Herzlich Willkommen, Juliane und Matthias Jung!

Mitte Juli beginnen wir als Pfarrersehepaar unseren Dienst in der Thomasgemeinde: Pfarrerin Juliane Jung und Pfarrer Matthias Jung.

Foto von Juliane und Matthias Jung im Grünen

Als gebürtige Unterfränkin mit Wurzeln in der Rhön und gebürtiger Nürnberger/„Gosddnhuufer“ haben wir in unseren bisherigen Kirchengemeinden immer im schönen Mittelfranken gelebt und gearbeitet, meist im „Speckgürtel“ des fränkischen Ballungsraumes, zuletzt jedoch in Großhaslach, einer ländlichen Gemeinde bei Heilsbronn. Dass wir künftig in der Frankenmetropole selbst wohnen und arbeiten können, freut uns sehr.

Mit unserem kleinen, einjährigen Sohn dürfen wir als Familie gerade eine wunderbare Zeit erleben: Zwar muss er sich viele Dinge erst aneignen; doch lernt er von Woche zu Woche dazu; er begreift und wächst – langsam aber beständig; und er freut sich über die einfachsten Dinge. Das alles mitzuerleben, ist sehr spannend für uns und wir sind Gott unendlich dankbar dafür.

Ganz ähnlich sind wir gespannt, was Gott in Ihrer Gemeinde hat wachsen und reifen lassen. Besonders reizvoll finden wir da die Aufgabe, in einer Großstadtgemeinde mit unterschiedlichsten Glaubens- und Lebensgeschichten stets neu und auf einladende Weise „christliche Gemeinde“ zu leben und zu gestalten – und das alles im Miteinander mit dem Kirchenvorstand, den Ehrenamtlichen und dem Team der Hauptamtlichen.

Was wir dazu mitbringen können, ist neben etlicher Erfahrung in Gemeindearbeit und Pfarramtsführung unsere je ganz persönliche Art unseren Glauben zu leben. Unsere Liebe zur Musik bringen wir ebenso gerne ein wie unsere Liebe zu Kindern und Jugendlichen.

Mit letzterer sind wir ständig herausgefordert, wenn der Alltag einer „Pachtworkfamilie“ mit Töchtern im Teenageralter und einem Einjährigen zu organisieren ist; sie lässt sich aber nähren aus der geteilten Freude und gegenseitigen Bereicherung.

Zusammen möchten wir gerne in Großreuth/Kleinreuth heimisch werden und freuen uns darauf, Sie nach und nach kennenzulernen. Es wäre schön, wenn die Umstände es zuließen, dass viele von Ihnen schon bei unserem Einführungsgottesdienst am 25. Juli dabei sein können. Herzliche Grüße!

Pfarrerin Juliane Jung und Pfarrer Matthias Jung

Einladung zur Serenade des Posaunenchores

Das Lieben bringt Groß Freud
(Das Leben in Großreuth)

Herzliche Einladung zur Serenade am Samstag, 17. Juli 2021 um 19:00 Uhr auf dem Vorplatz der Thomaskirche. Bei Regen findet die Veranstaltung in der Kirche statt.

Der Eintritt ist frei.

Was es mit den grauen Buchstaben auf sich hat, werden Sie im Verlauf des Abends erfahren. Wie immer bieten wir Ihnen eine Auswahl unseres Repertoires, von Volksliedern über Choräle bis hin zum Swing. Im Anschluss findet sich die Gelegenheit zu einem gemütlichen Beisammensein bei Brotzeit und Getränken. Den Erlös werden wir für die Reparatur unserer in die Jahre gekommenen Tuba verwenden. Wir freuen uns auf Ihr Kommen!

Der Posaunenchor der Thomaskirche

Predigt Kantate, Einführungsgottesdienst

Einführungsgottesdienst von Pfarrerin Dr. Judith Böttcher am 02.05.2021 in der Thomaskirche in Großreuth

Symbolbild Kantate: Rotkehlchen singt auf einem Ast
Der Corona-Lockdown ließ Singvögel schöner zwitschern – haben Forscher herausgefunden. Im Gottesdienst dürfen wir nicht singen, die Vögel können wir aber den ganzen Tag hören und uns daran erfreuen.

Liebe Gemeinde,

„singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ – diese uralte Aufforderung aus dem Psalm 98 ist uns heute als Wochenspruch gesagt, und er wird auch den Anhängerinnen und Anhängern Jesu damals, vor langer Zeit, in Jerusalem bekannt gewesen sein. Als Jesus auf einem Esel den Ölberg hinunterritt, wurde er neugierig und freudig begrüßt, von denen, die von ihm gehört hatten. Nachdem sie den Weg mit Tüchern und Kleidern gegen den Staub ausgelegt hatten, sangen sie auch. Wir hören den Predigttext aus dem Lukasevangelium:

Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Lukas 19, 37-40

Wenn diese schweigen, dann werden die Steine schreien.

Hören wir es, das Schreien der Steine? Wir sind hier heute zum Gottesdienst versammelt, aber statt gemeinsam als Gemeinschaft und Gemeinde zu singen am Sonntag Kantate, – das heißt schließlich „singet!“ -, müssen Sie schweigen. Wenn Jesus heute hier in Thomas einziehen würde, müssten wir uns mit 2 m Abstand in eine Reihe stellen, FFP-2-Masken vor Mund und Nase, und dürften nur entweder leise summen oder, nicht zu laut, herzlich Willkommen sagen. Hand schütteln geht natürlich auch nicht.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“. Es gibt viele hier in der Gemeinde, die gerne Musik machen, die gerne singen, und da schließe ich mich selbst unbedingt mit ein. Der Sonntag Kantate gehört ja in vielen Gemeinden zu den Höhepunkten des kirchenmusikalischen Jahres. Viele kommen zusammen, um an einem Werk mitzuwirken. Und viele kommen, um zuzuhören. Musik geht unter die Haut. Immerhin haben wir ja heute das Glück, dass wir nicht nur die Orgel hören, sondern auch den Posaunenchor. Da spüren wir: Musik weckt Emotionen, rührt an, bringt Seiten in uns zum Schwingen, die sonst ohne Resonanz bleiben. Schon Kinder lassen sich von Musik ansprechen. Mein zweijähriger Sohn wünscht sich abends im Bett Lieder. „Der Mond scheint“- ein Lied, das ansonsten auch bekannt ist unter dem Titel „Der Mond ist aufgegangen“, mag er allabendlich am liebsten ein paar Mal hintereinander hören, mit allen vier Strophen, die ich auswendig kann.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder!“ – wir alle wissen, warum wir dieser Aufforderung hier im Gottesdienst am Sonntag Kantate im Jahr 2021 nicht nachkommen, sondern lieber schweigen. Wir wollen andere Menschen schützen, sie vor der Gefahr einer Ansteckung bewahren, Solidarität zeigen, mit denen, die besonders gefährdet sind. Als Kirche müssen wir besonders vorsichtig sein. Wir dürfen unser durch das Grundrecht verbürgtes Privileg, zu öffentlicher Versammlung und Gottesdienst einladen zu dürfen, nicht leichtfertig verspielen.

Und trotzdem schmerzt es, wie so vieles schmerzt in dieser Zeit. Wir alle müssen mit den Belastungen dieser Zeit leben, die einen trifft es härter, die anderen weniger hart. Wie schon im vergangenen Jahr spüren wir den Kontrast zwischen der Natur, die gerade sprießt und grünt und blüht und in vollem Saft steht, und den Nachrichten von Krankheit, Leiden und Tod. Wenn wir uns nach Lösungen aus der Krise umblicken, türmen sich Probleme und es eröffnen sich nur mühsame, steinige Wege. Vielleicht spüren wir in uns den Schrei nach Freiheit, nach Rückkehr in den vertrauten Trott, als man selbstverständlich die Kinder zur KiTa und Schule schicken konnte, als man zur Arbeit gegangen ist, sich auf einen Kaffeeplausch mit den Kollegen in der Pause gefreut hat. Nicht wenige werden Sehnsucht verspüren nach den Zeiten, als es völlig normal war, sich mit Freunden zum Essen zu treffen, ins Museum oder Fitnessstudio zu gehen. Oder natürlich auch, sich abends zur Chorprobe zu treffen.

Angesichts dessen ist uns nicht unbedingt nach Lachen oder fröhlichem Singen zu Mute. Gerade auch dann nicht, wenn wir uns bewusst machen, dass wir immer noch auf einem höchst privilegiertem Niveau leben. Blicken wir nach Brasilien, merken wir, dass die Krise nicht alle gleich trifft. Da gibt es menschliche Tragödien und soziale Abgründe, von denen wir uns kaum eine Vorstellung machen können. Es ist dann unsere innere Stimme der Vernunft, die uns das fröhliche Liedchen verbietet.

Manchmal hilft da ein Blick in die Vergangenheit.

Wie haben Menschen vor uns Krisen gemeistert – Krisen, die die Menschen noch weit dramatischer getroffen haben? Und vor allem: Wie haben sie Auswege gefunden und wie blicken sie heute auf diese Zeiten zurück?

Vor wenigen Jahren habe ich die Kathedrale von Coventry in Mittelengland besucht. Dort findet man heute eine Ruine. Die mittelalterliche Kathedrale wurde 1940 von der  deutschen Luftwaffe in Schutt und Asche gelegt. Übriggeblieben sind der Glockenturm und Trümmer, die uns noch eine Ahnung von der alten Größe und Schönheit des Bauwerks geben. Singen kann hier niemand mehr. Stattdessen reden, ja schreien die Steine von Gewalt und Krieg und sinnloser Zerstörung.

Daneben jedoch steht ein modernes Bauwerk, die neue Kathedrale, 1962 eingeweiht. An der Stirnseite hängt ein riesiger Wandteppich, das den auferstandenen Christus zeigt, der segnend zur Versöhnung aufruft. Ebenfalls in der Kathedrale findet man das berühmte Nagelkreuz, das zu einem Symbol der Versöhnungskraft und der transnationalen Verbindung wurde. In diesem Bauwerk wird sehr viel gesungen, viel englische, ergreifende Chormusik aufgeführt, die Menschen zusammenführt zu Gottes Lob.

Für mich ist diese Doppelkathedrale ein Sinnbild dafür, wie Krisen gemeistert werden können. Man muss nicht krampfhaft in jeder Krise die Chance suchen. Trümmer dürfen stehenbleiben. Schwere, harte Steine, auch in unseren Seelen, müssen nicht wegdiskutiert und beschönigt werden. Sie dürfen schreien, und wir dürfen ihnen Raum geben. Aber daneben kann es Platz für anderes geben. Für Neues, für Lichtes und Helles. Auch für die jubelnde Chormusik.

„Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder“ – er tut Wunder auch heute. Wie können wir davon singen, wenn wir hier im Gottesdienst schweigen müssen? Wie heißt es so schön im Wochenlied: „Du meine Seele, singe, wohl auf und singe schön. Dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn.“ Wir dürfen hier nicht in Gemeinschaft oder im Chor singen. Aber jeder für sich darf zuhause gerne ein Lied anstimmen.

Wer sich traut, kann ohne Begleitung zuhause dieses Kirchenlied singen. Oder sie machen das Radio an mit der Musik, die Ihnen am besten gefällt und singen dann völlig ungehemmt mit. Oder Sie stellen sich unter die Dusche und trällern dort, was Ihnen gerade in den Sinn kommt.

Denn Musik kann glücklich machen. Und Musik verweist immer auf den Schöpfer, der uns mit dieser wunderbaren Gabe ausgestattet hat. Wo Musik ins Herz einzieht, kann auch Gott einziehen. Martin Luther wird das Zitat zugeschrieben: „Musik ist die beste Gottesgabe.“ Und noch weiter: „Wer singt, betet doppelt.“ So lade ich Sie ein, heute am Sonntag Kantate zuhause doppelt zu beten. Und hier zu schweigen. Wer aber schweigt, kann umso besser zuhören. Zum Beispiel auch jetzt auf die Orgelmusik und den Bläserklang.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.     

Dr. Judith Böttcher, Pfarrerin

Herzlich Willkommen, Judith Böttcher!

Mein Name ist Judith Böttcher, und ich werde ab 1. Mai mit einer halben Stelle Pfarrerin in der Thomaskirche sein. Momentan bin ich noch Pfarrerin in Kolbermoor bei Rosenheim. Nach fast sieben Jahren in Oberbayern freue ich mich sehr darauf, zusammen mit meinem zweijährigen Sohn in meine Heimatstadt Nürnberg zurückzukehren.

In Fürth habe ich mein Abitur abgelegt, in Erlangen studiert und in der Nürnberger Südstadt (Lichtenhof) mein Vikariat durchlaufen. Allerdings gab es noch viele weitere Zwischenstationen. Studiert habe ich auch in Heidelberg und in Sao Leopoldo (Brasilien). Für mein Praxisjahr war ich in der Jerusalemer Altstadt. Eine kurze Zeit lang war ich Schulpfarrerin in Deggendorf. Und an meiner Dissertation zur Promotion habe ich vier Jahre lang an der Universität Oxford in Großbritannien geschrieben.

An meinem Beruf gefällt mir, dass es mir vergönnt ist, mit den unterschiedlichsten Menschen zusammenzukommen. Das ist eigentlich in fast allen Arbeitsbereichen der Fall, sei es im Gottesdienst, im Unterricht oder in der Seelsorge. Vielleicht reizt mich deshalb auch im Besonderen der Bereich Ökumene.

Am Sonntag, 2. Mai, wird Frau Böttcher in einem Festgottesdienst in der Thomaskirche in ihr neues Amt eingeführt werden. Da zu erwarten ist, dass mehr Menschen daran teilnehmen wollen, als wir pandemiebedingt derzeit Platz in der Thomaskirche haben, wird der Gottesdienst auch als live übertragen, so dass Sie auch von zu Hause aus teilnehmen können. Bitte nutzen Sie dafür diesen Link.

Nun freue ich mich darauf, in Ihrer Gemeinde zu arbeiten und mich in das Team der Hauptamtlichen einzubringen. Ich freue mich auf das Kennenlernen des engagierten Kirchenvorstands und auf die Zusammenarbeit mit den vielen Ehrenamtlichen. Ich bin gespannt auf die lebendige Gemeinde mit ihren zahlreichen Gruppen und Kreisen. Auch unter den momentan noch erschwerten Bedingungen hoffe ich auf zahlreiche erste Begegnungen und Gespräche mit Ihnen.

Bis bald!

Pfarrerin Judith Böttcher

Einführungsgottesdienst für Pfarrerin Dr. Böttcher

Am Sonntag, den 02.05.2021, findet in der Thomaskirche der Einführungsgottesdienst für Pfarrerin Dr. Böttcher statt, die ab 01.05.2021 die halbe Pfarramtsstelle in der Thomaskirche übernimmt.

Es wird darum gebeten, sich für den Gottesdienst anzumelden, da aufgrund der aktuellen Situation die Anzahl der Gottesdienstbesucher begrenzt ist.

Die Anmeldung erfolgt bis spätestens 29.04.2021 über

  • E-Mail (pfarramt.thomaskirche.n@elkb.de)
  • Schriftlich (Briefkasten)
    (Winterstraße 20a, 90431 Nürnberg)
  • Telefonisch (direktes Gespräch oder auf den Anrufbeantworter)
    (Tel.Nr. 0911 / 61 35 62)

Wir bitten um Verständnis, dass wir für diesen Tag eine Anmeldung benötigen, da aufgrund des besonderen Anlasses ein großes Interesse der Gemeindeglieder zu erwarten ist. 

Wir danken für Ihr Verständnis und freuen uns auf Sie!

Ihr Pfarramt der Thomaskirche

Weltuntergang? – Die Neuzeit bricht an!

Herzliche Einladung zum Literaturgottesdienst am 07. März 2021 in der Thomaskirche Großreuth um 10:15 Uhr

Symbolfoto Literaturgottesdienst

Detlev Hapke: So viel Spaß die Literaturgottesdienste mir machen, dieser wird wohl der letzte sein.

Gemeindeglied: Wie, du willst eine bewährte Tradition mir nichts, dir nichts aufgeben?

Detlev Hapke: Ich bin dankbar, dass es den Gottesdienst gibt. Dies ist der siebente. Gerade unter Corona-Bedingungen merke ich aber, dass ich älter werde, alt bin…

Gemeindeglied: …na, übertreib mal nicht!…

Detlev Hapke: …mit Krankheit ist zu rechnen. Als ich in diesem Sommer plötzlich zwei Wochen in der Klinik behandelt werden musste, waren mehrere Termine abzusa-gen. Das verursacht Probleme und verlangt den Betroffenen riesige Flexibilität ab.

Gemeindeglied: Aber zum Glück gibt es ja am 07. März noch einen Literaturgottesdienst. Welches Buch ist denn dran?

Detlev Hapke: Ich hab‘ mir gedacht, zum Abschluss möchte ich eine Geschichte zum Wohlfühlen präsentieren. Meine Wahl fiel auf Geschenkt von DANIEL GLATTAUER, er ist ein österreichischer Autor.

Gemeindeglied: Kannst du andeuten, worum es sich handelt?

Detlev Hapke: Ein herunter gekommener Journalist, zuständig für Soziales und Kurznotizen vom Tage des Gratis-Blattes eines Handelskonzerns, macht auf eine Obdachlosen-Schlafstätte aufmerksam, der die Subventionen gekürzt wurden. Die ehrenamtlichen Betreiber werden viele ihrer Klienten abweisen müssen. In der Einrichtung geht eine Spende von 10.000,- € ein. Seine Notiz ist beigefügt.

Gemeindeglied: Klingt nach einer Art Märchen.

Detlev Hapke: Stimmt. Nicht nur gehen im Verlauf des Romans weitere Spenden nach Hinweisen aus seiner Feder ein; sein Leben selbst nimmt die eine und andere `märchenhafte‘ Wendung, mit der er, ‘fauler Hund‘, dem nichts wirklich wichtig ist, und ‘Bier-weit-über-den-Durst-Trinker‘, nicht mehr rechnete.

Gemeindeglied: Es gibt ein Happy End?

Detlev Hapke: Genau. Eigentlich sogar mehrere.

Anmerkung: Das Gespräch fand so nie statt. Das hat es mit Literatur gemein. Trotzdem ist es ‚wahr‘, sofern es eine realistische Möglichkeit plausibel thematisiert.

Detlev Hapke, Pfarrer

Die kostbare Perle des Glaubens

Predigt zum Gemeindefest der Thomaskirche
von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde,
suchen Sie noch oder leben Sie schon?
Was für eine Frage!
Da passt doch was nicht, werden sich einige von Ihnen denken. Das muss doch heißen: Suchen Sie noch oder haben Sie schon gefunden?
Und was ist es eigentlich, nach dem Sie suchen sollen, das so wichtig ist, dass es gleich im ersten Satz der Predigt aufgeworfen wird?

Unser kleines Anspiel vorhin hat uns schon neugierig gemacht und manch einen von uns schon nachdenken lassen.

Ich verlese noch einmal den heutigen Predigttext:
Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; in seinerFreude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte sie.

 Zwei Sätze nur, liebe Gemeinde und zwei große Geschichten. Zwei Momente nur – und zwei umgekrempelte Lebensläufe. Zwei unterschiedliche Menschen, die etwas Wunderbares finden und nichts bleibt wie es war.
Um das Finden geht es in den beiden Gleichnissen, die Jesus da erzählt. Um die Freude des Findens.
Aufgrund dieser Freude bleibt nichts wie es war!

Ver-rückt ist das, im buchstäblichen Sinn des Wortes.
Diese beiden Kurzgleichnisse Jesu lassen unglaubliche Emotionen hochkommen. Sie gehören zur Weltliteratur.

Werfen wir einen Blick in die Zeit der Entstehung dieser zwei Gleichnisse:
Zurzeit Jesu gehörten in Palästina nur wenige Prozent der Oberschicht und nur wenige Prozent der Mittelschicht an.
60 Prozent Unterschicht und 30 Prozent Entwurzelte.
Im ganzen Land machte sich ein Verelendungsprozess breit.
Während der Besetzung des Landes durch die Römer kam es zu Landenteignungen. Anhaltende Zeiten der Dürre zwangen viele Menschen zur Auswanderung. 1 Mio Juden lebten in Palästina, 5 Mio Juden lebten schon außerhalb des Heimatlandes.
Viele Menschen waren in der Schuldenfalle gefangen und mussten Land verkaufen, um Saatgut kaufen zu können.

Vor allem diese Menschen träumten davon, irgendwann einen Schatz zu finden. Im Judentum kursierten deshalb etliche Schatzfundgeschichten, die diese Träume nährten.
Der Kleinpächter in unserem Gleichnis findet beim Pflügen einen Schatz: 
Der Holzpflug bleibt auf einmal stecken inmitten der vielen Steine. Der Bauer wird erstmal fluchen. Doch als er merkt, dass er den größten Fund seines Lebens entdeckt hat, wird ihm plötzlich klar, dass er mit diesem Fund eine langfristige Perspektive hat. Nicht nur ein schnelles Glück.
Aber erst einmal muss er ganz cool und besonnen bleiben, denn der Acker gehört ihm nicht. Und so gehört ihm auch der Schatz nicht.

Liebe Gemeinde, Sie sehen schon, Finden heißt noch lange nicht Besitzen!
In diesem Gleichnis geht es darum, dass du erstmal in den Besitz kommen musst.
Also: Steht der Bauer dabei vor einer Wahl?… auf keinen Fall… für ihn ist es ganz klar, dass er alles dafür tun muss!
Mit unvorstellbarer Freude geht er heim und verkauft alles, was er hat, was ihn bisher im Leben gehalten hat, vielleicht sogar gefangen gehalten hat, um den Acker zu kaufen.
Dass er sich dafür entschieden hat, verdankt er dem Schatz.
Er handelt konsequent!
Aber was macht er mit dem Schatz?

Jesus erzählt nichts davon, was der Finder jetzt mit dem Schatz macht … Das spielt bei dem Gleichnis keine Rolle.
Es geht um eine Entscheidung!
… nicht um die Folgen, die ergeben sich von selbst!

Jesus erzählt dazu noch die Geschichte mit dem Perlenkaufmann.
Wieder eine außergewöhnliche Erzählung.
Denn im gesamten Judentum der Antike gibt es keine Perlenfundgeschichte.
Perlenfunde gab es in Palästina nicht, nur im Indischen Ozean oder im Roten Meer.
Perlen kamen im Leben gewöhnlicher Menschen nicht vor. Eine Perle zu besitzen war unglaublich. Nur für die wirklich Reichen möglich.

An dieser Stelle sehen wir, dass sich Jesus auch für die Reichen, für die Großhandelsleute interessiert.
Perlen waren damals wertvoller als Silber und Gold.
Perlen waren der Inbegriff des Schönen und Wertvollen.
Als der Händler diese Perle fand, war er überwältigt und so traf er die schwerwiegendste Entscheidung seines Lebens.
Auch er verkaufte alles, was er hatte, um die Perle zu kaufen.

Wir fragen uns:
Weshalb verwendet Jesus diese Bilder, die bei seinen Zuhörern großes Kopf-Kino entstehen lassen?
Wie redet er von Gott und dem Himmelreich?

Schließen Sie einmal die Augen und lassen Sie die Stichworte vor Ihrem inneren Auge vorüberziehen!
Achten Sie dabei auf Ihre Assoziationen!

– Unverhoffter Schatz – überwältigende Überraschung – wertvolle Perle – Kostbarkeit – überschwängliche Freude – Änderung des ganzen Lebens …

Merken Sie, was in Ihrem Kopf gerade passiert?
Welche Faszination von diesen Gleichnissen der Weltliteratur ausgeht?
Jesus schafft es, uns mit dieser Gattung der Schatzfundgeschichte klar zu machen, dass jeder Schatz erst einmal verborgen ist.
Jesus verweist seinen Zuhörer darauf:
Bis Du den Schatz Gott entdeckst, meinst Du, ihn gibt es gar nicht. Gott ist verborgen!
Und wenn Du das ernst nimmst, dann weißt Du, Gott ist keine Tatsache, kein Objekt, Gott ist eine Überraschung. Also auch die Vernunft kann Gott nicht wahrnehmen!

Dennoch fragen viele Menschen häufig:
Wer/wo/wie ist Gott?
Wie kann ich in Gemeinschaft mit Gott leben?

Liebe Gemeinde,
keine Wissenschaft, keine Philosophie, keine Theologie kann das klären.
Unser intellektueller Stolz muss hier aufgeben!
Die Verborgenheit Gottes muss angemessen gewürdigt werden. Gott ist nicht nur unsichtbar wie die Luft oder der Strom, sondern er ist verborgen. Er erscheint unter keinem Radar. Gott kann nicht vermessen werden.
In unserem Gleichnis findet der Mensch einen Schatz auf einem Acker, den er erst kaufen muss.

So ist das auch mit Gott, er ist nicht von Anfang an Dein Eigentum, er ist nicht in der Tiefe Deiner Person oder Deiner Gedanken zu finden; er liegt auf fremdem Territorium.
So spricht der Herr: „Meine Wege sind nicht eure Wege, meine Gedanken sind nicht eure Gedanken.“
Wir müssen seine kategoriale Fremdheit akzeptieren!
Gott ist kein Mensch, Gott ist ganz anders als ich.

Der große Theologe Karl Barth sagte: „Gott ist der ganz andere!“
Gott schenkt das Leben! – eine Überraschung!
Die Auseinandersetzung mit ihm verändert Dein ganzes Leben! Unser Verstand kann ihn nicht erfassen.
Die Entscheidung für Gott entstammt der Freude und der Dankbarkeit über den Schatz. In der Kraft des Schatzes wird die Entscheidung gefällt!
Aber wenn Du den gefundenen Schatz Dein Eigentum nennen möchtest und eine Beziehung zu ihm aufbauen möchtest, musst Du alles aufgeben!
Das heißt, dass Gott nicht nur zusätzlich erworben werden kann, …. ein wenig, halt ab und zu, mal beim Wandern und mal in einem Gottesdienst …
Gott lässt sich nicht unter Wert finden!
Er will die Nummer eins sein!
Gott ist anspruchsvoll!
Er ist dein Schöpfer, der das Ziel deines Lebens kennt!

Und deshalb spricht Jesus: Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen!

AMEN