Weg in die Freiheit

Monatsspruch Juni 2024: Mose sagte: Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen und schaut zu, wie der HERR euch heute rettet! 2. Mose 14,13

Es gibt Situationen, da weiß und kann man nicht weiter! Diese ausweglose Lage kann einen entmutigen und kopflos machen. Besonders, wenn sie sich lange hinzieht. Da leidet die Studentin Lina an bedrückender Einsamkeit, weil in der Corona-Pandemie direkte Kontakte zu Mitstudierenden zu gefährlich sind. Doch endlich verbessert sich nach Monaten die Infektionslage wieder und die meisten Corona-Schutzmaßnahmen entfallen. Ihren persönlichen „Freedom-Day“ im Frühjahr 2022 notiert sich Lina rot in ihrem Kalendarium. Diesen „Freiheits-Tag“ will sie sich merken.

Um das Jahr 1.200 vor Christus befreite Gott das Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Endlich! Doch da tat sich vor den Israeliten auf ihrem Weg in das verheißene Land der Freiheit ein schier unüberwindbares Hindernis auf: das Schilfmeer. Zudem jagten ihnen ägyptische Soldaten mit Streitwagen hinterher, um sie grausam zu bestrafen und erneut zu versklaven. Kein Wunder, dass die Israeliten in Panik gerieten. Und Gott hörte ihr Schreien am Schilfmeer, wie er ihr Stöhnen und Schreien unter der Sklaverei gehört hatte. Durch Mose machte Gott seinem Volk erneut den Weg frei, durch das Meer hindurch.

Die wunderbare Befreiung aus der Sklaverei mit der Rettung am Schilfmeer ist zu einem Urdatum für das Volk Israel geworden. Jahr für Jahr denken sie dankbar daran. Es bestimmt ihre DNA und gibt ihnen Kraft für die konkret zu bewältigenden Aufgaben.

Reinhard Ellsel

2. Kanzelabkündigung zur Kirchenvorstandswahl

Liebe Gemeinde,
„Stimm für Kirche“ – unter diesem Motto findet am 20. Oktober die Kirchenvorstandswahl statt. 9 Männer und Frauen aus unserer Gemeinde haben sich bis jetzt zur Kandidatur bereit erklärt. Das heißt, sie sind bereit, sich mit ihrer Person, ihrer Zeit und Kraft einzusetzen für die Lebendigkeit und für die Aufgaben unserer Gemeinde. Wir können sie darin bestärken durch unser Interesse und durch unsere Stimmabgabe.

Dazu bekommen Sie, liebe Gemeinde heute wichtige Informationen. Der Vertrauensausschuss hat den vorläufigen Wahlvorschlag aufgestellt. Er enthält folgende Namen in alphabetischer Reihenfolge:

  • Walter Albert
  • Christian Fenn
  • Ingrid Fischer
  • Wilfried Kohl
  • Martin Neidiger
  • Olaf Pirk
  • Jürgen Staub
  • Monika Werthner
  • Erika Zahn

Sie können weitere Kandidatinnen und Kandidaten benennen. Dazu gilt eine Frist von 10 Tagen, die am 12.Juni 2024 endet. Geben Sie Ihre Vorschläge bitte in diesem Zeitraum an den Vertrauensausschuss, bzw. ans Pfarramt. Der Vertrauensausschuss muss Kandidatinnen und Kandidaten in den Wahlvorschlag aufnehmen, wenn sie wählbar sind und von mindestens 20 wahlberechtigten Gemeindemitgliedern schriftlich vorgeschlagen wurden. Dabei sind Geburtsdatum, Wohnung und Beruf zu nennen.

Bitte merken Sie sich den 20.Oktober vor. Es ist der Wahltag. Dadurch, dass Sie zur Wahl gehen oder von der Briefwahl Gebrauch machen und Ihre Stimme abgeben, entscheiden Sie sich für unsere evangelische Stephanus-Gemeinde. Die Briefwahlunterlagen erhalten Sie automatisch mit der Post.

Der Vertrauensausschuss

Einladung zum Gemeindefest

Wir feiern unser Gemeindefest am Sonntag, 16. Juni 2024 ab 10:15 Uhr in und um die Stephanuskirche

Werbemotiv Gemeindefest mit gezeichneter Kirche

Programmablauf

10:15 Uhr Familiengottesdienst

Musical mit dem Rabenchor

11:30 Uhr Begrüßung

Wir bieten Ihnen an: Bratwürste, Steaks, Schäufele mit Kloß, Salate und Vegetarisches, Getränke

Eröffnung des Losverkaufs für die Tombola

Mittags: Musik vom Posaunenchor

„AlGeBrass“ aus St. Markus, Altenberg und Gebersdorf

Für Kinder und Familien

Hüpfburg, Kinderschminken und weitere Aktivstationen

13:30 Uhr Beginn Kaffee- und Kuchenverkauf

Am Nachmittag: Für Unterhaltung ist gesorgt

Musik von der Gitarrengruppe „Slowhander“ und der Akkordeongruppe

17:00 Uhr Ausklang der Veranstaltung

Kirchenvorstandswahl im Oktober

Vielleicht haben Sie sich schon Gedanken dazu gemacht, für unseren neuen Kirchenvorstand zu kandidieren. Erste Vorschläge aus der Gemeinde hat unser Vertrauensausschuss bereits bis Anfang Mai gesammelt.

Falls Sie sich eine Kandidatur vorstellen können oder eine Kandidatin oder einen Kandidaten gerne vorschlagen möchten, tun Sie das bitte spätestens bis zum 27.Mai persönlich im Pfarramt (oder per Mail ans Pfarramt).

Aufgaben unseres kirchlichen Leitungsgremiums

Der Kirchenvorstand

  • verantwortet die Gestaltung des geistlichen Lebens und setzt Schwerpunkte bei Gemeindeaktivitäten.
  • ist beratend tätig und wirkt mit bei der Ausrichtung der Kinder-, Konfirmanden-, Jugend-, Familien-, und Seniorenarbeit.
  • ist verantwortlich für die Verwaltung der Finanzen und der Immobilien: Kirche, Gemeindehaus, Kindergarten.
  • wirkt bei der Besetzung der Pfarrstelle und anderen Arbeitsplätzen in der Gemeinde mit.
  • vertritt die Kirchengemeinde in der Öffentlichkeit.

Neben markanten Kompetenzen, guten Ideen und der Bereitschaft diese umzusetzen, sollten Sie Freude am Umgang mit Menschen haben.
Außerdem sollte ein KV-Mitglied auch Zeit für ca. 6-8 Sitzungen pro Jahr mitbringen.
Das Mindestalter für eine Kandidatur beträgt 18 Jahre.
Die Amtszeit ist angesetzt auf sechs Jahre, ein vorzeitiges Ausscheiden ist möglich.
Bei Rückfragen können Sie gerne mich oder unsere bisherigen KV-Mitglieder ansprechen.

Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Land der Freiheit?

Monatsspruch Mai 2024: Alles ist mir erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten. Alles ist mir erlaubt, aber nichts soll Macht haben über mich. 1. Korinther 6,12

Alles erlaubt, das hört sich gut an. Es öffnet die Grenzen ins Land der Freiheit. Und das fühlt sich auch gut an. Was für ein Geschenk es ist, in einem freien Land zu leben, kann ich ermessen, wenn ich sehe, wie anders es anderswo ist. Frauen dürfen sich in der Öffentlichkeit nur verschleiert zeigen, Mädchen nicht in die Schule gehen, Menschen werden durch Kameras überwacht und für das kleinste Fehlverhalten bestraft.

Ich selber könnte, wenn ich wollte, im Bikini durch die Innenstadt gehen oder mit 200 Sachen über die Autobahn rasen. Viel wichtiger aber ist mir, dass ich meine Meinung sagen darf, ohne Angst zu haben, und Christin sein darf, ohne mich verstecken zu müssen.

Alles erlaubt, sagt auch Paulus und öffnet die Grenzen ins Land der Freiheit. Und dann folgt doch ein „Aber“. Ja, ich darf mir alle Freiheiten nehmen. Aber vorher mahnt Paulus an, mich zu fragen: Dient es zum Guten? Denn wenn ich Unheil bewirke, wenn ich die Würde anderer verletze oder auf Kosten der Zukunft lebe, dann braucht meine Freiheit ein „Aber“, eine selbst gewählte Grenze. Und auch dort, wo ich mir selber schade, sollte ich mir Einhalt gebieten.

Denn auch das ist mir erlaubt: mein Freiheitsrecht hintenanzustellen um anderer oder meiner selbst willen: Ich kann überprüfen, ob meine Einkäufe fair gehandelt sind. Ich muss nicht lästern über das, was meinem Gegenüber heilig ist. Ich kann auf die Flugreise verzichten, um das Klima zu schonen. Und darf auch dem, was mir selber schadet, eine Absage erteilen.

Tina Willms

Geh aus, mein Herz, und suche Freud

500 Jahre Gesangbuch Das Top-2-Lied im Gesangbuch stammt von Paul Gerhardt

Vor 500 Jahren erschienen in Deutschland die ersten Gesangbücher.
Dies Jubiläum wird 2024 von der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD) gefeiert. Gleichzeitig ist bis 2030 ein neues evangelisches
Gesangbuch in Planung. Deshalb hat die EKD nach den fünf Liedern
gefragt, die auf jeden Fall im neuen Gesangbuch dabei sein sollen
.


Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben
Sommerzeit an deines Gottes Gaben; schau an
der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir
sich ausgeschmücket haben.

EG 503,1

Frühling und Sommer laden dazu ein, dass wir uns an der schönen Schöpfung erfreuen. Der Dichter Paul Gerhardt (1607–1676) führt ein Selbstgespräch: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“ Und über dieses Selbstgespräch nimmt er auch uns mit hinein in seine Freude. Der Bogen spannt sich von „Narzissus und die Tulipan“ über „die hochbegabte Nachtigall“ bis hin zu der „unverdrossnen Bienenschar“. Unsere Gedanken und Gefühle gehen auf die Reise von „der schönen Gärten Zier“ in die große und weite Schöpfung.

Zusammen mit der volksliedhaften Melodie von August Harder (vor 1813) haben vor allem die ersten drei der insgesamt 15 Strophen Eingang in viele Liederhefte gefunden. Auch außerhalb der Kirche werden bis heute auf unzähligen Fahrten durch die sommerliche Natur diese lebensvollen Zeilen gerne gesungen. Das Herz wird mir leichter. Hier in der Schöpfung kann ich so viel von dem lebendigen Atem Gottes sehen und spüren; von Gott, der nach der Sintflut gesagt hat:

Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte,
Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.

1. Mose 8,22

Reinhard Ellsel

Platz für Hoffnung

Symbolbild: Bibel

„Kann ich trotz der ganzen Katastrophen glauben?“ Die Antwort auf unsere Frage finden wir am Frankfurter Flughafen. Es gibt dort eine Art Haftanstalt, wohin unter anderem Menschen gebracht werden, die hier ohne gültige Papiere landen. In einem Schnellverfahren wird entschieden, ob der Asylantrag Chancen hat und der Mensch nach Deutschland einreisen darf. In vielen Fällen ist die Antwort: nein. So ging es auch Frau Dube, die eigentlich anders heißt. Ihre Geschichte ist wahr, aber anonymisiert.

Ein paar Tage nach der Entscheidung sah ein Mitarbeiter Frau Dube. Sie lächelte. In so einer Situation lächeln zu können, das sei bewundernswert. Sie habe wirklich Kraft. Sie sagte in Anlehnung an ein Jesuswort: „Gott kümmert sich um uns. Wenn er sich um die Vögel am Himmel und die Blumen auf der Erde kümmern kann, warum dann nicht auch um uns.“ Frau Dube konnte trotz der Katastrophen in ihrem Leben glauben. Glauben entsteht nicht, weil es einem Menschen so gut geht oder weil die Welt so paradiesisch wäre. Im Gegenteil wirkt Glauben oft dann besonders stark, wenn alles schlecht und bedrohlich ist. Glauben ist trotzig.

Auch die Jüngerinnen und Jünger Jesu waren trotzig. Jesu Tod am Kreuz hat sie nicht endgültig abgeschreckt. Sie haben trotzdem geglaubt. Gut, er ist ihnen als Auferstandener erschienen. Aber wie lesen wir diese Geschichten heute? Wir Menschen haben die Fähigkeit, trotz aller Katastrophen zu glauben. Die Jünger und Jüngerinnen waren erst einmal in sich zusammengebrochen, doch sie gaben nicht auf und ließen den Tod nicht das Ende sein. Jesus war tot und ist es bis heute. Die Christen nennen ihn den Auferstandenen, trotzdem.

Warum manche glauben und andere nicht, ist ein Geheimnis. Traditionell finden Menschen durch Verkündigung (Predigt) und Sakramente (Taufe und Abendmahl) zum Glauben. Aber auch ohne die Kirche können wir Menschen daran arbeiten, dass andere glauben. Es ist wie bei der Erziehung von Kindern: Vorleben führt zu Nachahmung, Geborgenheit führt zu Zutrauen in die Welt.

Dass wir Menschen so etwas wie Glauben empfinden können, ist ein evolutionärer Vorteil. Wie sonst sollten wir uns motivieren, immer wieder aufzustehen? Katastrophen sind allgegenwärtig. Auch ein glückliches Leben endet in der Katastrophe des Todes, führt dazu, dass wir irgendwann nicht mehr aufstehen können. Es ist nicht nur möglich, trotz Katastrophen zu glauben, sondern auch nötig. Ansonsten lassen wir der Katastrophe das letzte Wort.

Konstantin Sacher
Aus: „chrismon“, das Monatsmagazin der evangelischen Kirche. www.chrismon.de

Ins Leben geprägt

Monatsspruch April 2024: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechtschaffenheit fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt. 1. Petrus 3,15

Das Abitur war geschafft, nun waren die Tage leer. Manchmal hatte ich auf die Schule geschimpft, doch jetzt fiel mir der Abschied schwer. Auch wusste ich noch nicht, was ich werden wollte. Eine so weitreichende Entscheidung zu treffen: Dazu fühlte ich mich kaum in der Lage. Dennoch: Die Lücken im Kalender wollte ich nutzen, so machte ich mit einigen Freund:innen eine Reise, die uns auch in eine kleine Fachwerkstadt führte. Dort teilten wir uns auf, jede und jeder hatte Zeit für das, was ihn oder sie interessierte.

Ich ging etwas ziellos durch die Gassen und fragte mich, wie mein Leben weitergehen würde. Nebenbei betrachtete ich die Fachwerkhäuser. Da fiel mein Blick auf einen dicken Balken, der einen First trug. Ein Bibelvers war dort eingeschnitzt: „Es sollen wohl Berge weichen und Hügel hinfallen, aber meine Gnade soll nicht von dir weichen, und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen, spricht der Herr, dein Erbarmer.“ Uralte Worte, und doch in diesem Moment wie für mich und meine Zukunft gemacht. Etwas in mir löste sich, meine Schritte fühlten sich leichter an und Freude machte sich in mir breit.

Jahrhunderte zuvor hatten Menschen die Worte in diesen Balken geschnitzt. Und mehr als tausend Jahre zuvor hatte jemand sie niedergeschrieben. Menschen, die längst nicht mehr lebten, hatten Auskunft gegeben über die Hoffnung, die sie erfüllte und durchs Leben trug, und hatten sie weitergereicht durch die Zeiten. Und nun prägten sie diese Hoffnung mir ins Gedächtnis und ins Leben.

Tina Willms

Bilder aus anderen Welten

gezeichnetes Kreuz mit dem Schatten von Palmzweigen im Hintergrund

Manchmal ist es, als gäbe ein*e schon Gestorbene*r ein Zeichen aus einer anderen Welt.

Der tote Vater erscheint in einem Traum, der mir so real vorkommt. Und dem doch ein Erwachen folgt und dann ein Verblassen. Eine verstorbene Schwester scheint noch einmal präsent, ja, fast greifbar nah.

Aber ob es so ist? Ist wirklich er es oder sie, die zurückkehren? Als sei der Horizont eine halbdurchlässige Haut, durchdringbar von der gegenüberliegenden Seite. Jedes dieser Ereignisse ließe sich auch anders deuten.

Vielleicht erlebe ich diesen Moment, weil meine Sehnsucht und meine Fantasie sich verbünden. Sie erschaffen Bilder, die den Träumen ähnlich sind, nur eben am Tag. Gnädige, gütige Bilder, die Kraft haben, mich zu trösten.

Wenn der Augenblick endet, in dem diese Bilder real erscheinen, wird der Schmerz wieder spürbar. Aber es bleibt auch die Erinnerung, stark und präsent. Und die möchte ich nicht gleich wieder wegwischen.

Diese Bilder, es mag sein, dass sie nicht zu dem gehören, was wir „Wirklichkeit“ nennen. Und doch sind sie wirksam und wirken weiter in mir.

Und so sind diese Trostbilder nicht vertröstend, sondern stiften Hoffnung und Kraft. Sie helfen zu überstehen, was eigentlich unerträglich ist.

Sie gehen mit, wenn die Zeit ihren Takt und ihr Tempo wieder aufnimmt, der Alltag zurückkehrt und das Leben wieder an Normalität gewinnt.

Ich kann mich erinnern, ihnen nachspüren. Wieder und wieder trösten sie mich.

Aus: Tina Willms, Im Blickfeld des Himmels
Neukirchener Verlagsgesellschaft 2022