Morgen ist Erntedanksonntag!

Gottesdienst mit dem Kindergarten am Sonntag, den 2. Oktober um 10:15 Uhr in der Stephanuskirche

Bild auf den Erntedankaltar in der Stephanuskirche

Anders gesagt: Erntedank

Gott wickelt seinen Segen ein.
Als sei es ein Geschenk für jemanden, der ihm am Herzen liegt.
Sorgsam verpackt er seine Gaben.
Nicht in Papier, sondern in Farben und Duft.
So schmückt er die Schöpfung aus
mit seiner Fantasie.

Apfelblüten zum Beispiel. Zarte Farben an knorrigen Ästen.
Was vor kurzem noch kahl war,
erscheint in einem neuen, festlichen Gewand.
Und wie schön im Spätsommer die Früchte sind.
Von weitem schon leuchten die Äpfel einem entgegen.
Später schmiegt einer sich glatt und glänzend in meine Hand.

Tina Willms

Rückblick Kirche Kunterbunt

Begrüßung aller Besucher der Kirche Kunterbunt im Gemeindehaus der Stephanuskirche zum Thema "Wird alles anders?"

Wir haben uns riesig über viele kleine und große Teilnehmerinnen und Teilnehmer gefreut, die unsere Kirche Kunterbunt besucht haben! Verschiedene Kreativstationen, die Geschichte vom blinden Bartimäus und mit Euch gemeinsam zu Essen – das war die Kirche Kunterbunt im September. Hier ein paar Einblicke:

Neugierig geworden?

Weitere Informationen findet Ihr auf unserer Seite. Wir freuen uns, wenn Ihr das nächste mal auch/wieder dabei seid!

Euer Team der Kirche Kunterbunt

Anderen helfen! Wem? Wie? Warum? Das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter

Von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am 13. Sonntag nach Trinitatis 2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf zu Lukas 10,25-37

Liebe Gemeinde,

die Geschichte vom Barmherzigen Samariter, die wir vorhin als Evangeliumslesung gehört haben, ist wohl eine der bekanntesten biblischen Erzählungen.
Unzählige Male habe ich diese Geschichte meinen Schülern erzählt.
Die Jüngeren hatten jedes Mal großes Mitleid mit dem Verletzten. Beim Nachspielen der Geschichte wollten die meisten Kinder den Helfenden, den Samariter spielen. Sie fragten nicht, wer der am Boden Liegende war, welchen Beruf er hatte, ob er arm oder reich war.
Allein das Elend bedauerten die Kinder.

Bei den Konfirmanden sieht es schon anders aus. 
Nicht selten melden sich sofort Freiwillige, die die Räuber spielen möchten, obwohl die ja in der Erzählung nur als Ursache des Leids genannt werden und eigentlich keine Rolle mehr spielen. Die Opferrolle hingegen will keiner übernehmen.

In der Oberstufe ging es dann nicht mehr um Rollenspiele. Oft haben wir heiß darüber diskutiert, wie verlogen doch der Priester und auch der Levit waren, die aufgrund ihres Berufsstandes mit dem Opfer nichts zu tun haben wollten und den Schwerverletzten einfach liegen ließen.

Ursprünglich berichtet der Evangelist Lukas, dass der Erzählung Jesu die Frage eines Schriftgelehrten vorausging, der wissen wollte, was ein frommer Mensch tun solle, um das ewige Leben zu erlangen.
Natürlich wollte der Schriftgelehrten den Wanderprediger Jesus damit auf die Probe stellen. Er wollte sehen, ob sich Jesus mit den heiligen Schriften auskenne.
Jesus durchschaute die Fangfrage und drehte den Spieß um.
„Was steht in den Schriften?“  So stellte er geschickt die Gegenfrage und der Schriftgelehrte antwortete – wie aus der Pistole geschossen – mit dem Doppelgebot der Liebe aus den Büchern Levitikus und Deuteronomium:
„Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst!“
Darauf sagte Jesus: „Du hast recht geantwortet, tu das, so wirst du leben!“
Der Schriftgelehrte aber ließ nicht locker:
„Wer ist denn mein Nächster?“ wollte er wissen.
Da erzählte ihm Jesus die Geschichte vom Überfallenen.

Für den Zuhörer, den Schriftgelehrten vor 2000 Jahren, war das eine provokante Erzählung.
Denn ausgerechnet ein Samaritaner, ein verachteter, ja religiöser Außenseiter mit eigenen religiösen Bräuchen, Gebeten und Liedern erfüllte mit seinem Handeln jenes Gebot, das in der hebräischen Bibel eine ganz zentrale Stellung einnimmt!
Dieses Doppelgebot der Liebe besagt ja, dass die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Mitmenschen untrennbar zusammengehören!
In den Büchern Mose gibt es keine Einschränkung dazu, ob sich das gute Handeln und Tun nur am eigenen Volk, nur an den Verwandten, Freunden oder auch an Fremden ausrichten solle.

Genau das nimmt Jesus zum Anlass für seine Erzählung.
Und macht damit wieder einen erfolgreichen Schachzug.
Ganz einleuchtend macht Jesus seinen Zuhörern klar, dass der Mensch Anteil am echten Leben hat, wenn er im rechten Augenblick dem Menschen hilft, der seine Hilfe braucht, egal welcher Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Profession der Hilfsbedürftige ist.

Liebe Gemeinde,

vor 2000 Jahren lautete die Frage:
Was soll man als guter Mensch machen, um das ewige Leben zu erhalten.

Wie würden wir heute die Frage formulieren?
Vielleicht so: 
Was ist der Sinn meines Lebens?
Was soll ich aus meinem Leben machen?
Warum hat mich Gott ins Leben gerufen?
Bin ich berufen – und wenn ja wozu?

Es wäre sicher sehr spannend, wenn wir jetzt miteinander ins Gespräch kämen.
Denn jede/r von uns hat seine eigene Geschichte mit Gott.
In unserer Stephanusgemeinde gibt es etliche, die hier eine sinnvolle Aufgabe für sich entdeckt haben.
Mal mehr, mal weniger schenken sie von ihrer Zeit her.
Ich kenne aber auch viele, die sagen: „Mögen tu ich wohl, doch ich weiß nicht, wem und wie und ob ich das auch schaffe…“
Dabei denke ich, dass kaum einer von uns einem Verletzten oder akut Hilfsbedürftigen die spontane Hilfe verweigern würde.

Doch es gibt bei uns auch viele Angebote, sich für andere öfters einzusetzen.
Ich denke da an den Besuchsdienst für unsere Senioren, an die Integration unserer sozial benachteiligten Kinder im Kindergarten, in der Schule, an die Mithilfe bei gemeinsamen Festen, oder überhaupt in Nürnberg an die Obdachlosenhilfe, an die Hospizarbeit, an die Tafeln… 

Liebe Gemeinde,

Jesus legt mit seiner Erzählung alle Aufmerksamkeit auf den Mitmenschen, ohne jegliche Bedingung. 
Damit will er uns auch sagen, dass ein jeder von uns jeden Tag Liebe und Zuwendung empfangen kann, wenn er/sie dazu bereit ist, auch jeden Tag ein wenig vom eigenen Glück an den Nächsten weiterzugeben.

In den nächsten Monaten werden wir es vermehrt wahrnehmen und sehen, dass Menschen in Not geraten. Wer Gott begegnen will, der verschließe seine Augen nicht, ja, der suche die Nähe des bedürftigen Menschen. Denn Gott begegnet uns im bedürftigen Menschen.
Wer an seinem Nächsten vorbeigeht, der geht an Gott vorbei! 

Die Fragen des 2002 verstorbenen Schriftstellers Wilhelm Willms beschreiben diese Nähe zum und das eigene Angewiesensein auf den Nächsten auf eindrückliche Weise:
Willms schreibt:

wussten sie schon
dass die nähe eines menschen
gesund machen
krank machen
tot und lebendig machen kann

wussten sie schon
dass die nähe eines menschen 
gut machen böse machen
traurig und froh machen kann

wussten sie schon
dass das wegbleiben eines menschen
sterben lassen kann
dass das kommen eines menschen
wieder leben lässt

wussten sie schon
dass das zeithaben für einen menschen
mehr ist als geld

wussten sie schon
dass das anhören eines menschen
wunder wirkt
dass das wohlwollen
zinsen trägt
dass ein vorschuss an vertrauen
hundertfach zurückkommt (…)

wussten sie das alles schon

Liebe Gemeinde, 

mit diesem Wissen wünsche ich Ihnen einen guten Start in die neue Woche.
Viel Kraft für die anstehenden Aufgaben und Vertrauen in das Band der Liebe, das uns mit den Mitmenschen verbindet und das uns in schweren Zeiten trägt.  

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.  

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Das Scherflein der Witwe

Predigt von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter zum 8. Sonntag nach Trinitatis, 07.08.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf zu Markus 12,41-44

Liebe Gemeinde,
nach jedem Gottesdienst leeren wir die Messingbüchsen oder die Körbchen und die Opferstöcke und freuen uns über die Einlagen, die wir je zur Hälfte an die von der Landeskirche angeordnete Stelle und unserer Gemeindearbeit zuführen.
Manchmal kommt es da auch vor, dass ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen kann.
Denn neben Münzen und Scheinen finden sich da auch Chips für Einkaufswägen, Knöpfe, ausländische Münzen, Heftklammern usw.
Tja, welche Gründe hinter so einer geschmacklosen Einlage stehen, darüber kann ich nur spekulieren. Schließlich macht jeder mit sich selbst aus, wieviel oder was er aus seinem Besitz für wohltätige und gemeinnützige Zwecke spendet.

Es wäre aus unserer heutigen Sicht aber auch unangemessen, die Gottesdienstbesucher beim Spenden zu beobachten.

In unserem heutigen Predigttext aus dem Markusevangelium geht es um eine am Jerusalemer Tempel beobachtete Szene, die uns gerade deshalb aufhorchen lässt:

Und Jesus setzte sich dem Opferkasten gegenüber und sah zu, wie das Volk Geld einlegte in den Opferkasten. Und viele Reiche legten viel ein. Und es kam eine arme Witwe und legte zwei Scherflein ein; das ist ein Heller. Und Jesus rief seine Jünger zu sich und sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: diese arme Witwe hat mehr in den Opferkasten gelegt als alle, die etwas eingelegt haben. Denn sie haben alle von ihrem Überfluss eingelegt, diese aber hat von ihrer Armut ihre ganze Habe eingelegt, alles, was sie zum Leben hatte.“

Mk 12,41-44

Liebe Gemeinde,

wie verhält sich Jesus da am Tempel? Aus unserer Sicht ist es, wie bereits erwähnt, unangebracht, ja ein „No go“, die Leute dabei zu beobachten, wieviel sie in den Opferstock oder in die Körbchen/Büchsen einwerfen.

Doch Jesus geht es nicht um die eigentliche Höhe der Spende.
Jesus hat eine andere Absicht. Sein Blick geht tiefer.
Auch wenn wir vielleicht eine Diskussion darüber angefangen hätten, was denn nun gerade diese zwei kleinen Münzen gebracht haben und ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, dass die Witwe ein Brot für sich gekauft hätte.
Jesus zeigt hier, trotz der merkwürdigen äußeren Umstände, wieder einmal sehr deutlich, dass er einen anderen Blick, dass er andere Maßstäbe hat als wir. Er sieht in das Herz der Witwe.
Was die Witwe in den Gotteskasten gegeben hat, war herzlich wenig – gewiss, aber es ist von Herzen gekommen. Mit großer Selbstverständlichkeit ließ die Witwe ihre Münzen in den Gotteskasten fallen. Mehr hatte sie offensichtlich nicht, aber sie hätte immer noch die beiden Scherflein teilen und eines für sich zurückbehalten können. Sie teilte nicht auf in die Kategorien „Behalten“ und „Geben“.
Sie fasste keinen Gedanken, was sie vielleicht noch brauchen würde. Nein, sie hat alles gegeben und machte von sich und ihrem Tun kein großes Aufheben. 

Jesus zeigt an dem Beispiel der Witwe auf, dass es vor Gottes Auge nicht darauf ankommt, eine große Leistung zu vollbringen und daraus gar einen Anspruch im Ansehen vor Gott abzuleiten. Die Witwe verlässt sich ohne große Worte auf Gott und vertraut darauf, dass er ihr auch weiterhin Möglichkeiten zum Leben lässt.

Diese kleine Erzählung gehört zur Abfolge von entscheidenden Gedanken und Äußerungen, die Jesus nach seinem Einzug in Jerusalem seinen Anhängern noch mit auf den Weg geben möchte, ehe er dann den Weg ans Kreuz geht.
In den Versen, die unserer kleinen Erzählung vorausgehen, spricht er von seiner Vollmacht, vom Neid und der Missgunst der Menschen, von der Steuer, die man dem Kaiser geben soll und was nun eigentlich das höchste Gebot ist, auch davon, was nach dem Tod kommt.
Das sind allesamt Gedanken zur „richtigen“ Nachfolge. Damit bereitet er seine Jünger und seine Anhänger auf die Zeit ohne ihn vor.
Kurz vor dem Ende seines irdischen Weges möchte Jesus seinen Zuhörern etwas ganz Besonderes mitgeben.
Keine ethisch-moralischen Worte mit erhobenem Finger sollen es sein, nein, es sollen Worte sein, die seinen Zuhörern ganz tief ins Herz dringen.
Jesus sieht in der Hingabe der Witwe ein unglaublich großes Vertrauen, das sie ihrem Schöpfer gegenüber hat.
Am Tempel, wo über den Glauben gelehrt wird, will die Frau mit dem, was ihr zur Verfügung steht, ihre Dankbarkeit zeigen. Sie drückt mit ihrer Gabe aus, wie sehr sie ihr Schicksal und ihr Leben in die Hand Gottes legt. 
Sie vertraut darauf, dass ihr Weg behütet bleibt, obgleich sie als Witwe finanziell am Abgrund steht.
Denn zur damaligen Zeit gab es weder eine Witwenversorgung in Form einer Rente, noch konnten sich die Frauen in erlernten Berufen selbst etwas verdienen.
Sie mussten sich auf die Mildtätigkeiten ihrer alten Familie verlassen. 
Und wenn das nicht klappte, waren sie verlassen.

Obwohl wir in einem reichen Land leben mit einer Sozialversorgung, gibt es bei uns immer mehr arme Menschen. Im Alltag sehen wir diese Menschen kaum.
Doch wenn ich an der Ausgabestelle der Tafeln in Stein oder an der Sigmundstraße vorbeifahre, erschrecke ich, wenn ich sehe, dass die Schlangen von Monat zu Monat länger werden.
Viele Menschen schämen sich, weil sie nichts haben, denn Wohlstand gilt als Zeichen der eigenen Tüchtigkeit. 
Wer nichts hat, hält sich möglichst im Hintergrund. Es soll ja keiner merken, wie es ihm geht. Wer nichts hat, kann sich nicht beteiligen am Leben. Hat kein Geld für Urlaub, kein Geld für modische Kleidung, kein Geld für die dritten Zähne. Die Kinder können nicht in einen Sportverein, können nicht mithalten mit den anderen, deren teuren Turnschuhen und neuesten Handys.

Die Witwe, die Jesus beobachtet, ist anders. Sie will trotz Armut beteiligt sein. Sie zeigt mit ihrer Spende: Dieser Tempel ist auch mein Tempel. Nicht bloß der Tempel der Wohlhabenden. Sie hält sich nicht raus. 

Liebe Gemeinde,
was Jesus also meinte, als er seine Jünger auf die Frau aufmerksam machte, war, dass jeder, egal was er hat, was er ist, welchen Platz er in der Gesellschaft einnimmt, darauf vertrauen darf, von Gott gehört zu werden.
Und umgekehrt, dass jeder vertrauen darf in und Zuflucht suchen darf bei Gott.

Von dieser Frau können wir lernen: 
Geben, sich hingeben tut gut!
Das kann auch sein, wenn wir unser Leben Gott übergeben.
Aber für uns moderne Menschen ist das eine echte Herausforderung! 
Denn am liebsten haben die meisten von uns ihr Leben selbst im Griff!
Selbstbestimmen, wo es lang gehen soll. Kalkulieren, überlegen und dann Entscheidungen treffen, die wir dann natürlich auch selbst verantworten müssen.
Ja, das klingt gut, solange wir jung, stark, mutig und selbstbewusst sind.
Trifft uns aber im Laufe unseres Lebens ein Schicksalsschlag, sieht es schon ganz anders aus.
Da werden wir plötzlich lahmgelegt. Da brechen vertraute Beziehungen weg, da tauchen plötzlich existentielle Probleme auf.

Was dann?
Dann wird es entscheidend, dass wir uns auf unsere Fundamente besinnen, darauf, woher wir kommen, 
darauf, worin wir den Sinn unseres Daseins legen. 

Jesu Botschaft für uns lautet heute:
Pflege dein Vertrauensverhältnis zu Gott – auch durch die guten Zeiten hindurch – das gibt dir dann Stärke und Mut in schlechten Zeiten!
Unser Glück finden wir, wenn wir die Hoffnung, dass wir mit Jesus im Licht stehen, nicht aufgeben, wenn uns Visionen nach vorne treiben.

Dass Gott uns dafür belohnt, mit mehr als wir uns vorstellen können, daran möchte ich glauben! 

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Im Gebet geborgen sein

Von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am Sonntag Rogate, 22.05.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf zu Lukas 11, 5-13

Frau hält die Hände zum Gebet gefaltet und blickt dabei nach oben.
Grafik auf Holz.

Liebe Gemeinde,

immer wieder höre ich von Menschen den Satz: Frau Pfarrerin, beten Sie für mich, das ist doch Ihre Aufgabe!
Nun ja, das mach ich gerne. Doch manchmal kommt mir die Aufforderung auch mit einem spöttischen Unterton entgegen. Mag es daran liegen, dass die Menschen in unserer säkularisierten Welt nur noch von den Kirchenvertretern das Beten erwarten oder dass die Menschen keinen Bezug mehr zum Beten haben?
Manchmal erscheint es mir auch so, dass das Sprechen über das Beten ein Tabu ist oder so persönlich, dass es keinen was angeht.

Woran mag es liegen, dass sich im Gegensatz zu den Kindern die Erwachsenen zum „Thema Gebet“ eher nicht äußern?
Wahrscheinlich liegt es daran, dass wir uns beim Beten verletzlich zeigen.
Denn wenn wir beten, geht es um Gefühle der Freude, der Liebe, aber auch der Enttäuschung, der Angst, der Wut. Diese großen Gefühle tragen wir, weil wir sie keinem Menschen zumuten wollen, vor Gott.

In Augenblicken des Betens entsprechen wir nicht mehr dem Bild, das doch ein jeder von uns haben soll: stark zu sein, optimistisch zu sein, entspannt zu sein. Nein, beim Beten sind wir verletzlich, weil wir da ganz ehrlich sind.
Ein weiterer Grund, weshalb sich Erwachsene nicht übers Beten äußern wollen, liegt darin, dass viele Menschen große Zweifel haben, ob Beten überhaupt was bringt.
Denn das Gegenüber, Gott, an den sich die Gläubigen wenden, kann ja nicht bewiesen werden.
Könnte ja alles nur fromme Einbildung sein.

Wenn wir uns die Katastrophen der letzten Monate ansehen, kann schon auch der Frömmste unter uns Zweifel in Bezug auf die Allmacht Gottes haben:
Wann endlich bereitet er dem Krieg in der Ukraine ein Ende?
Warum lässt er stets neue Corona-Varianten auftauchen?
Und was ist mit dem ganz persönlichen Unglück, wenn trotz intensiven Betens der Partner stirbt, die Kinder sich scheiden lassen, der Erbstreit sich nicht beilegen lässt?

Solche Ereignisse treffen uns ins Herz, das Gebet verliert seine Unschuld und uns drängt sich die Frage auf, was vermag ein Gebet und was nicht?

Unseren heutigen Predigttext haben wir vorhin als Evangeliumslesung schon gehört.
In seiner Rede versucht Jesus seinen Anhängern und Freunden die Augen dafür zu öffnen, was Beten bedeutet.
Dabei ist er nicht zimperlich. Seine Ausführungen sind nicht von sanften Worten geprägt, sondern von drastischen Bildern:
Da klingelt ein Mann mit Vehemenz seinen Freund mitten in der Nacht heraus, weil er für seinen Überraschungsgast bei sich zuhause nichts mehr im Vorratsschrank findet.
Jesus erzählt auch von einem Sohn, der seinen Vater um einen Fisch bittet, den Fisch bekommt, nicht etwa eine Schlange.
Erzählt wird von einem zweiten Sohn, der seinen Vater um ein Ei bittet, das Ei bekommt, nicht etwa einen Skorpion.

Liebe Gemeinde,

wie damals Jesu Zuhörer, so werden auch Sie sagen: Na, das ist doch selbstverständlich, dass wir einem guten Freund aushelfen und dass es ein Vater mit den Söhnen gut meint!
Dennoch wissen alle Eltern, dass man den Kindern nicht alle Wünsche erfüllen darf.
Nur das, was man als Eltern mit gutem Gewissen verantworten kann, kann gewährt werden. Aus der Pädagogik wissen wir: Geben Eltern immer nach und erfüllen jeden Wunsch, wird es das Kind im Leben schwer haben, da es keinen Verzicht gewohnt ist.

Wie verhält es sich nun mit unseren Bitten, die wir an Gott richten? Was erwarten wir da von Gott?
Jesus verspricht in seiner Rede: „Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan. Denn wer da bittet, der empfängt und wer da sucht, der findet und wer da anklopft, dem wird aufgetan!“
Hmm … Eins zu eins auf unser Leben und auf unsere Wünsche umsetzen, lässt sich das sicher nicht.
Denn auf welche Weise wir auch immer an Gott glauben, wir wissen doch, dass Gott keine Maschine ist, die uns per Knopfdruck unseren Wunsch erfüllt.
Entscheidend ist doch, wie wir uns Gott vorstellen.
Wir Christen glauben daran, dass Gott uns begleitet, dass Gott in unser Leben hineinwirkt, dass Gott uns Lasten auferlegt, aber uns auch hilft, sie zu tragen!

Gott ist nicht der Verursacher des Übels, sondern der Tröster und der Begleiter durch das Übel hindurch!
Wie Gott im Einzelnen wirkt, weiß keiner von uns.
Keiner von uns kann die Existenz Gottes beweisen.

Aber was wir können ist, Gott radikal zu vertrauen!
Wir können uns faszinieren lassen von den biblischen Geschichten, die von Gottes Macht erzählen, wie sie sein Volk und auch die ersten Christen erfahren haben.
Wie die Gläubigen aber auch immer wieder auf die Probe gestellt wurden und dem Schöpfer trotz allem bis heute vertrauen.
Durch seine Menschwerdung in Jesus hat sich Gott dem Elend der Welt ausgesetzt.
Gott weiß, wie es uns geht, wenn wir von Sorgen und Angst geplagt werden.
Durch seinen Sohn hat er alles selbst durchgemacht.

Gott kennt unsere Gedanken, ehe wir diese in Worte fassen.
Deshalb ist es für Gott nicht wichtig, wie wir unsere Bitten formulieren, ob wir sie in das Vaterunser hineinlegen oder in einen Psalm oder ob wir frei heraus sprechen, alleine oder in der Gruppe. Selbst ein Satz oder ein Schrei zum Himmel genügen.

Gebete sind für uns wichtig, um uns zu befreien.
Beim Beten geht es um unseren Sinneswandel, d.h. das ewige Kreisen unserer Gedanken hat ein Ende, wir geben unseren Gedanken eine Richtung. Die Richtung hin zu Gott!
Beten bedeutet, alles bei Gott abzuladen, uns zu erleichtern, damit wir wieder nach vorne laufen können.
Und aus der Bitte um Hilfe kann dann die Frage:
„Was kann ich tun?“ werden.

Ich bin sicher, dass viele von uns von so einer Wandlung erzählen können.
Manche mögen das „Schicksal“ oder „Glück“ nennen.
Christen nennen das „Fügung“ oder „Vorsehung“.

Gottes Möglichkeiten auf unser Beten zu reagieren sind dabei unendlich:
Das können schon mal Worte eines Freundes sein oder biblische Worte, die uns zugesprochen werden.
Wir dürfen auf die Kraft des Heiligen Geistes hoffen, der uns im Gebet eine tiefe Freude und eine heitere Gelassenheit schenkt.
So verlieren die Widrigkeiten unseres Lebens ihre Macht, wenn wir unser Leben im Gebet ganz Gott anvertrauen.
Dann geht der Himmel über uns auf.
Heute und in den Zeiten, die vor uns liegen.

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Ostern bringt Licht in unser Leben

Predigt von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am Ostermontag, 18.04.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf zu Jona 2, 3-10

Drei Frauen vor dem nicht mehr verschlossenen Grab. Eine detailierte Bildbeschreibung folgt in der Predigt.
Illustration Copyright: Marion Goedelt

Liebe österliche Gemeinde,

auf ihrem Gottesdienstblatt sehen Sie eine Szene abgedruckt, die das ganze Ostergeschehen in typischer Weise beschreibt.
Die Sonne geht hinter den Bergen langsam auf. Der Garten der Felsengräber liegt noch im Halbschatten.
Die hellgrünen Blätter an den Büschen kündigen den Frühling an. Den Beginn des neuen Lebens.
Und da sind natürlich auch die drei Frauen Maria, Salome und Maria Magdalena, die erschrocken, verwundert aber doch schon mit einem Funken Hoffnung in den Augen auf das Grab hinschauen.
Noch am Freitagabend hörten sie von den Jüngern, dass die römischen Soldaten einen großen Rollstein vor Jesu Grabeshöhle gerollt hatten, damit ja keiner den Leib des Freundes verschwinden lassen konnte.
Und nun … der Stein ist weg, ein heller Lichtschein kommt ihnen entgegen, eine Stimme spricht zu ihnen:

„Wen suchet ihr?
Der, den ihr sucht ist nicht hier!
Er ist auferstanden!
Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Die drei Frauen können es kaum fassen.
Jesus lebt! – welch‘ eine wunderbare Nachricht!
Der Engel spricht weiter zu den Frauen, dass sich Jesus seinen Freunden noch einige Male zeigen wird, ehe er dann zu seinem himmlischen Vater geht.
Dass sich das bewahrheitet hat, haben wir vorhin im Evangelium (Lk 24, 13-35) gehört.

Wenn Sie nun das Bild auf ihrem Liedblatt ganz genau ansehen, können Sie feststellen, dass es um die Grabesöffnung herum feine Linien gibt, die darauf hinweisen, dass da ein Grabstein, in Form einer Klappe hätte sein können.

Ich habe hier das Original der Karte …
Der große Stein liegt noch vor der Grabesöffnung.
Ehe es zu diesem verheißungsvollen Ostergeschehen kommt, herrscht erst einmal Dunkelheit im Grab. Von Karfreitag Abend bis Ostersonntag früh.
Viele Stunden Finsternis, Trauer, Schmerz …

Unser heutiger Predigttext greift diese Zeit der absoluten Finsternis, der Schockstarre auf.
Es mag den einen oder andern von Ihnen ein wenig verwundern, dass gerade dieser Text für Ostern ausgewählt wurde.
Doch dieser Predigttext trifft uns in unserer Schwachheit und Ohnmacht sehr.

Predigttext:

Und Jona betete im Leib des Fisches zu seinem Gott und sprach:
„Als ich in Not war, schrie ich laut. Ich rief zum Herrn und er antwortete mir. Aus dem Innern des Totenreichs rief ich um Hilfe. Da hast du mein lautes Schreien gehört.
In die Tiefe hattest du mich geworfen, mitten in den Strudel der Meere hinein. Wasserströme umgaben mich.
Alle deine Wellen und Wogen – sie schlugen über mir zusammen!
Da dachte ich, jetzt bin ich verloren, verstoßen aus deinen Augen. Wie kann ich je wieder aufschauen, um deinen heiligen Tempel zu sehen?
Das Wasser stand mir bis zum Hals. Fluten der Urzeit umgaben mich. Seetang schlang sich mir um den Kopf.
Zum Grund der Berge bin ich hinabgestiegen, in das Reich hinter den Toren des Todes. Sie sollten für immer hinter mir zugehen.
Du aber hast mein Leben aus dem Abgrund gezogen, du Herr, du bist ja mein Gott.
Als ich am Ende war, erinnerte ich mich an den Herrn.
Mein Gebet drang durch zu dir, bis in deinen heiligen Tempel. Ja, wer sich an Nichtigkeiten klammert, verliert seinen einzigen Halt im Leben.
Ich aber will dir mit lauter Stimme danken…“

Kaum hatte Jona nach langen bangen Stunden das gesprochen, wurde er vom Wal an Land gebracht.
Wie menschlich doch der Prophet Jona in diesem Gebet rüberkommt.
Etwa im 8.Jhd vor Christus hatte er als Prophet den Auftrag, den Menschen Gottes Willen kundzutun.
Das war nicht einfach, nicht immer machte er sich damit Freunde.
Genau das ahnt er bei seinem nächsten Auftrag:
Dieses Mal soll es gar eine Gerichtsrede in der Stadt Ninive sein (Ninive heißt heute Mossul und liegt im Irak).
Nein, denkt sich damals Jona, das geht gar nicht. Das kann Gott nicht von ihm verlangen. So eine Bußpredigt wird ihn den Kopf kosten.
Denn wer will schon hören, dass Gott auch bestrafen kann und auch wird, wenn es auf der Erde drunter und drüber geht.

Liebe Gemeinde,

Sie alle kennen die Geschichte. Jona flieht hin zum Mittelmeer, anstatt sich auf den Weg nach Osten Richtung Ninive zu machen.

Was erwartet den Nein-Sager auf seiner Flucht vor Gott?
Das Schiff, auf das er sich flüchtet, wird nicht seine Rettung, er wird von der Besatzung über Bord geworfen und landet im Bauch eines Walfisches. Also in der totalen Finsternis.
Drei Tage, so erzählt es die Bibel, sitzt er nun im schwarzen Loch und kann darüber nachdenken, was da gerade schiefgelaufen war.

Liebe Gemeinde, jetzt wird klar, was diese aufregende Erzählung über den Propheten Jona mit der Ostergeschichte, ja auch mit uns gemein hat.
Von Karfreitag bis zum Ostersonntag werden auch wir Christen still, haben Zeit darüber nachzudenken, was im eigenen Leben schiefgelaufen ist, was vermieden werden hätte können, oder was wir leider immer wieder als Kompromiss in Kauf nehmen müssen.
Jedem von uns wird dazu etwas einfallen …
An den stillen Tagen können wir zur Ruhe kommen.
Trotz Ferien und Urlaub keine Ausgelassenheit, kein Remmidemmi …
Nur so lässt sich das Geschehen von Ostern nachspüren!
Von der Dunkelheit ins Licht, so haben wir gestern früh in der Osternacht gefeiert.

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Gott bringt Licht in die menschliche Dunkelheit, weil er uns was zutraut, weil er weiß, was in uns steckt!

Das galt auch damals für den Propheten Jona, der seine Mission schließlich erfolgreich zu Ende geführt hat.
Die Bibel schreibt ehrlicherweise auch darüber, dass Jona unter sengender Sonne seinen Ärger über Gottes Gnade nicht verbergen konnte, obwohl die Menschen von Ninive Jonas Predigt zur Umkehr überraschenderweise ernstgenommen haben.
Ihre Ehrfurcht vor Gott wuchs fortan.

Ebenso verhielt es sich mit der Auferstehung Jesu.
Der Sieg über den Tod faszinierte Jesu Anhänger auf so überwältigende Art und Weise, dass sie seitdem in alle Welt hinausziehen und allen Menschen von dieser großen Liebe Gottes erzählen.
Die Christen nehmen den Tauf-und Missionsbefehl ernst.
Gerade das Osterfest ist deshalb seit jeher das Fest im Kirchenjahr, an dem gerne getauft wird.

Wir taufen heute Rebecka, und tragen so den Willen Jesu in die Welt.
Ihr Taufspruch aus dem Buch der Sprüche verheißt ihr für ihren Lebensweg aber auch uns, die wir schon unterwegs sind, eine Weisheit, derer wir gewiss sein können, wenn wir uns vom Osterlicht umhüllen lassen.

Der Taufspruch lautet:
„Denn Weisheit wird in dein Herz eingehen und Erkenntnis wird deiner Seele lieblich sein, Besonnenheit wird dich bewahren und Einsicht dich behüten!“

Mit der Gewissheit von Ostern, mit der Gewissheit der Auferstehung Christi von den Toten gilt für einen jeden von uns:
Unser Leben bleibt nicht in der Finsternis, Gott schafft Licht für alle, die an ihn glauben!

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Der HERR ist auferstanden!

Eindrücke aus der Osternacht in der Stephanuskirche am 17.04.2022

Osternacht in der Stephanuskirche. Der Altar ist durch Kerzenlicht hell erleuchtet, die Bankreihen sind noch im dunkeln.

Ostern ist das älteste und höchste Fest der Christenheit. Der Gottesdienst in der Osternacht oder am frühen Ostermorgen ist zugleich Herzstück des Kirchenjahres. Christen erinnern darin weltweit an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod.

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Matthäus 28.1-10

Wir haben den Ostermorgen zusammen mit Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltet und gemeinsam in der Dunkelheit vor der Kirche am Feuer begonnen. Das brennende Feuer erinnert an den brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch, in dem sich Gott an Mose gewandt hat. Es erinnert uns aber auch an die Nacht als Jesus im Garten Getsemane mit seinem Vater und sich selbst gerungen hat. Der Karfreitag ist noch präsent – Leid, Krankheit und Tod prägen unser Leben. Doch diese Nacht ist anders als andere Nächte. Sie hat einen anderen Morgen. Einen Morgen, der verkündet. Der Tot hat nicht mehr das letzte Wort. Gott schenkt das Leben, das stärker ist als der Tod.

Der Herr ist auferstanden
Er ist wahrhaftig auferstanden!

Gottes bergende Nähe haben wir in unserer Kirche erlebt. Mit dem Licht der Osterkerze wurden nach und nach auch alle anderen Kerzen entzündet und zusammen mit dem neuen Tag wurde es heller und heller.

Osterfeuer vor der Stephanuskirche, im Hintergrund ist in der Kirche schwach beleuchtet das Kreuz zu sehen.

Das Osterfeuer

Der Feuerschein ist ein Zeichen für den lebenden Jesus Christus. Am Ostermorgen entzünden wir es vor der Kirche. Später wird in die Kirche die neue, große Osterkerze hineingetragen. Es gibt immer nur eine Osterkerze pro Kirche. Sie wird ein Jahr lang in jedem Gottesdienst wieder angezündet. Die Kerze soll ein Zeichen für das Licht des Ostermorgens sein, an dem Jesus Christus auferstand.

Die Gemeinde versammelt sich am Ostermorgen um das Osterfeuer vor der Stephanuskirche

Die neue Osterkerze

Auch dieses Jahr wurde die Osterkerze wieder durch unseren fleißigen Bastelkreis gestaltet. Wir laden Sie ein, die Kerze an Ostern in der Kirche zu entdecken. Dort können Sie sich auch ein Osterlicht für zuhause mitnehmen.

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben. Das Licht von Ostern will auch unser Leben erhellen.

Das Licht von Ostern erhellt unser Leben, denn Gott wird abwischen alle Tränen und Gott gibt, was wir zum Leben im Lichte von Ostern brauchen. Er schenkt uns: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Das Licht von Ostern erhellt unser Leben. Wir können lieben und lassen uns lieben – nehmen und geben, weil wir keine Angst haben müssen zu kurz zu kommen, weil Gott uns unseren Lebenshunger stillt.

Ostern ist zum Fest des Lebens geworden, weil Gottes Liebe stärker ist als der Tod. Ostern ist zum Fest der Freude geworden. Denn er, unser Herr ist auch jetzt in unserer Mitte gegenwärtig.

Die Osterkerze für das Jahr 2022 brennt den ersten Tag am Ostermorgen in der Kirche.

Predigt zum Karfreitag – Christus der Versöhner

Von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am 15.04.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf zu Lukas 23, 32-49

Gemälde: Gekreuzigter Jesus, einfarbig in Orange auf schwarzem Hintergrund.
Kreuzigung in Orange, Ernst Volland, 2010, akg-images/Ernst Volland

Liebe Gemeinde,

wieviel Prozent der Evangelischen besuchen wohl heute zur Todesstunde einen Gottesdienst? Wieviel Prozent der Christen überhaupt – weltweit?
In Deutschland ist der prozentuale Anteil wahrscheinlich gering. So wie auch die Anzahl der Gottesdienstbesucher konstant schwindet.
Obwohl doch die Botschaft, die vom Karfreitag ausgeht, die ganze Welt betrifft:

Am Karfreitag wurde die Welt mit Gott versöhnt!

Die ganze Welt – mit Gott versöhnt!
Alles ist in Ordnung gebracht! Kein Ärger mehr!
Bahn frei für einen Neuanfang! Ein Neuanfang für alle!
Für Würdige und Unwürdige. Für Reine und Unreine. Für Fanatiker, Gleichgültige und Träumer.

Weshalb wir uns da so sicher sein können:
Jesus spricht: „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht was sie tun!“
Jesus hat nicht gewartet, bis die Menschen unter seinem Kreuz Reue zeigten.
Gefasst und noch mit fester Stimme bittet er seinen Vater im Himmel um die Versöhnung mit der Welt!
Und dies, obwohl er ohne Zweifel auf sein Ende zuging.
Diese Selbstlosigkeit machte nicht nur die Menschen damals sprachlos.
Jesus gab sein Leben dahin für die Vielen! Er gab alles, was ein Mensch geben kann.

Genau deshalb brauchen wir uns nicht mehr zu fragen, sind wir durch unser Handeln vor Gott gerecht, sind wir seiner Gnade würdig?
Selbstverständlich sind wir das! Allein aus Gnade!
So drückte es auch schon Martin Luther aus.
Wenn uns das klar ist, fällt es uns nicht schwer, Botschafter dieser Versöhnung zu sein!
Wirklich eine ehrenvolle und überaus wichtige Aufgabe!
Denn Botschafter braucht es in unserer globalisierten Welt immer mehr.

Denken wir nur an die Botschafter, die sich weltweit für den Klimaschutz einsetzen, denken wir an Greta Thunberg oder an die Deutsche Lisa Neubauer. Unerschrocken reisen sie durch die Welt, um die Menschen vor dem Abgrund zu warnen, um die Menschen an ihre Verantwortung gegenüber den nachfolgenden Generationen zu erinnern.

Wir kennen auch Botschafter des Friedens wie Antonio Guterres von den Vereinten Nationen, oder den Dalai Lama, oder den Papst oder den einen oder anderen europäischen Politiker, der im furchtbaren Russland-Ukraine Krieg zu vermitteln versucht, um diesem Grauen ein baldiges Ende zu bereiten.

Diese Botschafter kennen wir aus den Medien.
Wir aber, alle, die wir hier sind, sind die Botschafter der Versöhnung der Welt mit dem Höchsten, mit Gott!

Als Christen sind wir zu dieser Aufgabe berufen. Das heißt aber auch, genau zu unterscheiden, wie wir die Lage sehen und wie Gott sie sieht.
Schaffen wir es, die Welt mit Gottes Augen zu sehen, mit dieser unbeschreiblichen Liebe, die er uns durch seinen Sohn erwiesen hat?
Das geht nicht so einfach.
Manchmal widerstrebt es uns sogar.
Gerade, wenn wir uns am Abend die Nachrichten anhören und die Bilder vom Leid in der Welt oder vom Leid in den Kriegsgebieten sehen.
Wie können wir mit Versöhnung und Liebe etwas ausrichten?
Auf Anhieb mag das illusorisch klingen, vielleicht etwas für Träumer, für Menschen, die leicht davon reden können, weil sie viele tausend Kilometer weg sind von den Katastrophengebieten.
Ja, es stimmt, Versöhnung kommt nicht mit Gewalt und auch nicht mit schweren Waffen daher, dennoch ist sie kraftvoll.
Versöhnung lebt von einem starken Glauben an das Gute!
Versöhnung sieht dort eine Beziehung, eine Gemeinschaft, wo sonst niemand eine sieht.
Wo alle nur Gräben und Abgründe sehen, sieht Versöhnung eine Brücke, die das überspannt.

Das sichtbare Zeichen für eine Versöhnung ist das Kreuz.

Jesus hält in seinem Kreuz diese Abgründe zwischen verschiedenen Welten zusammen, er umspannt sie, umfasst sie und bindet sie in seiner Liebe zusammen.
Durch Jesus geht zusammen, was nicht zusammengehört.
So spricht er zu dem Schwerverbrecher, der neben ihm am Kreuz hängt: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein!“

Genau um diese Selbstlosigkeit bitten wir regelmäßig, wenn wir das Vaterunser sprechen:
„Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern!“
Ob wir so eine Versöhnung schaffen, so wie es uns Jesus vorgelebt hat, wahrscheinlich nicht!

Im Münchner Sonntagsblatt habe ich diese Woche in einem Bericht der Theologin und Osteuropa Expertin Regina Elsner gelesen, dass die zwei orthodoxen Kirchen im Ukraine-Krieg keine Rolle spielen und wenn, dann vor allem die russisch-orthodoxe Kirche eine Unrühmliche, ist sie doch zerstritten mit der ukrainisch-orthodoxen Kirche und lässt sich von den russischen Machthabern benutzen.

Man kann nicht mit Gott versöhnt sein und selbst unversöhnt sein mit anderen!
Dabei sollten die Kirchen auf den schauen, der schon vor 2000 Jahren wusste, dass Gewalt nur Gewalt hervorbringt und absolute Liebe, ja sogar Feindesliebe die Lösung für einen Frieden sein kann.

Ein Versöhner zu sein, das kann viel kosten. Überwindung, Mut, Verzicht.
Das wissen wir alle, wenn wir in unsere Familien oder auch in unsere Nachbarschaft blicken.
Nicht jeder schafft es, den Weg einer Versöhnung zu gehen.
Versöhnung verlangt uns viel ab. Versöhnung kostet uns manchmal die letzten Nerven.

Jesus hat Versöhnung das Leben gekostet!

In dem Wissen, dass dieser hohe Preis unumgänglich ist, blieb ihm nur noch das Vertrauen auf seinen Vater im Himmel:

„Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!“

Liebe Gemeinde, immer wenn uns das Gefühl der Ohnmacht und der Aussichtslosigkeit beschleicht, dürfen wir diese Worte Jesu nachsprechen.
Sie geben auch mir und Dir Ruhe und Kraft, durch eine schwere Zeit zu kommen!

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin