und so kann das Sicherungsseil der Liebe Gottes zur Lebensrettung für mich werden.

Am dankbarsten bin ich dafür, dass Gott mich das Sicherungsseil seiner Liebe hat finden lassen. Ich möchte es nicht mehr aus den Augen verlieren.

Carmen Jäger