Klimaneutrales Dekanat bis 2035

Bild der Stephanuskirche vom Neumühlweg aus im Sommer

Klimaschutz ist in aller Munde und das Gebot der Stunde. Die Dekanatssynode hat im März dieses Jahres beschlossen, dass wir anstreben bis 2035 im Dekanat Nürnberg klimaneutral zu sein. Spätestens mit dem Urlteil des Bundesverfassungsgerichts, dass mangelnder Klimaschutz die Grundrechte der jungen Generation verletzt, ist das Thema weit oben auf der politischen Angeda angekommen. Auch wir als Kirchengemeinde versuchen regelmäßig unseren Resourcenverbrauch zu hinterfragen und unser Handeln klimagerecht zu gestalten.

Rund um das Insektenhotel

Bild des Insektenhotels mit blühenden Pflanzen davor

Nicht nur um die Auswirkungen von Hochwasserereignissen abzumildern ist es wichtig, möglichst wenig Flächen zu versiegeln. Tiere und Pflanzen profitieren von den Flächen, wenn diese im besten Fall auch nicht ständig bearbeitet werden. Rund um das Insektenhotel vor der Kirche haben wir solch einen Platz geschaffen. Die Sandmagerflächen bieten das ganze Jahr über Lebensraum – und schön aussehen tut es unserer Meinung nach auch.

Nachfolgend noch ein paar Impressionen. Wenn Sie selber ein tolles Bild rund um unsere Kirche gemacht haben und Sie es gerne mit uns teilen möchten, freuen wir uns über Ihre Zusendung.

Glockenläuten für Betroffene der Unwetterkatastrophe

In der Stephanuskirche und in vielen weiteren evangelischen Kirchen werden am Freitag, 23. Juli 2021 um 18 Uhr die Glocken läuten.

Aufräumarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands in Schuld, Rheinland-Pfalz. Der Landkreis Ahrweiler war in der Nacht zum Donnerstag (15.07.2021) besonders stark von Starkregen und Schlammlawinen getroffen worden.
Aufräumarbeiten nach der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands in Schuld, Rheinland-Pfalz. Der Landkreis Ahrweiler war in der Nacht zum Donnerstag (15.07.2021) besonders stark von Starkregen und Schlammlawinen getroffen worden. Foto: epd-bild/Frank Schultze/Zeitenspiegel

Bedford-Strohm: „Starkes Zeichen der Solidarität“

Als Zeichen der Anteilnahme nach der Unwetterkatastrophe sollen am Freitagabend bundesweit Kirchenglocken läuten und zu Andachten und Gebeten einladen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sprach am Donnerstag von „einem starken Zeichen der Solidarität“, wenn viele evangelische Gemeinden bundesweit Andachten feiern. Auch katholische Bistümer riefen zu Glockenläuten und Gebeten auf.

Ausgegangen war die Initiative von den vom Hochwasser besonders betroffenen evangelischen Landeskirchen im Rheinland und in Westfalen.

„Wir alle nehmen fassungslos und voller Anteilnahme die dramatischen Ereignisse der vergangenen Tage wahr und können das Ausmaß der Zerstörung und des Leides, das die Unwetter der letzten Woche nach sich gezogen haben, noch gar nicht abschätzen“

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm

Eine zusätzliche Kollekte in evangelischen Gottesdiensten soll am Sonntag unter dem Motto „Gemeinden helfen Gemeinden“ dazu beitragen, dass das Gemeindeleben in zerstörten Kirchen und Gemeindehäusern möglichst bald wieder aufblühen kann. „Wir können mit einer solchen Kollekte auch äußerlich zeigen, wie sehr wir im gesamten Raum der EKD Anteil nehmen und mitfühlen und das auch materiell zum Ausdruck bringen wollen“, sagte der bayerische Landesbischof Bedford-Strohm. In den Kirchen und Gemeindehäusern seien nicht nur die Gebäude, sondern vielfach auch das gesamte Inventar durch die Wasserschäden nicht mehr nutzbar.

Spenden für die betroffenen der Flutkatastrophe

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Hochwasserhilfe Deutschland

Mit Material des epd (Hannover)

Lass uns in deinem Namen

Eine Kirchenmusikerin und eine Theologin nehmen sich in jeder Folge eins der evangelischen Wochenlieder vor. Sie reden über Geschichte, Melodie und Text des Liedes und teilen Ideen, wie man es im Gottesdienst einsetzen kann.

Symbolbild Kopfhörer

Der Wochenliederpodcast

Martina Hergt von der Arbeitsstelle für Kirchenmusik in Sachsen und Kathrin Mette von der sächsischen Ehrenamtsakademie sind die Gesprächspartnerinnen.

https://wochenliederpodcast.podigee.io/6-lass-uns-in-deinem-namen-herr

Das Wochenlied für den 8. Sonntag nach Trinitatis hat in unserem Gesangbuch die Nummer EG 634

Lass uns in deinem Namen (EG 634)

Kurt Rommel schrieb Text und Melodie dieses unaufgeregten Liedes im angenehm zu singendem Tonraum von D-Moll. Martina Hergt erinnert das Lied an eine Wanderung auf der Hardangervidda in Norwegen. Kathrin Mette hat das Lied angeregt, darüber nachzudenken, was eigentlich mit der viel benutzten Formulierung „in deinem Namen Herr“ gemeint ist.

Herzlich Willkommen, Juliane und Matthias Jung!

Mitte Juli beginnen wir als Pfarrersehepaar unseren Dienst in der Thomasgemeinde: Pfarrerin Juliane Jung und Pfarrer Matthias Jung.

Foto von Juliane und Matthias Jung im Grünen

Als gebürtige Unterfränkin mit Wurzeln in der Rhön und gebürtiger Nürnberger/„Gosddnhuufer“ haben wir in unseren bisherigen Kirchengemeinden immer im schönen Mittelfranken gelebt und gearbeitet, meist im „Speckgürtel“ des fränkischen Ballungsraumes, zuletzt jedoch in Großhaslach, einer ländlichen Gemeinde bei Heilsbronn. Dass wir künftig in der Frankenmetropole selbst wohnen und arbeiten können, freut uns sehr.

Mit unserem kleinen, einjährigen Sohn dürfen wir als Familie gerade eine wunderbare Zeit erleben: Zwar muss er sich viele Dinge erst aneignen; doch lernt er von Woche zu Woche dazu; er begreift und wächst – langsam aber beständig; und er freut sich über die einfachsten Dinge. Das alles mitzuerleben, ist sehr spannend für uns und wir sind Gott unendlich dankbar dafür.

Ganz ähnlich sind wir gespannt, was Gott in Ihrer Gemeinde hat wachsen und reifen lassen. Besonders reizvoll finden wir da die Aufgabe, in einer Großstadtgemeinde mit unterschiedlichsten Glaubens- und Lebensgeschichten stets neu und auf einladende Weise „christliche Gemeinde“ zu leben und zu gestalten – und das alles im Miteinander mit dem Kirchenvorstand, den Ehrenamtlichen und dem Team der Hauptamtlichen.

Was wir dazu mitbringen können, ist neben etlicher Erfahrung in Gemeindearbeit und Pfarramtsführung unsere je ganz persönliche Art unseren Glauben zu leben. Unsere Liebe zur Musik bringen wir ebenso gerne ein wie unsere Liebe zu Kindern und Jugendlichen.

Mit letzterer sind wir ständig herausgefordert, wenn der Alltag einer „Pachtworkfamilie“ mit Töchtern im Teenageralter und einem Einjährigen zu organisieren ist; sie lässt sich aber nähren aus der geteilten Freude und gegenseitigen Bereicherung.

Zusammen möchten wir gerne in Großreuth/Kleinreuth heimisch werden und freuen uns darauf, Sie nach und nach kennenzulernen. Es wäre schön, wenn die Umstände es zuließen, dass viele von Ihnen schon bei unserem Einführungsgottesdienst am 25. Juli dabei sein können. Herzliche Grüße!

Pfarrerin Juliane Jung und Pfarrer Matthias Jung

Eingehüllt von Gott

Symbolbild mit Monatsspruch Juli 2021: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir (Apostelgeschichte 17,27)

Ich liebe es, im Meer zu schwimmen. Die Wellen tragen mich, die Sonne wärmt auch im Wasser meine Haut. Am liebsten bin ich da nackt, so ursprünglich schön ist das. Selbst wenn es regnet und das Meer nicht so sanft ist: Ich mag es. „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apostelgeschichte 17,27). Ich spüre, eingehüllt von Gott zu sein, ganz nah und direkt.

Paulus erzählt in Athen von seinem Gott, er geht dafür zum Areopag, dem Ort, der Weisheit, Ästhetik, Toleranz atmet. Dort hofft er beschreiben zu können, was Gottes Nähe bedeutet, wie sich das anfühlen kann. Der streng wirkende Paulus stellt sich genau auf die Menschen ein, die er erreichen will.

Spüren sie es, wenn sie von etwas ganz umschlossen und begeistert sind? Ein Sommerwald, in dem man die Sonne regelrecht riechen kann, die Ruhe hört und Wind eine Seite in uns zum Klingen bringt. Jede Faser meines Körpers genießt, staunt – Gott wird zu einem Teil von mir. Dann aber gibt es Gewitter und stürmische Fluten, Windbruch und Borkenkäfer, vertrocknete Wälder. Nichts mit Begeisterung, Gott scheint doch recht fern.

Ich weiß aber, wie das Meer ist, wie sich Moosbett anfühlt, wie großartig es ist, Wissen, Erkenntnisse aufzusaugen, Schönheit zu entdecken. Gott ist nicht fern von mir. Ich brauche diese Gewissheit, um Unwetter des Lebens, Stürme des Alltags zu überstehen.

Carmen Jäger

Einladung zur Serenade des Posaunenchores

Das Lieben bringt Groß Freud
(Das Leben in Großreuth)

Herzliche Einladung zur Serenade am Samstag, 17. Juli 2021 um 19:00 Uhr auf dem Vorplatz der Thomaskirche. Bei Regen findet die Veranstaltung in der Kirche statt.

Der Eintritt ist frei.

Was es mit den grauen Buchstaben auf sich hat, werden Sie im Verlauf des Abends erfahren. Wie immer bieten wir Ihnen eine Auswahl unseres Repertoires, von Volksliedern über Choräle bis hin zum Swing. Im Anschluss findet sich die Gelegenheit zu einem gemütlichen Beisammensein bei Brotzeit und Getränken. Den Erlös werden wir für die Reparatur unserer in die Jahre gekommenen Tuba verwenden. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Der Posaunenchor der Thomaskirche

Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor

Der Videogruß von Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

„Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.“ Der heutige Lehrtext der Herrnhuter Losung aus dem zwölften Kapitel des Römerbriefs des Paulus hat eine hohe Alltagstauglichkeit. Denn wie wir miteinander umgehen, hat eine ganz entscheidende Bedeutung für das Lebensgefühl, mit dem wir leben. Ist es eine Kultur der Abwertung? Oder ist es eine Kultur der Achtung und des Respekts?

Achtung und Respekt sind vielleicht die modernen Worte für das, was mit Ehrerbietung gemeint ist. Eine Kultur der Abwertung entsteht, wenn man über andere Menschen immer nur das sagt, was sie falsch machen. Wenn man vielleicht sogar über sie herzieht. Eine Kultur der Achtung und des Respekts entsteht, wenn wir andere Menschen ganz unabhängig von ihren Leistungen erst einmal einfach als Menschen und deswegen mit Freundlichkeit begegnen. Es geht nicht um Höflichkeitsfloskeln, es geht um eine Haltung, um eine innere Haltung, eine Haltung, die man erstmal gewinnen muss.

Wie gewinnt man sie? Paulus hat da gleich im nächsten Vers eine klare Antwort: „Seid brennend im Geist, dient dem Herrn!“ Eine innere Haltung kann auch nur von innen kommen. Sie muss sozusagen aus der Seele kommen. Deswegen sagt Paulus: Lasst euch berühren vom Geist, von der Liebe Gottes. Wenn ihr in euch spürt, wie ihr bitter frustriert oder gar verächtlich gegenüber anderen Menschen werdet: Haltet inne, redet mit Christus im Gebet. Vielleicht spürt ihr dann, wie die Achtung und der Respekt zurückkommt und ihr zu einer lebendigen Antwort werdet auf diesen Satz: „Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.“

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Die Christen und der Messias

Symbolbild: Bibel

Kann der Wanderprediger Jesus von Nazareth also überhaupt der Messias gewesen sein? Unabhängig davon, ob der historische Jesus sich selbst für einen solchen hielt oder nicht – seine Jünger waren spätestens nach Ostern fest davon überzeugt. Denn so lautet das älteste Bekenntnis des Christentums: Jesus ist der Messias – oder mit dem griechischen Wort: Jesus ist der Christus. Dieses Bekenntnis ist so verwurzelt im Christentum, dass manche das Wort Christus schon für den Nachnamen Jesu von Nazareth halten. Dabei entsprach Jesus nicht einmal der gängigen Vorstellung von einem Messias. Er kam nicht mit Macht und Herrlichkeit daher, sondern im Gegenteil: Er zeigte sich in seiner Ohnmacht und Schwäche.

Die erstmalige Ankunft Jesu war noch nicht alles, das glaubten schon die ersten Christen. Das Friedensreich ist ja noch nicht da. Jesus komme wieder, sagten sie deshalb, „zu richten die Lebenden und die Toten“, so bekennen es Christen weltweit noch heute im Gottesdienst. „Maranata“, beten sie beim Abendmahl. Auf Deutsch: „Unser Herr, komm!“ Und deshalb ist der christliche Glaube an den Christus schon immer ein Mix von beidem gewesen: Er war schon da – und er kommt noch.

Beim ersten Mal kam er, die Sünden hinwegzunehmen, heißt es im Hebräerbrief (9,28). Beim zweiten Mal wird er diejenigen retten, die auf ihn hoffen. Im Jahreszyklus macht sich dieser Mix bemerkbar. Noch am Karfreitag ist das Bekenntnis des römischen Hauptmanns unterm Kreuz zu hören: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“ (Markus 15,39). Aber schon in der Vorweihnachtszeit erwarten Christen erneut seine Ankunft.

Der Mystiker Bernhard von Clairvaux sprach sogar vom dreimaligen Kommen Jesu. Die erste Ankunft geschah in Demut: als Kind in der Krippe und als Christus am Kreuz. Die dritte Ankunft sei seine Wiederkehr in Herrlichkeit als Richter am Ende der Zeiten. Die mittlere Ankunft Christi aber, das sei die Gottesgeburt im Menschen.

Burkhard Weitz
Aus: „chrismon“, das Monatsmagazin der Evangelischen Kirche. www.chrismon.de

Predigt „Das große Abendmahl“ zu Wandbildern von Karl Hemmerlein

Von Pfarrer Dr. Matthias Dreher am 04.07.2021 (5. Sonntag nach Trinitatis) in der Stephanuskirche in Gebersdorf

Das große Abendmahl, Wandbild von Karl Hemmerlein zum Lukasevangelium in der Stephanuskirche Nürnberg. Gemalt auf dem Bogen zur Altarnische.
Bilderzyklus in der Stephanuskirche – Alle Fotos: Dr. M. Dreher

Liebe Mitchristen hier in der Stephanuskirche,

Sie haben hier in Ihrer Kirche etwas Außergewöhnliches: Diesen Bilderzyklus, den Karl Hemmerlein etwa 1930 um den Bogen zur Altarnische malte. Er zeigt, wie die meisten von Ihnen sicherlich wissen, Einzelszenen aus Jesu Gleichnis vom Großen Abendmahl, das in der Bildenden Kunst ganz ganz selten nur darstellt ist.

Kurz ein paar Worte zum Maler: Karl Hemmerlein wurde 1896 in Fürth geboren und starb auch dort im Jahr 1970. Er war also noch ein junger Künstler Mitte 30, als er diese Bilder hier schuf, – aber schon auf der Höhe seines Ruhms: 1931 wurde diese Stephanuskirche geweiht und im selben Jahr malte Hemmerlein in der neugebauten Klinikums-Kapelle in Fürth eine riesige Himmelfahrtsszene und prompt verlieh ihm 1932 die Stadt Nürnberg den Albrecht-Dürer-Preis – und das einem Fürther! Das will was heißen. Aber ab 1934 erhielt er Ausstellungsverbot für den Rest der Nazizeit und seine Himmelfahrt in Fürth wurde wenige Jahre nach ihrer Erschaffung als „entartet“ übertüncht. Dabei hat Hemmerlein immer wieder Auftragswerke für Nazis gemalt, etwa ein repräsentatives Hitler-Porträt für den früheren Fürther Oberbürgermeister. Seltsam. Wieder so ein Mensch, der in unsere drei Schubladen „Nazi“, „Widerständler“, „unpolitischer Mitläufer“ nicht reinpasst. – Zurück zu den Bildern und zum Gleichnis. Wir haben hier die Fassung, wie der Evangelist Lukas in Kap. 14 das Gleichnis überliefert. Das möchte ich gleich betonen, weil uns Matthäus dasselbe Gleichnis erzählt, aber in einer Variante, zu der man ganz andere Bilder hätte malen müssen.

Wie sehen wir den Bilderzyklus heute?

Ich stelle mir vor, wie ein normaler Mensch von heute, der das Gleichnis gar nicht kennt, z.B. ein neuer Konfirmand, dieses Bild betrachten würde. Er sieht sieben Szenen, die jeweils ohne Boden und Hintergrund – typisch für Hemmerlein zu der Zeit – um den Bogen gruppiert sind. Jede steht für sich und doch sind alle sieben durch die Farben und v.a. durch die Körperhaltungen aufeinander bezogen. Der Bilderbogen zerfällt nicht und wird zusammengehalten durch die Tischszene in der Mitte oben. Darauf streben die beiden Seiten zu. Die zentrale Figur ist am leichtesten zu erkennen: Das muss Jesus sein, mit Heiligenschein. Wer sich nur ein bisschen auskennt in christlicher Kunst, den erinnert dieser Tisch mit dem gefalteten Tischtuch an unzählige Abendmahls-Bilder. Das „normale“, das „letzte“ Abendmahl kann aber nicht gemeint sein, denn wir sehen keine 12 Jünger, sondern links einen alten und einen jungen Mann; rechts eine alte und eine junge Frau. Auf dem Tisch stehen außer Brot auch zwei Schalen mit etwas wie Äpfeln drin.

Abendmahlszene aus "Das große Abendmahl" in der Stephanuskirche von Karl Hemmerlein

Also die Menschen, jung und alt, essen mit Jesus. Hm. Wo, wann und warum bleibt unklar. – In den je drei Szenen links und rechts erkennt man eine Figur überall wieder: Den Mann im blauen Gewand, der alle auf den Tisch mit Jesus hinweist. Die anderen Menschen streben dreimal von ihm weg, dreimal folgen sie ihm. Aber was sollen die Ochsen und das Kornfeld?

Predigttext

Jetzt wird es Zeit, das Gleichnis zu hören. Jesus ist am Sabbat zu Gast bei einem Ober-Pharisäer in Jerusalem und hat schon Gleichnisse und anderes gelehrt, da gibt ihm ein anderer Gast das Stichwort:

Da aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit!

Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn.

Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

Lukas 14,15-24

Das Gleichnis in der Stephanuskirche

Also: Ein offenbar reicher Mann veranstaltet ein großes Abendessen – und da muss man wissen, dass es damals in Palästina üblich war, zweimal einzuladen. Erst gibt’s eine Voreinladung, dann bereitet der Gastgeber alles zu und wenn’s soweit ist, geht nochmal ein Bote herum und sagt den Gästen: So, es ist soweit, ihr könnt kommen. Der Satz des Knechts: „Kommt herzu, denn es ist alles bereit“, ist in unsere Abendmahls-Liturgie eingegangen. Viele, heißt es, waren eingeladen, jetzt aber finden ALLE Ausreden, um nicht zu kommen. Die drei, von denen im Einzelnen erzählt wird, sind also nur Beispiele. Der erste muss seinen neu gekauften Acker begutachten. Der zweite hat für seine Felder neue Ochsen gekauft und muss schauen, ob sie was taugen. Der dritte hat frisch geheiratet und will von seiner Braut nicht weg. Die drei haben wir eher im unteren Bereich hier dargestellt.

Es sind also Geschäfte und Belange des normalen, weltlichen Lebens, die sie abhalten, die Einladung anzunehmen. Wir alle kennen so etwas auch: „Du, ich habe mir ein neues Auto gekauft und muss es in Wolfsburg abholen. An dem Freitag kann ich leider nicht zu deiner Grill-Party kommen. Sonst gerne, aber grad da, geht es nicht.“ – „Meine Lieben, danke für die Einladung zu Pauls Konfirmation. Aber gerade an dem Sonntag muss ich zur Kommunion meines Patenkindes. Ich hoffe, ihr versteht das.“ Klar, sowas kennen wir. Und es ist auch in der Regel gar nicht böse gemeint. Ja, sagen wir’s ruhig: Diese drei Menschen, die hier absagen, sind keine Bösen.

Trotzdem wird der Hausherr bei Jesus jetzt „zornig“. Einmal sicherlich, weil plötzlich alle absagen und er mit seinem vielen Essen allein dasteht. Zum anderen – und das ist noch viel wichtiger –, weil sich in den an sich nachvollziehbaren Ausreden eine Prioritätensetzung zeigt: „Ja, eigentlich, lieber Gastgeber, würden wir dir schon die Ehre geben, aber unsere eigenen Belange – und sind sie noch so alltäglich – sind uns trotzdem näher und wichtiger.“ Sie verstehen offensichtlich nicht, wie wichtig dem Gastgeber sein Fest, wie wichtig ihm seine Gäste sind und wie wichtig vielleicht er selbst für sie ist.

Ich erzähle Ihnen, wie ich das selbst erlebt habe:

Letztes Jahr wurde ich 50 und wollte ein Fest in einem schlossartigen Saal veranstalten. Also schickte ich ein Jahr zuvor ein „Save-the-date“ wie das Neudeutsch heißt an die Gäste raus. Auch an meinen Onkel und Paten, zu dem ich regelmäßig Kontakt hatte und der mir nahe und wichtig ist. Die meisten sagten da schon zu; er auch. Als das Fest dann näherrückte, sagte er wieder ab, weil er an diesem Wochenende – entweder an seinem Buch weiterschreiben oder mal wieder mit seiner Frau in Urlaub fahren wolle. Pa! Ich konnte mir aussuchen, was von beidem ihm wichtiger wäre als meine Einladung. Da war ich vielleicht sauer – und bin es ehrlich gesagt bis heute. Aber „sauer“ trifft es noch gar nicht. Ich bin natürlich tief enttäuscht, weil ich merke, dass mein Onkel gar nicht der ist, als den ich ihn sehe und dass ihm unsere Beziehung lang nicht soviel wert ist, wie ich dachte. Das schmerzt. Und daher kommt der Zorn. 

Aber jetzt macht der Hausherr, der bei Jesus natürlich für Gott steht, etwas anderes, als ich es getan hätte. Er schickt den Knecht, seinen Einlader noch zweimal los, um seine Fest-Tafel doch noch irgendwie zu füllen. Die erste Runde geht in die Stadt an die Armen, die Krüppel, die Blinden und Lahmen. Die zweite Runde geht nach außerhalb der Stadt an die Wege und Zäune, also an die Landstreicher und Tagelöhner.

Man kann zusammenfassen: Der Hausherr holt sich gesundheitlich oder sozial unreines, ausgestoßenes Gesindel ins Haus. Leute, mit denen angesehene, etablierte Herrschaften der Gesellschaft nichts zu tun haben wollen. Das macht es den Hörern des Gleichnisses – also auch uns – schwer, sich in diese Botschaft einzuklinken. Denn mit welcher Gruppe wollen wir uns identifizieren? Sind wir die Ersteingeladenen, die absagen und nichts von Gott abbekommen? Oder sind wir verachtete Außenseiter? Beides will man nicht sein. Wenn wir überhaupt bereit sind, hier eine Botschaft für uns zu hören – und das sollen wir natürlich – dann geht das nicht ohne Kränkung unseres Egos ab.

Die Gemeinde, für die der Evangelist Lukas schreibt, dürfte das so verstanden haben, dass mit der ersten Runde innerhalb der Stadt die Mission unter Juden, v.a. in Jerusalem gemeint war – so wie sie Lukas in der ersten Hälfte der Apostelgeschichte beschreibt. Die zweite Runde sollte ein Bild für die sog. Heidenmission sein – also unter Nicht-Juden im nordöstlichen Mittelmeer-Gebiet, so wie sie Lukas in der zweiten Hälfte der Apostelgeschichte darstellt. Zu dieser letzten Heiden-Gruppe von den Wegen und Zäunen zählte die Lukas-Gemeinde sich wohl auch selbst und war dankbar, „auf den letzten Drücker“ noch mit rein-genötigt worden zu sein.

Zurück zum Gleichnis

Schauen wir uns nochmal die Hilfsbedürftigen der ersten Ersatzsammlung an: Jesus selbst beschreibt sein Auftreten gegenüber den Jüngern Johannes des Täufers einmal so:

„Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“

Matthäus 11,5f

Anderswo sagt er zu seinen eigenen Jüngern:

„Geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel“

Matthäus 10,6

Das war die Sendung, mit der Jesus angetreten ist: Natürlich hat er sich auch werbend an die Schriftgelehrten und Pharisäer gewandt. Die sind wohl  im Gleichnis sogar ursprünglich mit den zuerst Eingeladenen, ehrwürdigen Gästen gemeint gewesen. Aber je deutlicher die sich verschließen, desto mehr wirbt Jesus um die Außenseiter, die der barmherzige Gott eben keinesfalls weniger haben will als die Angesehenen. Und wenn sich zeigt, dass den Angesehenen ihr Ansehen wichtiger ist als Gott, dann begnügt sich Gott eben mit den Nicht-Angesehenen. Denn das Ansehen unter Menschen interessiert ihn ohnehin nicht.  Diese Reihe der Hilfsbedürftigen klang und klingt in jüdischen Ohren sehr vertraut, weil alle diese schon beim Propheten Jesaja genannt werden als die, deren sich Gott in der endgültigen Heilszeit erbarmt.i Wenn in unserem Gleichnis der Hausherr also Arme und Krüppel, Blinde und Lahme zum Festmahl einlädt, dann ist nicht gemeint: Die kriegen halt auch mal einen schönen Abend in ihrem verzweifelten Leben – so als Tropfen auf den heißen Stein, sondern: Sie werden durch dieses Fest heil gemacht. Sie bleiben in der heilvollen Beziehung mit ihrem unverhofften Gastgeber.

i „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jubeln wird die Zunge des Stummen." (Jes 35,5.6) „Und an jenem Tag werden die Tauben die Worte des Buches hören, und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen. Und die Sanftmütigen werden ihre Freude in dem HERRN mehren, und die Armen unter den Menschen werden frohlocken in dem Heiligen Israels" (Jes 29,18.19).

Was hat das mit uns zu tun?

So! So schön und interessant das alles sein mag, – es bleibt die Frage. Was hat das mit uns zu tun? Karl Hemmerlein hat die Frage mit seinen Bildern beantwortet – in ganz spezieller Hinsicht. Er malt ja das Gleichnis um den Bogen zum Altar herum. Und er malt Jesus als Gastgeber des großen Festes in Abendmahls-ähnlicher Art. Soll heißen: Jesus lädt uns, Dich und Dich und Dich immer wieder zum Abendmahl ein und er guckt eifersüchtig, wer dem zustimmt und wer absagt. Wer das Abendmahl verschmäht, wer weltliche Belange vorzieht, hat nicht kapiert, was das Abendmahl wert ist, hat nicht kapiert, dass hier die festliche Gelegenheit ist, unserem Retter und Heiland persönlich zu begegnen. Und wer das eben nicht kapiert, bleibt für immer ausgeschlossen von seinen Heilsgaben, als da wären: Vergebung und ewiges Leben. Und wer sich spontan einladen lässt – und fühlt er oder sie sich noch so unwürdig und fernstehend, – der darf Jesu Gemeinschaft im Hl. Sakrament genießen.

So deutet hier der Maler, wobei er zwischen den Spontan-Gästen aus der der Stadt und von außerhalb kaum unterscheidet. Links sieht man eine Krücke, sonst verschwimmen die zwei Gruppen. – So passt es natürlich auch stimmig als Ausmalung einer Kirche, – aber: Es ist schon eine Verengung des Gleichnisses.

Denn Jesus meint mit dem Hausherrn nicht sich selbst, sondern Gott, seinen Vater und unseren Vater, – und mit dem großen Abendmahl meint er nicht unser Sakrament, sondern überhaupt das heilvolle Zusammensein und Feiern im Reich Gottes. 

Gott lädt uns ein!

Damals wie heute herrscht ja, liebe Mitchristen, ein Gottesbild vor, wonach Gott, wenn er groß ist, auch großzügig sein muss. Drum wird er sich schon noch etwas gedulden, bis wir sein Werben, sein Rufen, seine Einladung annehmen. Sterben sollten wir vielleicht im Frieden mit ihm; aber vorher können wir ihn doch hinhalten und erstmal noch die Dinge verfolgen, die uns wichtig sind. Gottes Reich kommt! Ja, – schön und gut, aber doch nicht heute und nicht morgen bitte.

Mit diesem lahmen Bild von Gott und seinem St.-Nimmerleins-Himmelreich räumt Jesus hier auf: Gott lädt uns ein – und zwar dringlich, weil er alles schon vorbereitet hat, weil alles fertig auf uns wartet, was er uns geben will. Und das ist eigentlich nicht dieses oder jenes, sondern es ist das festliche Zusammensein, die unbeschwerte Beziehung, die erleichterte Festfreude in seiner Gegenwart. Dazu lädt er uns ein – und zwar unaufschiebbar JETZT. Der eifersüchtige Hausherr im Gleichnis soll uns aufrütteln: Es gibt ein Zu-spät. Es gilt: Jetzt oder nie! Du kannst Gott nicht zusätzlich haben, quasi „Gott on top“ – zusätzlich zu allem, womit du dein Leben selbst bereicherst. Sondern Gott verlangt, dass du deine Prioritäten umschichtest und ihn vorziehst! Und bitte: Die Dringlichkeit dieser Entscheidung für Gott wird nicht mit Unheil und Strafe verdeutlicht, sondern mit dem unaufschiebbaren Fest. Das die Ersteingeladenen dann am Schluss für immer ausgeschlossen werden, ist keine angedrohte Strafe, sondern einfach die Konsequenz ihres eigenen Tuns. Aber auch diese Konsequenz gilt.

Die sozialpädagogische Integration aller, egal wie sie sich zu Gott stellen oder gestellt haben; – das unterschiedslose Gießkannen-Heil für alle; die Scheu, irgendjemanden auszuschließen, – all diese Rettungsanker einer postmodernen Rückzugs-Religiosität sind Jesus fremd! Es bleibt ein Drinnen und Draußen, ein Dabeisein und der Ausschluss; es bleiben Heil und Unheil.

Wir können uns auch nicht beruhigen, dass wir schon die sein werden, die einst wie von den Wegen und Zäunen noch genötigt werden, hinzuzukommen. Denn anders als diese und gleich wie die Schriftgelehrten und Pharisäer- damals – wissen wir ja längst von Gott, von seinem Willen, von seiner Offenbarung, die uns ruft. Also sind wir gerufen: Entscheide dich, die Einladung anzunehmen; schließ‘ dich nicht selber aus! Was dir blüht, wird ein Fest sein, gewährt in Liebe und Gnade. Was dir blüht wird Freude und Genuss, Leichtigkeit und Glück sein, was alles du nicht verdient hast, was aber Gott gehört und er mit dir teilen will. Komm herzu, denn es ist alles bereit. Der Herr sehnt sich mit Leidenschaft, dich zu deinem Platz an der Tafel zu führen. 

Amen.  

Dr. Matthias Dreher, Pfarrer

Stadtradeln

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Aktionszeitraum vom 02.07. bis 22.07.2021

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