Predigt zum 9. So. n. Trinitatis

Von Pfarrerin Gabriele Wedel am 09.08.2020 in der Stephanuskirche in Gebersdorf

Liebe Gemeinde!

Manchmal sind wir vor eine Aufgabe gestellt, die wir uns nicht selbst herausgesucht haben, die viel zu groß scheint. Angst macht.

Bei der Arbeit kann ich eine Aufgabe bekommen, vor der ich erst mal zurückschrecke, weil ich nicht weiß, wie ich sie schaffen soll. Jungen Eltern kann es so gehen, wenn sie mit ihrem Neugeborenen aus dem Krankenhaus nach Hause kommen. Dass sie sich am Anfang überfordert fühlen. Wie geht das jetzt mit diesem kleinen Menschen, der ganz auf uns allein angewiesen ist. Ist er gut versorgt, können wir ihm geben, was er braucht?

Oder im Alter steht ein Umzug bevor, nach einem Schlaganfall muss ich wieder den Alltag bewältigen. Wie sollen wir das machen, wie sollen wir das miteinander hinbekommen?

Wenn man vor einer schweren Aufgabe steht, vielleicht traut man sie sich erst nicht zu, meint: das können andere besser…

Wie Jeremia es erlebt? In der Bibel wird erzählt, dass er von Gott zum Prophet berufen wird. Gottes Stimme soll er sein gegenüber den Mächtigsten, den Einflussreichen seines Landes.

Aber er ist noch jung, Anfang 20.

Und des HERRN Wort geschah zu mir: Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR. Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Jeremia 1, 4-10

Im Südreich Israels, nahe bei Jerusalem wächst Jeremia auf, als Sohn einer Priesterfamilie.

Der König und die Fürsten im Land sagen:

Wir sind eine starke Nation, keiner kann uns etwas anhaben, Ägypten steht uns zur Seite, wir tun, was uns noch mehr Macht und Ansehen bringt. So erlebt Jeremia ihre Haltung.

Wer es wagt ihre Pläne zu hinterfragen, ihre krummen Geschäfte und ihre Gier, auch ihre Gottlosigkeit anzuklagen, weil sie das Recht der Schwächsten nicht interessiert, der riskiert sein Leben. Das weiß Jeremia.

Ich habe dich zum Propheten für diese Menschen bestellt, sagt Gott. Sogar über Könige stelle ich dich. Du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen, was ich dir gebiete.

Ach Gott, ich bin doch viel zu jung. Wehrt Jeremia ab. Dahinter höre ich auch die Frage: wer von denen soll schon auf mich hören, wer wird mir glauben, dass Gott, durch mich spricht?

Jeremia ist mir sympathisch. Er ist keiner, der es genießt, im Vordergrund zu stehen, der sich aufbläht und wichtig nimmt.

Er ist keiner, der seine Sache herausbrüllt und seine Gegner klein macht. Er ist kein Blender, der die Wahrheit verdreht, zu seinen Gunsten. So wie wir es immer wieder erleben bei den Mächtigsten Männern der Welt in diesen Tagen.

Es geht ihm nicht um seine Person, seine Eitelkeit, um Macht, sondern um Gottes Gerechtigkeit. Sein werbendes Lieben, seine Kraft für die Geringsten.

So wird er ein Prophet für die Menschen, Gottes Prophet.

Einer, der es wagt, die unangenehmen Wahrheiten anzusprechen, und Unrecht ans Licht bringt, einer, der sich nicht irre machen lässt von Drohungen gegen ihn oder vom Hohn der politischen Gegner. Denn Jeremia erlebt massiv Widerstand. Trotzdem nimmt er seine Aufgabe wahr, viele Jahre lang, auch wenn es ihn unendlich viel Kraft kostet.

Auch dem Priestertum widerspricht er, seiner eigenen Herkunft. Er sagt:

Dass es nicht geht, Gottesdienst zu feiern und gleichzeitig gottvergessen zu leben und zu regieren.

Gottes Macht zu beschwören, gleichzeitig aber nur die eigene Macht im Auge zu haben.

Wenn wir so weitermachen, gehen wir alle, sehenden Auges, der Katastrophe entgegen.

Aber was er erntet, ist beißender Spott.

Mit einem Lächeln wird abgetan, was er zu sagen hat.

Er ist doch so jung. Er hat ja keine Ahnung von unseren Geschäften.

Wie aktuell diese Erfahrung ist…

Ich denke an die zahlreichen jungen Klimaaktivistinnen und Aktivisten, die seit vielen Monaten kämpfen für den Klimaschutz und nicht ablassen, sich nicht mehr abspeisen lassen wollen.

Die nicht mehr sagen: wir sind zu jung.

Es sind die leisen, scheinbar kleinen, unwichtigen Stimmen, die Großes zu sagen haben, aber von den Großen oft überhört, übertönt oder abgetan werden.

Ich bin kein Gegner des Tempolimits, aber auch kein Befürworter, aber es gibt gerade Wichtigeres zu tun sagte neulich unser Ministerpräsident.

Daneben gibt es auch die andere Stimme, die schon seit Jahren die Geschwindigkeitsbegrenzung auf bestimmten Autobahnstrecken einfordert, weil viele Leben gerettet werden könnten. Wann ist denn die Zeit da, dass die vielen Opfer im Straßenverkehr wichtig sind?

Jeremia war einer, der vieles nicht mehr hingenommen hat, der wachrütteln wollte,  so wie es Menschen auch in unserer Zeit tun:

in den USA , aber auch überall auf der Welt, Menschen des täglichen Rassismus, der Gewalt oder Ignoranz überdrüssig sind, und bei uns gegen Antisemitismus einsetzen.

Sie wollen nicht mehr hinnehmen, dass es so ist, man nichts machen kann, dass es nicht wichtig ist.

Jedes Leben zählt, eines genauso wie das andere.

Es ist ein Ruf, der viele wachgerüttelt hat.

Vor ein paar Wochen ist John Lewis gestorben.

Einer der Aktivisten der Bürgerrechtsbewegung in den USA.

Seine Geschichte erinnert mich an Jeremia.

Er schloss sich schon in jungen Jahren der Bürgerrechtsbewegung an, war kein großer Redner, aber er kämpfte und stritt für die Gleichberechtigung der afroamerikanischen Bevölkerung, und ich würde sagen: letztlich für die Gleichberechtigung aller Menschen.

Über 40 mal wird er ins Gefängnis gesperrt und bei einer Demonstration fast zu Tod geprügelt von der Polizei.

Dieser Kampf wird für ihn zur Lebensaufgabe. Ein Ruf Gottes, wenn man will, weil er daran geglaubt hat, dass es wahr ist: alle Menschen sind gleich an Wert und Würde,

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleib bereitete, so sagt Gott zu Jeremia, so sagt Gott zu uns.

Ich lasse dich nicht allein bei deiner Aufgabe. Was auch kommt:

Fürchte dich nicht vor ihnen. Denn ich bin bei dir. Und der Herr streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: siehe ich lege meine Worte in deinen Mund.

Oft ist es wohl nur eine verhaltene Stimme, vielleicht eine Stimme in mir, die auf sich aufmerksam machen will,  die sagt: das ist unrecht, da geschieht etwas, was du nicht wollen kannst..

Es ist die Stimme der Kinder, der Unmündigen, sagt die Bibel, die uns wachrüttelt: ein 6 Jähriger neulich sagte: ich mag nichts mehr von dem blöden Corona hören.

Ruf Gottes? Wo kann mit aller Vorsicht und Rücksicht, die nötig ist, trotzdem ein Raum geschaffen werden, Kindern wieder etwas Unbeschwertheit zu ermöglichen, wo bewahren auch wir uns trotz allem Zuversicht, Leichtigkeit.

Vieles erleben wir davon ja.

Gottes Ruf…wir sind immer wieder gerufen, zu sehen, zu hören, zu tun, was dem Leben dient.

Oder da sind die älteren Menschen in den Heimen, die Kranken zuhause: ihre Stimmen, ihr Klagen doch oft sehr verhalten. Und trotzdem da.

Hören wir ihn, Gottes Ruf…weil jeder kurze Anruf, Brief und Besuch, spüren lässt, dass sie nicht vergessen sind.

Oder da ist eine Stimme, die sagt:  das ist jetzt deine Aufgabe, das ist jetzt dran, Ist es der Ruf an mich?

Vielleicht ist es ein Thema aus der Kindheit, das mich nicht loslässt, das ich immer wieder wegschiebe und immer wieder kommt es hoch; Ob ich die Stimme hören kann gemeinsam mit  jemandem anderem, der mich begleitet. Dass ich mich dem Rufen stelle.

Oder das Älterwerden, mit allem, was es bringt, keine leichte Aufgabe, anzunehmen, was der Körper sagt; dass vieles langsamer gehen muss, mehr Aufmerksamkeit braucht, nicht mehr geht, aber vielleicht auch einmal ein Dank, wie viele Jahre mir mein Körper schon gedient hat.

Ruf Gottes?

Dass ich nicht sage: ich bin doch viel zu alt

ich denke an einen Opa, der in den letzten Wochen seinem Enkel dreimal die Woche über Skype Sachkundeunterricht gegeben hat, weil der Junge nicht in der Schule sein konnte, die Eltern arbeiten mussten. Für beide Seiten war es ein Gewinn, eine Freude, ganz eng und intensiv Kontakt zu haben, über tausende Kilometer Entfernung hinweg. Ruf Gottes?

Fürchte dich nicht, ruft Gott uns zu, ich bin mit dir, und er streckt  seine Hand aus zu mir, will mich anrühren, meinen Mund, damit ich auch immer wieder die rechten Worte finde, und  auch den Trost, den jemand anderes jetzt braucht von mir

Gott berührt uns, dass ich spüre: es ist gut, dass ich bin, einer kennt und liebt mich von Anfang an, so wie ich bin, er umwirbt mich mit all seiner Zuneigung, damit ich mich auf ihn einlasse, ihn   immer wieder hören kann:

fürchte dich nicht, ich bin da, ich gehe deinen Weg mit. Verlass dich drauf.

Gott hat Jeremia eine schwere Aufgabe zugemutet. Die Last ist so schwer, wie das Joch, das er später tragen wird, stellvertretend für Israel. 40 Jahre lang trägt Jeremia an seiner Aufgabe, er lernt sie zu tragen., hineinzuwachsen. All das klingt hier bei der Berufungserzählung schon an.

Aber er weiß sich nicht allein gelassen.

Wir sind immer wieder vor eine Aufgabe gestellt, die wir uns nicht heraussuchen, die uns manchmal an Grenzen bringt, aber es gibt auch die Erfahrung, dass wir über uns hinauswachsen können, im Rückblick uns wundern, wie etwas zu schaffen war, immer Kraft war, es zu tun, Menschen da sind, die unterstützen, mitten in der Krise immer noch ein Halt ist, oder andere mich halten.

Amen.

Frieden – ein Zauberwort?!

4. So. n. Trin 2020 – Predigt zu Röm. 12,17-21 von Pfarrerin Gabriele
Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde!

Sie und ich kennen das: Zwei Menschen geraten aneinander. Der eine macht dem andern einen Vorwurf. Der andere kontert. Wut breitet sich aus. Die Stimmen werden lauter, die Gesten wilder. Einem rutscht eine Beleidigung heraus. Der andere keift zurück. Es ist alles dabei: Demütigungen, Verletzungen, Drohungen. Manchmal kommt es gar zu Handgreiflichkeiten. Tiefe Wunden sind das Ergebnis.

Solche Szenen spielen sich auf dem Schulhof ab, im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, nicht selten auch in den Familien.
Es steckt irgendwie in uns, dass wir nach Beleidigungen zurückschlagen, meist mit Worten! 
Wie du mir, so ich dir!

Diese Verhaltensweisen waren auch schon zu Zeiten des Paulus bekannt. So schreibt er an die Gemeinde in Rom folgendes: – Es ist zugleich unser Predigttext –

„Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“

Paulus scheint die Gemeinde in Rom gut zu kennen, er weiß, wie schnell die Emotionen hochkochen können.
Er hat die Hitzköpfe vor Augen, die sich nichts gefallen lassen und mit Eifer in die Schlacht ziehen. Paulus kennt aber auch die Gedemütigten, die fast ersticken an ihrem stumm erlittenen Unrecht.

Wir haben in unserer Sprache Sprichwörter, die die Fragen nach Recht und Gerechtigkeit, aber auch nach Rache und Vergeltung aufgreifen.
Wir kennen diese Sprichwörter alle: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Bösen Nachbarn nicht gefällt!“ oder: „Rache ist süß“ oder: „Auge um Auge, Zahn um Zahn!“

Wir können gut nachvollziehen, wenn jemand aus tiefstem Schmerz, Wut und Verzweiflung Rache üben will an einem Täter, der Unheil über einen geliebten Menschen gebracht hat.

Was aber ist das Böse, was ist das Gute?

 Wo stehe ich selbst? 

Kinder und auch noch Jugendliche haben ein klares Bild von Gut und Böse, Schwarz und Weiß.  Wenn ich mit meinen Schülern diskutiere, fordern sie sehr schnell die Todesstrafe, weil unsere deutsche Rechtsprechung doch zu milde sei und Gewaltverbrecher nie wieder freikommen dürften. 
Manchmal ringe ich in solchen Diskussionen um Argumente und kann ihr Anliegen durchaus nachvollziehen. 

Auch Paulus wusste, wie unendlich schwer es mitunter ist, Böses mit Gutem zu überwinden:
„Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt Frieden mit allen Menschen!“ 

Da klingt ganz deutlich durch, dass es nicht einfach ist, Frieden zu schließen.

In Wahrheit aber haben wir keine bessere Alternative!
Denn wo kämen wir hin, wenn vernünftige Regierungen nicht in mühsamen Verhandlungen und trotz schmerzlicher Rückschritte beharrlich weiter nach friedlichen Lösungen suchen würden.
Wo kämen wir hin ohne die engagierten, mutigen Bürgerinnen und Bürger, die bei Gewalt nicht wegschauen. Wo kämen wir hin ohne die Menschen, die aufeinander zugehen, wieder und wieder dem andern die Hand reichen, um irgendwann im Frieden nebeneinander zu wohnen. 

An unseren Schulen werden sogenannte Streitschlichter ausgebildet. Da lernen die Kinder schon in jungen Jahren, wie man am besten in Krisensituationen vermittelt, wie man Streithähne zu Wort kommen lässt und diese dann  versteht, wie der andere tickt und weshalb der andere so schlecht drauf ist.

Wo kämen wir hin, wenn es sie nicht gäbe, die wahren Helden des Alltags! Sie geben acht auf ihr Umfeld und schreiten mutig ein, benennen das Unrecht, fordern Gespräche ein. Und verhandeln geschickt.
Ich denke dabei auch an die Aktivisten von Amnesty International, die sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, ich denke an die Aktivisten, die sich zur Zeit in den USA  verstärkt für die Gleichbehandlung der Afroamerikaner einsetzen, weil es auch  im Jahr 2020 jeden Tag ungerechte Behandlung von Afroamerikanern durch die dortige Polizei gibt.

 Ich denke aber auch an die Engagierten, die sich für einen friedvollen Umgang mit der Schöpfung einsetzen; Menschen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur vorleben.

Genau so wird es in unserem Predigttext gefordert: „Überwinde, ja besiege das Böse mit Gutem!“

Ein kluger Gedanke dazu ist uns auch von dem englischen Philosophen und Staatsmann des 16. Jhds., Sir Francis Bacon, überliefert.
Er meinte: „Wer nach Rache strebt, hält seine eigenen Wunden offen!“
Das ist wahr, wo alte Wunden offenbleiben, da kann kein innerer Frieden einziehen. Da kann die Liebe keinen Raum mehr gewinnen. 

Wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass Rache nur für kurze Momente eine Genugtuung bringt. 
Niemals aber bringt Rache Frieden, Versöhnung, Liebe oder Glück.

Das Böse wird es in dieser Welt immer geben. Immer wieder bricht es in die gute Schöpfung Gottes herein. Obwohl wir durch Kultur, Erziehung, aber auch durch Gesetze versuchen, das Böse einzudämmen, müssen wir doch allezeit mit einem Ausbruch desselbigen rechnen.

Paulus appellierte damals an seine Zuhörer im Namen Jesu Christi, das Böse durch Gutes zu überwinden. Schließlich stehen Christen Jesu gegenüber in der Verantwortung, am Friedensreich Gottes mitzuwirken! 

Liebe Gemeinde,
wir müssen nicht jeden Menschen lieben können oder ihn mögen, aber wir sollen schlicht das Nötige für ihn tun –  mehr wird von uns nicht verlangt.
An dieser Stelle sind wir alle gefordert, immer wieder auch über den eigenen Schatten zu springen. 
Und wenn es manchmal nicht gelingen kann zu vergeben oder sich zu versöhnen, so kann es vielleicht doch gelingen, die Rache Gott zu überlassen. Auch das kann wahre Befreiung sein!

Wichtig ist auch, sich rechtzeitig zu versöhnen. Bei Trauergesprächen höre ich immer wieder, dass es bis zum Schluss zu keiner Versöhnung mit dem Verstorbenen kam. Versöhnung schien zu Lebzeiten unmöglich. 
Aber ohne rechtzeitige Versöhnung kann selbst nach dem Tod des anderen kein Friede ins Leben einkehren. Oftmals werden Angehörige noch lange von Albträumen begleitet. 

Mein Appell lautet deshalb:

Dem durstigen und hungrigen Feind zu trinken und zu essen geben, dann wird er vielleicht bereuen oder gar umkehren!

„Gib deinen Mitmenschen mehr, als sie erwarten und mache es mit Freude, mit einem Lächeln auf dem Gesicht!“
So hat es einmal der Friedensnobelpreisträger, der Dalai Lama, gesagt. 

Nicht immer, aber manchmal liegt es auch an uns selbst und an unserer Einstellung, ob wir Frieden halten und ihn ermöglichen.

AMEN

„Petrus staunt, die Menge raunt“

Predigt zur Gebersdorfer Kärwa von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Liebe Kärwagemeinde,

jetzt wird’s aber Zeit, ihr lieben Leut,
dass wir, wenn schon sonst nicht viel geht,
zumindest an‘ Gottesdienst feiern heut.
Na ja, zuviel Kärwagäst‘ dürfen ja net rein in uns’re Kirch‘
und deshalb, hab ich mir gedacht,
des wär doch wirklich gelacht,
wenn wir kan g’scheiten Gottesdienst zambringa
mit Lach’n, Bet’n und schee Singa.

Kurz und gut, die Gobels wurden angefragt
und haben ganz schnell zugesagt.
So stehn wir heuer hier,
leider ohne die Maß Bier,
aber unterm freien Himmel,
in frischer Luft mit Blick nach oben
und woll’n so den Herrgott loben
für all das Schöne, das er uns gab:
Freundschaften, Liebe, himmlische Speisen,
momentan leider grad keine weiten Reisen,
aber auch das wird wieder besser
und lässt uns hoffen,
der Blick zum Himmel,
der steht uns nämlich immer offen.

So erfreu’n wir uns an der Bandmusik,
wir lassen uns verzaubern von den Klängen
auch auf den hinteren Rängen.

Natürlich gibt’s auch was aus der Bibel,
was Lukas der Evangelist hat g’schrieb’n.
Darum liebe Gemeinde spitz das Ohr,
sowas Gereimtes kommt nicht oft vor.

Ich werde jetzt mal den Text befragen,
den wir vorhin gehöret haben.
Was will uns sagen, das Evangelium,
die frohe Botschaft heut und hier?
Und was hat sie zu tun mit mir und dir?
Denn erst wenn ich dies begriffen hab,
färbt das auf mein Leben ab.
Was damals am See Genezareth geschah ist allen bekannt,
Jesus da vor vielen Leuten stand.
Seinen Worten zuzuhören, war für viele Leut damals ein Muss,
denn was er sagte, hatte Hand und Fuß!
Doch weil sich alles drängen tat,
ging er zum Ufer und er bat
die dort versammelten Fischer, nochmal hinauszufahr’n,
damit er vom Boot aus lehren kann.

Als er geendet, sprach Jesus zu Simon,
der wirklich frustrieret war:
„Fahr nochmal auf den See hinaus
und wirf dein Fischernetz dort aus.“
Doch ehrlich g’sagt, Simon wusste nicht so recht:
Ist das ein Scherz? Meint Jesus das echt?

Wer glaubt, der gewinnt!
Das könnten wir dazu ganz locker sagen,
Petrus aber ist vom Fang so überwältigt,
dass er nur staunt,
das Volk um ihn herum verwirrt nur raunt.

Jesus beruhigt Petrus schnell,
er bräuchte nicht zu bangen,
denn von nun an soll er Menschen fangen.
„Hab keine Angst und folge mir.
Eine gute Botschaft geb ich dir
mit auf deinen neuen Weg:
Jeder soll erfahren, dass Gott die Menschen wirklich liebt
uns Zukunft schenkt
und auch die Schuld vergibt.“

Und so ziehen noch 11 weitere mit Jesus übers Land,
Apostel werden sie genannt.
In Jesu Nähe spüren sie,
ganz deutlich Gottes Energie!

Was sagt uns das, was hier gescheh’n?
Bei Gott kann wirklich alles geh’n!
Nichts gibt es, was unmöglich ist,
wenn du vertraust und offen bist.
Begleiten will dich Gott durch alle Zeit,
drum Mensch gib acht und sei bereit,
wenn er dich in den Dienst beruft.

Denn nichts auf der Welt vermehrt sich schneller,
als seine Lieb, die wird noch heller,
wärmer, größer, wenn wir sie weitergeben
an den, der’s braucht in seinem Leben.

So hab ich doch die letzten Wochen
mit vielen ält’ren Gebersdorfern gsprochen,
die dankbar sind für all die Leut,
die sich gekümmert ham mit Freud,
da wurde Essen gebracht, auch Literatur,
damit keinem langweilig wurd‘ toujour.

Auch bei den Familien sind oft schon die Nerven blank gelegen,
als standen sie im Regen,
vor allem bei denen, die Kinder ham‘,
die den ganzen Tag zuhause war’n.

Endlich kann ich heut verkünden:
Unser Kindergarten macht für alle Kinder wieder auf,
des gibt uns Hoffnung, des gibt Applaus!

„Geduld musst‘ haben“, so sagt der Franke
und „Werd scho‘ wer’n“ – des hör’n wir gern.

Und deshalb sag ich noch einmal,
lasst euch nicht unterkrieg’n und schmiedet Pläne
für des, was kommt nach der ganzen Quarantäne.
Das Leben geht weiter,
des is g’wiess, auch wenn wir denken,
2020 is a B’schieß.
Nix läuft so wie all die Jahr,
selbst unser‘ Kärwa – glaubst des gar –
die is verschwund’n aus’m Kalendar.
Doch lasst euch nochmal sag’n, was war
vor ungefähr 2000 Jahr:

Da wollten die Fischer auch ganz g’frustet geh‘,
obgleich es doch war am See Genezareth ganz schee.
Doch was nützt’s, wenn’s schee is und du hast nix zum Essen,
da is die Freud‘ ganz schnell vergessen.

Des hat der Jesus g’spürt und hat ruck zuck drauf reagiert:
„Verlasst euch ganz auf mich!“ hat er den Fischern damals g’sacht.
Manch einer hat noch drüber g’lacht.
Aber dann, als die Fisch‘ ins Netz sind ganga,
da war klar, das kann nur aner.
Der hat‘ s drauf, dem folg’n mer nach!

Wie des Ganze nausganga is, des wissen wir heut.
Schaut euch nur um ihr Christen Leut.
Vor über 80 Jahr a Haus hab’n die Gebersdorfer baut
für ihre kleine Welt
Genau deshalb feiern wir heut,
ausnahmsweis‘ unter’m Himmelszelt.

Menschenfischer soll’n wir alle werden.
Vom Unglaublichen berichten und erzählen,
dann können die Zuhörer wählen,
ob sie ihren Blick in die Zukunft richten
oder weiter bleiben im Unbelichten.

Dass uns des g’lingt, das wünsch ich uns heut,
allen miteinander ihr Kärwa Leut!

Drum lass‘ uns singa und fein bet’n zu unserm Gott,
der uns ist treu in aller Not!

Des war’s jetzt mit der Kärwapredich.
Ich wünsch an g’segnet’n Sonntag
und euer Glaube bleibe ewig!

Amen!

Einladung zum Kärwagottesdienst

Herzliche Einladung zum Kärwagottesdienst am nächsten Sonntag, den 28.06.2020 um 10:15 Uhr zusammen mit den Gobels!

Leider kann es dieses Jahr keinen Zeltgottesdienst geben. Wir haben aber trotzdem etwas Tolles für Sie vorbereitet.

Logo der Musikgruppe Gobels

Wir feiern diesen „Kärwa“-Gottesdienst bei passendem Wetter vor der Stephanuskirche mit viel abwechslungsreicher Musik mit und von den Gobels.

Sitzplätze sind vorhanden, bitte denken Sie an eine Mund-Nasen-Bedeckung.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Neuigkeiten vom Gottesdienstausschuss

Liebe Gemeindeglieder,

heute Abend hat sich der gemeinsame Gottesdienstausschuss von Stephanuskirche und Thomaskirche getroffen.

Hintergrund für das Treffen sind die von der Landesregierung gelockerten Bestimmungen zur Durchführung von Gottesdiensten während der Corona-Pandemie.

Wichtig ist es für uns gerade hier, zu eruieren, welche empfohlenen bzw. geforderten Maßnahmen praktikabel oder eben auch nicht realisierbar sind.

Nach ausführlichen Beratungen kamen wir zu dem Ergebnis, dass eine Durchführung von Gottesdiensten nach altbewährtem Schema nicht möglich sein wird. Dem entgegen stehen die sehr strengen Hygienevorschriften sowie auch die geforderten Mindestabstandsregelungen.

Wir empfehlen für die kommenden Wochen alternativlos eine stark reduzierte Gottesdienstform, mit der alle gesetzlichen Vorgaben vorbehaltlos erfüllt werden.

Über eine Wiedereinführung von Gottesdiensten in der Stephanuskirche, sowie deren Art und Umfang, beratschlagt und befindet der Kirchenvorstand in seiner Sitzung am 13.05.2020.

Wir werden Sie selbstverständlich über die Entscheidung an dieser Stelle informieren. Bitte bleiben Sie gesund!


Ihr Gottesdienstauschuss der Stephanuskirche