Predigt „Das große Abendmahl“ zu Wandbildern von Karl Hemmerlein

Von Pfarrer Dr. Matthias Dreher am 04.07.2021 (5. Sonntag nach Trinitatis) in der Stephanuskirche in Gebersdorf

Das große Abendmahl, Wandbild von Karl Hemmerlein zum Lukasevangelium in der Stephanuskirche Nürnberg. Gemalt auf dem Bogen zur Altarnische.
Bilderzyklus in der Stephanuskirche – Alle Fotos: Dr. M. Dreher

Liebe Mitchristen hier in der Stephanuskirche,

Sie haben hier in Ihrer Kirche etwas Außergewöhnliches: Diesen Bilderzyklus, den Karl Hemmerlein etwa 1930 um den Bogen zur Altarnische malte. Er zeigt, wie die meisten von Ihnen sicherlich wissen, Einzelszenen aus Jesu Gleichnis vom Großen Abendmahl, das in der Bildenden Kunst ganz ganz selten nur darstellt ist.

Kurz ein paar Worte zum Maler: Karl Hemmerlein wurde 1896 in Fürth geboren und starb auch dort im Jahr 1970. Er war also noch ein junger Künstler Mitte 30, als er diese Bilder hier schuf, – aber schon auf der Höhe seines Ruhms: 1931 wurde diese Stephanuskirche geweiht und im selben Jahr malte Hemmerlein in der neugebauten Klinikums-Kapelle in Fürth eine riesige Himmelfahrtsszene und prompt verlieh ihm 1932 die Stadt Nürnberg den Albrecht-Dürer-Preis – und das einem Fürther! Das will was heißen. Aber ab 1934 erhielt er Ausstellungsverbot für den Rest der Nazizeit und seine Himmelfahrt in Fürth wurde wenige Jahre nach ihrer Erschaffung als „entartet“ übertüncht. Dabei hat Hemmerlein immer wieder Auftragswerke für Nazis gemalt, etwa ein repräsentatives Hitler-Porträt für den früheren Fürther Oberbürgermeister. Seltsam. Wieder so ein Mensch, der in unsere drei Schubladen „Nazi“, „Widerständler“, „unpolitischer Mitläufer“ nicht reinpasst. – Zurück zu den Bildern und zum Gleichnis. Wir haben hier die Fassung, wie der Evangelist Lukas in Kap. 14 das Gleichnis überliefert. Das möchte ich gleich betonen, weil uns Matthäus dasselbe Gleichnis erzählt, aber in einer Variante, zu der man ganz andere Bilder hätte malen müssen.

Wie sehen wir den Bilderzyklus heute?

Ich stelle mir vor, wie ein normaler Mensch von heute, der das Gleichnis gar nicht kennt, z.B. ein neuer Konfirmand, dieses Bild betrachten würde. Er sieht sieben Szenen, die jeweils ohne Boden und Hintergrund – typisch für Hemmerlein zu der Zeit – um den Bogen gruppiert sind. Jede steht für sich und doch sind alle sieben durch die Farben und v.a. durch die Körperhaltungen aufeinander bezogen. Der Bilderbogen zerfällt nicht und wird zusammengehalten durch die Tischszene in der Mitte oben. Darauf streben die beiden Seiten zu. Die zentrale Figur ist am leichtesten zu erkennen: Das muss Jesus sein, mit Heiligenschein. Wer sich nur ein bisschen auskennt in christlicher Kunst, den erinnert dieser Tisch mit dem gefalteten Tischtuch an unzählige Abendmahls-Bilder. Das „normale“, das „letzte“ Abendmahl kann aber nicht gemeint sein, denn wir sehen keine 12 Jünger, sondern links einen alten und einen jungen Mann; rechts eine alte und eine junge Frau. Auf dem Tisch stehen außer Brot auch zwei Schalen mit etwas wie Äpfeln drin.

Abendmahlszene aus "Das große Abendmahl" in der Stephanuskirche von Karl Hemmerlein

Also die Menschen, jung und alt, essen mit Jesus. Hm. Wo, wann und warum bleibt unklar. – In den je drei Szenen links und rechts erkennt man eine Figur überall wieder: Den Mann im blauen Gewand, der alle auf den Tisch mit Jesus hinweist. Die anderen Menschen streben dreimal von ihm weg, dreimal folgen sie ihm. Aber was sollen die Ochsen und das Kornfeld?

Predigttext

Jetzt wird es Zeit, das Gleichnis zu hören. Jesus ist am Sabbat zu Gast bei einem Ober-Pharisäer in Jerusalem und hat schon Gleichnisse und anderes gelehrt, da gibt ihm ein anderer Gast das Stichwort:

Da aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes!

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit!

Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn.

Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

Lukas 14,15-24

Das Gleichnis in der Stephanuskirche

Also: Ein offenbar reicher Mann veranstaltet ein großes Abendessen – und da muss man wissen, dass es damals in Palästina üblich war, zweimal einzuladen. Erst gibt’s eine Voreinladung, dann bereitet der Gastgeber alles zu und wenn’s soweit ist, geht nochmal ein Bote herum und sagt den Gästen: So, es ist soweit, ihr könnt kommen. Der Satz des Knechts: „Kommt herzu, denn es ist alles bereit“, ist in unsere Abendmahls-Liturgie eingegangen. Viele, heißt es, waren eingeladen, jetzt aber finden ALLE Ausreden, um nicht zu kommen. Die drei, von denen im Einzelnen erzählt wird, sind also nur Beispiele. Der erste muss seinen neu gekauften Acker begutachten. Der zweite hat für seine Felder neue Ochsen gekauft und muss schauen, ob sie was taugen. Der dritte hat frisch geheiratet und will von seiner Braut nicht weg. Die drei haben wir eher im unteren Bereich hier dargestellt.

Es sind also Geschäfte und Belange des normalen, weltlichen Lebens, die sie abhalten, die Einladung anzunehmen. Wir alle kennen so etwas auch: „Du, ich habe mir ein neues Auto gekauft und muss es in Wolfsburg abholen. An dem Freitag kann ich leider nicht zu deiner Grill-Party kommen. Sonst gerne, aber grad da, geht es nicht.“ – „Meine Lieben, danke für die Einladung zu Pauls Konfirmation. Aber gerade an dem Sonntag muss ich zur Kommunion meines Patenkindes. Ich hoffe, ihr versteht das.“ Klar, sowas kennen wir. Und es ist auch in der Regel gar nicht böse gemeint. Ja, sagen wir’s ruhig: Diese drei Menschen, die hier absagen, sind keine Bösen.

Trotzdem wird der Hausherr bei Jesus jetzt „zornig“. Einmal sicherlich, weil plötzlich alle absagen und er mit seinem vielen Essen allein dasteht. Zum anderen – und das ist noch viel wichtiger –, weil sich in den an sich nachvollziehbaren Ausreden eine Prioritätensetzung zeigt: „Ja, eigentlich, lieber Gastgeber, würden wir dir schon die Ehre geben, aber unsere eigenen Belange – und sind sie noch so alltäglich – sind uns trotzdem näher und wichtiger.“ Sie verstehen offensichtlich nicht, wie wichtig dem Gastgeber sein Fest, wie wichtig ihm seine Gäste sind und wie wichtig vielleicht er selbst für sie ist.

Ich erzähle Ihnen, wie ich das selbst erlebt habe:

Letztes Jahr wurde ich 50 und wollte ein Fest in einem schlossartigen Saal veranstalten. Also schickte ich ein Jahr zuvor ein „Save-the-date“ wie das Neudeutsch heißt an die Gäste raus. Auch an meinen Onkel und Paten, zu dem ich regelmäßig Kontakt hatte und der mir nahe und wichtig ist. Die meisten sagten da schon zu; er auch. Als das Fest dann näherrückte, sagte er wieder ab, weil er an diesem Wochenende – entweder an seinem Buch weiterschreiben oder mal wieder mit seiner Frau in Urlaub fahren wolle. Pa! Ich konnte mir aussuchen, was von beidem ihm wichtiger wäre als meine Einladung. Da war ich vielleicht sauer – und bin es ehrlich gesagt bis heute. Aber „sauer“ trifft es noch gar nicht. Ich bin natürlich tief enttäuscht, weil ich merke, dass mein Onkel gar nicht der ist, als den ich ihn sehe und dass ihm unsere Beziehung lang nicht soviel wert ist, wie ich dachte. Das schmerzt. Und daher kommt der Zorn. 

Aber jetzt macht der Hausherr, der bei Jesus natürlich für Gott steht, etwas anderes, als ich es getan hätte. Er schickt den Knecht, seinen Einlader noch zweimal los, um seine Fest-Tafel doch noch irgendwie zu füllen. Die erste Runde geht in die Stadt an die Armen, die Krüppel, die Blinden und Lahmen. Die zweite Runde geht nach außerhalb der Stadt an die Wege und Zäune, also an die Landstreicher und Tagelöhner.

Man kann zusammenfassen: Der Hausherr holt sich gesundheitlich oder sozial unreines, ausgestoßenes Gesindel ins Haus. Leute, mit denen angesehene, etablierte Herrschaften der Gesellschaft nichts zu tun haben wollen. Das macht es den Hörern des Gleichnisses – also auch uns – schwer, sich in diese Botschaft einzuklinken. Denn mit welcher Gruppe wollen wir uns identifizieren? Sind wir die Ersteingeladenen, die absagen und nichts von Gott abbekommen? Oder sind wir verachtete Außenseiter? Beides will man nicht sein. Wenn wir überhaupt bereit sind, hier eine Botschaft für uns zu hören – und das sollen wir natürlich – dann geht das nicht ohne Kränkung unseres Egos ab.

Die Gemeinde, für die der Evangelist Lukas schreibt, dürfte das so verstanden haben, dass mit der ersten Runde innerhalb der Stadt die Mission unter Juden, v.a. in Jerusalem gemeint war – so wie sie Lukas in der ersten Hälfte der Apostelgeschichte beschreibt. Die zweite Runde sollte ein Bild für die sog. Heidenmission sein – also unter Nicht-Juden im nordöstlichen Mittelmeer-Gebiet, so wie sie Lukas in der zweiten Hälfte der Apostelgeschichte darstellt. Zu dieser letzten Heiden-Gruppe von den Wegen und Zäunen zählte die Lukas-Gemeinde sich wohl auch selbst und war dankbar, „auf den letzten Drücker“ noch mit rein-genötigt worden zu sein.

Zurück zum Gleichnis

Schauen wir uns nochmal die Hilfsbedürftigen der ersten Ersatzsammlung an: Jesus selbst beschreibt sein Auftreten gegenüber den Jüngern Johannes des Täufers einmal so:

„Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt“

Matthäus 11,5f

Anderswo sagt er zu seinen eigenen Jüngern:

„Geht hin zu den verlorenen Schafen aus dem Hause Israel“

Matthäus 10,6

Das war die Sendung, mit der Jesus angetreten ist: Natürlich hat er sich auch werbend an die Schriftgelehrten und Pharisäer gewandt. Die sind wohl  im Gleichnis sogar ursprünglich mit den zuerst Eingeladenen, ehrwürdigen Gästen gemeint gewesen. Aber je deutlicher die sich verschließen, desto mehr wirbt Jesus um die Außenseiter, die der barmherzige Gott eben keinesfalls weniger haben will als die Angesehenen. Und wenn sich zeigt, dass den Angesehenen ihr Ansehen wichtiger ist als Gott, dann begnügt sich Gott eben mit den Nicht-Angesehenen. Denn das Ansehen unter Menschen interessiert ihn ohnehin nicht.  Diese Reihe der Hilfsbedürftigen klang und klingt in jüdischen Ohren sehr vertraut, weil alle diese schon beim Propheten Jesaja genannt werden als die, deren sich Gott in der endgültigen Heilszeit erbarmt.i Wenn in unserem Gleichnis der Hausherr also Arme und Krüppel, Blinde und Lahme zum Festmahl einlädt, dann ist nicht gemeint: Die kriegen halt auch mal einen schönen Abend in ihrem verzweifelten Leben – so als Tropfen auf den heißen Stein, sondern: Sie werden durch dieses Fest heil gemacht. Sie bleiben in der heilvollen Beziehung mit ihrem unverhofften Gastgeber.

i „Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden; dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und jubeln wird die Zunge des Stummen." (Jes 35,5.6) „Und an jenem Tag werden die Tauben die Worte des Buches hören, und aus Dunkel und Finsternis hervor werden die Augen der Blinden sehen. Und die Sanftmütigen werden ihre Freude in dem HERRN mehren, und die Armen unter den Menschen werden frohlocken in dem Heiligen Israels" (Jes 29,18.19).

Was hat das mit uns zu tun?

So! So schön und interessant das alles sein mag, – es bleibt die Frage. Was hat das mit uns zu tun? Karl Hemmerlein hat die Frage mit seinen Bildern beantwortet – in ganz spezieller Hinsicht. Er malt ja das Gleichnis um den Bogen zum Altar herum. Und er malt Jesus als Gastgeber des großen Festes in Abendmahls-ähnlicher Art. Soll heißen: Jesus lädt uns, Dich und Dich und Dich immer wieder zum Abendmahl ein und er guckt eifersüchtig, wer dem zustimmt und wer absagt. Wer das Abendmahl verschmäht, wer weltliche Belange vorzieht, hat nicht kapiert, was das Abendmahl wert ist, hat nicht kapiert, dass hier die festliche Gelegenheit ist, unserem Retter und Heiland persönlich zu begegnen. Und wer das eben nicht kapiert, bleibt für immer ausgeschlossen von seinen Heilsgaben, als da wären: Vergebung und ewiges Leben. Und wer sich spontan einladen lässt – und fühlt er oder sie sich noch so unwürdig und fernstehend, – der darf Jesu Gemeinschaft im Hl. Sakrament genießen.

So deutet hier der Maler, wobei er zwischen den Spontan-Gästen aus der der Stadt und von außerhalb kaum unterscheidet. Links sieht man eine Krücke, sonst verschwimmen die zwei Gruppen. – So passt es natürlich auch stimmig als Ausmalung einer Kirche, – aber: Es ist schon eine Verengung des Gleichnisses.

Denn Jesus meint mit dem Hausherrn nicht sich selbst, sondern Gott, seinen Vater und unseren Vater, – und mit dem großen Abendmahl meint er nicht unser Sakrament, sondern überhaupt das heilvolle Zusammensein und Feiern im Reich Gottes. 

Gott lädt uns ein!

Damals wie heute herrscht ja, liebe Mitchristen, ein Gottesbild vor, wonach Gott, wenn er groß ist, auch großzügig sein muss. Drum wird er sich schon noch etwas gedulden, bis wir sein Werben, sein Rufen, seine Einladung annehmen. Sterben sollten wir vielleicht im Frieden mit ihm; aber vorher können wir ihn doch hinhalten und erstmal noch die Dinge verfolgen, die uns wichtig sind. Gottes Reich kommt! Ja, – schön und gut, aber doch nicht heute und nicht morgen bitte.

Mit diesem lahmen Bild von Gott und seinem St.-Nimmerleins-Himmelreich räumt Jesus hier auf: Gott lädt uns ein – und zwar dringlich, weil er alles schon vorbereitet hat, weil alles fertig auf uns wartet, was er uns geben will. Und das ist eigentlich nicht dieses oder jenes, sondern es ist das festliche Zusammensein, die unbeschwerte Beziehung, die erleichterte Festfreude in seiner Gegenwart. Dazu lädt er uns ein – und zwar unaufschiebbar JETZT. Der eifersüchtige Hausherr im Gleichnis soll uns aufrütteln: Es gibt ein Zu-spät. Es gilt: Jetzt oder nie! Du kannst Gott nicht zusätzlich haben, quasi „Gott on top“ – zusätzlich zu allem, womit du dein Leben selbst bereicherst. Sondern Gott verlangt, dass du deine Prioritäten umschichtest und ihn vorziehst! Und bitte: Die Dringlichkeit dieser Entscheidung für Gott wird nicht mit Unheil und Strafe verdeutlicht, sondern mit dem unaufschiebbaren Fest. Das die Ersteingeladenen dann am Schluss für immer ausgeschlossen werden, ist keine angedrohte Strafe, sondern einfach die Konsequenz ihres eigenen Tuns. Aber auch diese Konsequenz gilt.

Die sozialpädagogische Integration aller, egal wie sie sich zu Gott stellen oder gestellt haben; – das unterschiedslose Gießkannen-Heil für alle; die Scheu, irgendjemanden auszuschließen, – all diese Rettungsanker einer postmodernen Rückzugs-Religiosität sind Jesus fremd! Es bleibt ein Drinnen und Draußen, ein Dabeisein und der Ausschluss; es bleiben Heil und Unheil.

Wir können uns auch nicht beruhigen, dass wir schon die sein werden, die einst wie von den Wegen und Zäunen noch genötigt werden, hinzuzukommen. Denn anders als diese und gleich wie die Schriftgelehrten und Pharisäer- damals – wissen wir ja längst von Gott, von seinem Willen, von seiner Offenbarung, die uns ruft. Also sind wir gerufen: Entscheide dich, die Einladung anzunehmen; schließ‘ dich nicht selber aus! Was dir blüht, wird ein Fest sein, gewährt in Liebe und Gnade. Was dir blüht wird Freude und Genuss, Leichtigkeit und Glück sein, was alles du nicht verdient hast, was aber Gott gehört und er mit dir teilen will. Komm herzu, denn es ist alles bereit. Der Herr sehnt sich mit Leidenschaft, dich zu deinem Platz an der Tafel zu führen. 

Amen.  

Dr. Matthias Dreher, Pfarrer

Unsere Kirchen sind offen

Die Corona-Pandemie hat uns noch immer fest im Griff und unsere Möglichkeiten mit jemandem in Kontakt zu treten sind eingeschränkt. Die gute Nachricht: Wir haben nach wie vor die Möglichkeit jederzeit mit Gott in Verbindung zu treten, Gott sei Dank! Trotz vieler Einschränkungen gibt es noch Angebote im Corona-Alltag, zum Beispiel ein Besuch unserer Kirchen.

Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.

Psalm 62,2

Die Türen sind tagsüber geöffnet und Sie sind herzlich eingeladen. Ein paar Augenblicke der Stille, zur Ruhe kommen, ein Gebet, das Herz ausschütten oder einfach in der Gegenwart Gottes verweilen, durchatmen und Kraft tanken.

Gott wartet auf Sie – natürlich nicht nur in der Kirche – und freut sich auf die Begegnung mit Ihnen. Die Kirche als Ort kann hierzu hilfreich sein. Im Eingangs-bereich finden Sie auch verschiedene Impulse. Daher: Herzliche Einladung, schauen Sie doch mal rein

Markus Koppenmeier

Mesner/in gesucht!

Die Gemeinde der Stephanuskirche sucht ab sofort eine/n Mesner/in, die/der Freude am Dienst in der Gemeinde und bei der Begleitung von Gottesdiensten hat. Zu den Aufgaben gehören die regelmäßige Vorbereitung des Gotteshauses auf den Gottesdienst (Licht, Heizung, Kerzen usw.), sowie das freundliche Begrüßen der Gottesdienstbesucher.

Bei entsprechender Eignung kann der Dienstauftrag gerne auch auf handwerkliche Tätigkeiten rund um die Stephanuskirche ausgeweitet werden. Die Vergütung liegt im Bereich eines Minijobs (max. 450.-Euro/Monat) oder bei geringfügiger Beschäftigung im Bereich einer Ehrenamtspauschale (max. 70.- Euro/Monat – keine Angabe bei der Lohnsteuer nötig).

Nähere Auskunft erteilt Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter unter der Telefonnummer 2558533 oder per Mail.

Konfirmationen

Dieses Jahr wird vielen als ein Ausnahmejahr im Gedächtnis bleiben. Zum ersten Mal gibt es zwei Konfirmationen von zwei verschiedenen Jahrgängen in jeweils zwei Gottesdiensten.

Die KonfirmandInnen, die sich schon 2020 auf die Konfirmation vorbereitet und gefreut haben, erleben ihre Einsegnung erst ein Jahr später.
Für uns als Konfirmatoren ist das auch eine ungewöhnliche Situation, da die Jugendlichen des letzten Jahrgangs jetzt eben auch ein Jahr älter und damit reifer sind.

Ihren Unterricht besuchten sie in der Regel von zu Hause aus, also online. Trotzdem werden wir es einrichten, dass die Konfirmation live stattfindet. Das traditionelle Abendmahl vor der Konfirmation werden wir wohl im kleinen Kreis feiern, mit Abstand und strengen Hygienevorschriften. Die Kirchenvorstände haben sich ja wagemutig auf ein umsetzbares Konzept für das Abendmahl in Corona eingelassen. Davon können die KonfirmandInnen und ihre Eltern profitieren.

Die Konfirmation der Gruppe I finden in der Stephanuskirche am 11. April statt. Wir haben in Stephanus neun KonfirmandInnen und damit sie auch wenigstens ein paar Begleitpersonen dabei haben können, werden wir zwei Gottesdienste anbieten, einen um 9:00 Uhr und einen um 10:30 Uhr. Da die Anzahl der Besucher aber begrenzt werden muss, können wir leider nicht wie üblich sagen: Herzlich willkommen! Im Vordergrund werden die Familien der KonfirmandInnen stehen.

Die elf KonfirmandInnen der Gruppe II der Stephanuskirche werden am 9. Mai konfirmiert. Wir hoffen, dass es für die Gemeinden dennoch Feste für die Zukunft sind, wenn mit der Thomaskirche zusammen insgesamt 49 junge Leute „Ja“ zur Kirche sagen und gezeigt haben, dass ihnen die Konfirmation etwas bedeutet. Die Jugendlichen der Gruppen I haben unter schwierigen Unterrichtsbedingungen sogar ein ganzes weiteres Jahr durchgehalten. Für die Konfirmationen haben sich folgende jungen Leute angemeldet:

Stephanuskirche I

Felix Eibl, Julia Engelbrecht, Lena Larsen, Michelle Maier, Kevin Rademacher, Marlene Röckelein, Maximilian Scheel, Celina Schnitzlein, Laura Sieber

Stephanuskirche II

Eric Eberlein, Jannis Frisch, Tim Hasieber, Laura Hofmann, Linda Hofmann, Marc Knie-wasser, Luisa Loos, Julian Pojda, Jan Wanner, Bianca Weigand, Sina Zeilinger

Beide Gruppen werden von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter konfirmiert.

Weihnachtslicht für Zuhause

Nachdem viele von Ihnen dieses Jahr nicht die Möglichkeit hatten, einen Weihnachtsgottesdienst zu besuchen, können Sie sich das Weihnachtslicht mit nach Hause nehmen. Unsere Kirche ist auch die Weihnachtsfeiertage über am Tag für Besucherinnen und Besucher geöffnet und lädt ein, die besondere Stimmung in der Stille wahrzunehmen. Unsere Krippe steht wie immer neben einem festlich geschmückten Gebersdorfer Weihnachtsbaum!

Am Holzaltar und im Eingangsbereich finden Sie kleine Weihnachtslichter, die Sie gerne mit nach Hause nehmen dürfen.

Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg, führ uns zur Krippe hin, zeig wo sie seht. Leuchte du uns voran bis wir dort sind. Stern über Bethlehem, führ uns zum Kind.

Bitte achten Sie bei einem Besuch unserer Kirche auf die notwendigen Abstände zu anderen Personen und versuchen Sie keine Oberflächen zu berühren.

Wir wünschen Ihnen frohe Weihnachten und gesegnete Weihnachtsfeiertage – bleiben Sie gesund!

Kleinreparaturen in der Kirche

Seit der Erneuerung der Altarbeleuchtung vor ein paar Jahren gab es am Dachboden der Kirche über dem Altarbereich ein Loch im Fußboden. Damals wurden Holzdielen entfernt, um Stromkabel zu verlegen. Diese waren so gut befestigt, dass sie bei der Demontage komplett zerstört wurden. Auf unserer privaten Baustelle konnten wir alte Dielen vorsichtig ausbauen und hier wieder verwenden. Diese schauen zwar nicht so (dreckig) aus wie die alten, das sieht aber da oben im Normalfall ja auch keiner und wir mussten dafür nicht extra Geld ausgeben. Peter Schäfer hat natürlich noch den Spalt zwischen den Dielen und der Wand verschlossen – man will sich ja nichts nachsagen lassen. Auch wenn man dann zum Nachschneiden nochmal in die eigene Werkstatt nach Hause gehen muss 😉

Verputzen, verputzen, verputzen

Von Steckdosen, über die Rückwand der Chorpodestes bis zu den Seitentüren in der Kirche. An vielen Stellen sind ganz unabhängig von unseren Renovierungsarbeiten in der Kirche kleinere Stellen mit abgeplatzen Putz aufgefallen. Martina Schäfer hat auch diese jetzt beseitigt. Durch die hohe Temperatur muss man da ganz schön fix sein, sonst ist der Putz im Eimer schneller hart als an der Wand. Aber besser, als mit kalten Fingern im Winter! Zum Teil fällt der Farbunterschied gar nicht so auf, an manchen Stellen aber schon sehr. Wir überlegen noch, wie wir da weiter vorgehen wollen. Das Ausbessern von kleineren Stellen ist durch die spezielle Mineralfarbe in der Kirche leider gar nicht so einfach.

Demontage der Rückwandbeleuchtung

Eine Lampe an der Rückwand der Kirche konnte bis jetzt nicht demontiert werden. Durch den Treppenaufgang waren unsere Leitern alle zu kurz. Im Glockenturm steht eine große Leiter, die konnten wir aber nur mit Mühe an diese vergleichsweise enge Stelle bringen. Daniel Frank hat die Lampe dann demontiert und Martina Schäfer hat die Anschlussstelle danach gleich frisch verputzt.

Ein weiterer Schritt für die Tonanlage

Das Chorpodest auf der Empore hat eine schaltbare Doppelsteckdose bekommen. Durch diese kann dann zukünftig die Tonanlage ferngesteuert ein- und ausgeschalten werden, ohne immer hinaufgehen zu müssen. Der Schalter hierfür befindet sich weiterhin in der Sakristei und ist nicht Bestandteil des von uns gesetzten Unterverteilers hinter der Orgel. Links im Bild ist das schwarze Multimediakabel zu sehen. Hier müssen jetzt noch die Anschlüsse angelötet werden und dann kann die Tonanlage schon auf die Empore verbaut werden.

Für den Bauauschuss – Christian Fenn

Glockenreparatur Teil 3

Am dritten Tag auf dem Kirchturm unserer Stephanuskirche war die Fertigstellung zum Greifen nah. Eigentlich mussten nur noch Kleinigkeiten erledigt werden. Wie das aber immer so ist, halten die bekanntlich am längsten auf. Der Handwerker wollte um die Mittagszeit eigentlich schon mit dem Anschluss der Glockenmotoren fertig sein. Als ich dazu gekommen bin, war aber erst die Hälfte der Arbeit geschafft.

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Verdrahtung

Bevor die Programmierung der Elektronik erfolgen konnte, musste diese natürlich erst noch fertig angeschlossen werden. Die einzelnen Adern der Kabel sind entweder aufsteigend nummeriert oder farblich gekennzeichnet. Anhand eines Verdrahtungsplanes vom Hersteller wird das Strom- und das Steuerkabel den Vorgaben entsprechend am Glockenmotor angeschlossen. Die kleinen Adern sind mit kalten Händen und bei schlechten Lichtverhältnissen bestimmt noch schlechter zu montieren als es jetzt schon der Fall war. Zum Glück sind wir bei normalen Temperaturen hier oben!

Der Motor der Glocke III ist ganz oben auf dem Glockenstuhl befestigt. Aufgrund der beengten Platzverhältnisse wäre es sehr schwierig eine Leiter aufzustellen und so heißt es Klettern und dann irgendwie festhalten. Für das Werkzeug das man benötigt ist auch zu wenig Platz und so geht es ständig hoch und runter – das hält auf! Passt man einmal nicht auf, stößt man sich sofort irgendwo den Kopf. Nach drei Tagen bin ich aber auch schon geübt und weiß wo die gefährlichen Stellen sind. Oder ich bewege mich grundsätzlich nur noch langsam in gebückter Stellung vorwärts. Auf den nachfolgenden Bildern sieht man, dass das Motorritzel, also das Zahnrad auf dem die Kette läuft, einen Gegenpart auf der anderen Seite des Glockenmotors besitzt. Auch dort ist ein Zahnrad angebracht, das sich synchron zum Ritzel bewegt. Hier ist die elektronische Kontrolleinheit des Motors angebracht, die Zahn für Zahn mitzählt und später so genau die hinterlegte Bewegung steuert und kontrolliert.

Nachdem die Motoren angeschlossen waren und alle dazugehörigen Kabel in entsprechenden Kabelschutzrohren verschwunden sind, mussten noch die Abdeckkappen für die Motoren entsprechend angepasst werden. Diese schützen so gut es geht das Ritzel und wurden an den Ketteneingängen und -ausgängen entsprechend freigeschnitten.

Anschließen der Klöppelfänger

Auch die Klöppelfänger benötigen noch einen Stromanschluss für den Elektromagneten, der die Haltevorrichtung später entsprechend auslöst und so den Klöppel freigibt beziehungsweise ihn am Ende wieder einfängt.

Da sich dieser mit der Glocke beim Läuten mit bewegt, musste das Stromkabel so befestigt werden, dass es dauerhaft beweglich ist und im besten Falle dadurch nicht beschädigt wird. Von einer Verteilerdose am Glockenstuhl geht es mit einem flexiblen Stromkabel in einer großzügigen Schlaufe zu einem beweglichen Haken. Von dort geht es dann weiter zum Elektromagneten. Der Monteuer hatte die entsprechenden Haken vergessen, ich habe aber an einer anderen Stelle welche gefunden und mir diese temporär ausgeliehen 🙂

Eine einsame Arbeit

Der Monteur hat mir erzählt, er ist zum Teil eine ganze Woche alleine in Glockentürmen um Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten zu erledigen. Das von der Kirchengemeinde jemand mithilft, ist die letzten Jahre eher zur Ausnahme geworden. Wir haben uns dazu entschieden, um die Montagezeit zu verkürzen und somit Geld zu sparen. In vielen Kirchengemeinden fehlt es aber inzwischen an Ehrenamtlichen, die so viel Zeit investieren können oder wollen. Als er mit der Arbeit begonnen hat, waren oftmals mehr Helfer vor Ort, als Aufgaben zu erledigen waren. Auch unsere Kirchengemeinde merkt seit Jahren diesen Trend, dass es für bestimmte Tätigkeiten immer schwieriger ist, helfende Hände zu finden. Die Firma des Monteurs überlegt in Zukunft immer eine zweite Person mitzuschicken, damit im Falle eines Unfalls dann überhaupt jemand da ist, der Erste-Hilfe Maßnahmen einleiten kann und den Rettungsdienst alarmiert.

Schmieren aller beweglichen Komponenten

Damit waren alle elektronischen Bauteile im Glockenstuhl angeschlossen und zum Einsatz bereit. Als letztes wurden noch sämtliche beweglichen Teile mit Schmierfett versehen. Mit reichlich Schmierfett!

Dieser Schritt ist bewusst als letztes erfolgt, um sich das Fett dann nicht ständig irgendwo hin zu schmieren, wenn man aus Versehen beim Vorbeigehen an den entsprechenden Teilen hängenbleibt. In Zukunft wird bei jeder Wartung kontrolliert, ob noch genug vorhanden ist und dann bei Bedarf entsprechend nachgeschmiert. Das Bild zeigt Kette und Motor von Glocke I. Das gelbliche ist das Schmierfett, welches sich beim späteren Betrieb dann gleichmäßig verteilt.

Anschluss der Motoren an die Steuerelektronik

Durch den Monteur wurde am Vormittag außerdem die Motorsteuerung mit den von uns am Vortag eingezogenen Kabeln verbunden und diese ordentlich befestigt.

Auf dem Bild sind die drei Steuereinheiten für die Glocken I-III zu sehen. Diese geben den Motoren entsprechend Signale, damit diese abwechselnd eine Rechtsdrehung und dann eine Linksdrehung ausführen. Die Glocke wird je nach Größe dann ungefähr in 20 Sekunden nach und nach immer höher geschwungen, bis das Läuten einsetzt. Über die Motoren können die Glocken auch entsprechend abgebremst werden, damit diese nicht über einen langen Zeitraum immer wieder zu einzelnen Glockenschlägen erklingen. Ganz rechts im Bild ist die Steuerung der Klöppelfänger zu sehen. Unter dem Kasten ist für jede Glocke und für die beiden Klöppelfänger ein Hebel angebracht, mit welchem diese manuell ausgelöst werden können.

Hier sieht man nochmals eine Detailansicht der Steuereinheit für die Glocke I. Außerdem ist die Hauptstromzufuhr unten links im Bild, darüber dann der Not-Aus-Schalter, welcher vor Betreten des Glockenstuhles betätigt werden muss.

Es gibt außerdem noch eine Steuerleitung, welche die spätere Glockenuhr mit der Steuerelektronik verbindet. Darauf komme ich später nochmal zurück. Am Ende kommt von vorne noch eine Abdeckung auf den ganzen Kasten und damit ist dieser auch feuchtigkeitsgeschützt.

Programmierung der Steuerelektronik

Über die Steuerelektronik wurde die Grundprogrammierung vorgenommen. Diese regelt den Läutewinkel, also wie hoch jede einzelne Glocke schwingen soll. Außerdem kann geregelt werden, wie lange es dauern soll, bis der erste Glockenschlag erklingt. Über die Steuerung ist es auch möglich eine mögliche Asymmetrie auszugleichen. Das würde sich in einem ungleichmäßigen Klangbild bemerkbar machen, weil der Klöppel auf einer Seite stärker und auf der anderen Seite schwächer oder gar nicht anschlagen wurde. Jede einzelne Glocke wurde so nach und nach eingestellt. Direkt daneben ist es trotz Gehörschutz sehr laut und wir konnten uns nur noch schwer verständigen.

Angeschlossenes Programmiergerät an der Steuereinheit für Glocke III
Programmiergerät des Herstellers mit den Einstellungsoptionen im Detail

Alles umsonst?

Nach mehreren Anpassungen war der Monteur zufrieden. Verwundert habe ich gefragt, warum die Glocken jetzt noch unregelmäßiger anschlagen als vorher – das war immerhin einer der Auslöser für diese umfangreichen Instantsetzungsarbeiten. Er hat mir dann erklärt, dass sich alle Komponenten jetzt erst nach und nach einlaufen. Dabei geben diese seiner Erfahrung nach noch an der ein oder anderen Stelle nach. Die ersten paar Wochen und Monate müsste man deswegen ständig nachjustieren, um wieder zu einem guten Ergebnis zu kommen. Er versucht daher eine Einstellung zu treffen, die jetzt nicht perfekt ist, dafür aber in diesem Einlaufzeitraum ohne Probleme funktioniert. Beim nächsten Kundendienst wird dann nochmals eine Feinjustierung vorgenommen. Nachdem für diese erste grobe Einstellung schon das mehrmalige, längere Läuten der Glocken nötig war und wir die Nachbarschaft nicht übermäßig beschallen wollten, haben wir es dann dabei belassen.

Feinjustierung der Klöppelfänger

Nachdem die Glocken jetzt entsprechend grob eingestellt waren, mussten auch die Klöppelfänger noch einjustiert werden. Diese werden nicht nur über einen Elektromagneten gesteuert, sondern enthalten außerdem zwei Federn, welche die Halteposition zusätzlich sichern und den Klöppel somit auch bei einer möglichen Stromunterbrechung sicher halten. Da die Federn zu stark vorgespannt waren, hat es der Elektromagnet nicht geschafft, die Zugkräfte zu überwinden und konnte folglich den Klöppel nicht freigeben, auch wenn Spannung angelegen hat. Der Monteuer hat dann Schritt für Schritt die Federn gelockert, um die Zugkräfte zu verringern.

Nach mehreren Versuchen hat er das optimale Ergebnis erreicht und der Elektromagnet konnte den Klöppel freigeben. Dies passiert durch die Glockensteuerung automatisch im richtigen Moment. Wenn die Glocke auf der Seite des Klöppelfängers den höchsten Punkt erreicht, wird der Klöppel freigegeben. Dieser Schwingt dann zusammen mit der Glocke wieder nach unten und schlägt auf der gegenüberliegenden Seite dann wenige Sekunden nach der Auslösung das erste mal an. Wir der Klöppelfänger also durch den Bediener oder die Automatik freigegeben, erfolgt das Läuten also fast direkt danach. Solange der Klöppel gehalten wird, schwingt die Glocke nahezu geräuschlos. In der Kirche ist vom Rascheln der Antriebskette nichts zu hören.

Lagerschaden im Stehlager

Bei der Grundeinstellung der Steuerelektronik wurden die Glocken das erste mal seid der Demontage wieder geläutet. Durch die Klöppelfänger an den Glocken I und II gab es dabei keinen Ton, als die Glocken den maximalen Läutewinkel erreicht hatten. Besser gesagt hätte es keinen Ton geben sollen. Stattdessen gab es regelmäßig ein knackendes Geräusch genau in dem Moment, in dem vorher der Klöppel die Glocke angeschlagen hat. Der Monteur hat es inspiziert und einen Lagerschaden festgestellt. Ein sogenanntes Stehlager verbindet das Glockenjoch mit dem Glockenstuhl.

Dabei handelt es sich um ein Walzenlager, das ähnlich einem Kugellager aus mehreren im Kreis angeordneten Rundstäben besteht, in welchem die Stahlstange (Welle) läuft. An dieser Stahlstange ist dann das Holzjoch befestigt und daran die Glocke. Dem Geräusch zufolge ist mindestens einer dieser Stäbe gebrochen oder verkantet. Auf dem Bild ist das Stehlager im unteren Bereich erkennbar. Über den auf der linken Seite angebrachten Knubbel kann durch Drehen Schmierfett in das Lager gepresst werden.

Da dieses Geräusch früher immer zeitgleich mit dem Glockenschlag aufgetreten ist, war es bei der Wartung nicht aufgefallen. Fürs erste können wir die Glocke in Betrieb nehmen, der Motor würde automatisch abschalten wenn der Schaden größer wird und die Gefahr bestünde, dass die Glocke nicht mehr sicher gehalten werden würde.

Montage der Glockenuhr

Die Glockenuhr ist die Steuereinheit für das manuelle Läuten zum Beispiel während des Vater-Unser-Gebets und dort werden auch die regelmäßigen Läutevorgänge programmiert. Montiert wurde die neue Uhr an der gleichen Stelle wie die alte im Vorraum zum Kirchen-WC.

Ganz oben Links ist die Funkantenne zu erkennen. Diese synchronisiert die Zeit automatisch und sorgt dauerhaft für ein sekundengenaues Läuten und die Umstellung der Winter/Sommerzeit. An der Uhr kann über einen Tastendruck die Glocke zum Läuten gebracht werden, außerdem sind die nächsten drei einprogrammierten Läutezeiten ersichtlich. Im Vergleich zur alten Uhr ist das eine deutliche Verbesserung!

Später können wir dann die abwechselnden Gottesdienstzeiten am Computer programmieren und über eine Speicherkarte an die Glockenuhr übertragen. Durch das jetzt mögliche, gezielte ansteuern jeder einzelnen Glocke ist es wieder möglich, mehr Vielfalt in das Glockengeläut zu bringen. Die Bedeutung der einzelnen Glocken ist durch die alte automatische Steuerung im Vergleich zum früheren, manuellen Läuten verloren gegangen und kann jetzt wieder nach und nach entsprechend verwendet werden. Die Glocken sind ein Instrument, welches mehr Möglichkeiten als das reine „An- und Ausschalten“ bietet. Der Kirchenvorstand wird sich dazu mit der Läuteordnung beschäftigen und wir werden darüber auch entsprechend informieren. Ich bin gespannt, ob wir dadurch das Kirchenjahr ein Stück weit besser „hörbar“ machen können.

Austausch der Steuerleitung

Bei der Programmierung der Gebetszeiten ist aufgefallen, das die Glocke I nicht läutet, wenn die Glockenuhr ein entsprechendes Signal gibt. Inzwischen war es schon 19:00 Uhr und der Monteur musste am Abend noch nach Stuttgart fahren. Nach längerer Fehlersuche haben wir festgestellt, dass das Steuerkabel nicht unterbrechungsfrei von der Glockenuhr im Eingangsbereich der Kirche zur Glockensteuerung im Turm verläuft. Früher gab es neben dem Altar einen Taster, mit welchem die Glocke zum Vater-Unser-Gebet durch den Pfarrer geläutet werden konnte. Dazu wurde das Kabel an mehreren Stellen verlängert, über den Verteilerkasten in der Sakristei geführt und dann wieder verbunden. Nachdem diese Lösung nicht mehr benötigt wird, soll das Kabel soweit möglich ersetzt und neu eingezogen werden. Diese Arbeit erledigt der Monteur nächste Woche alleine. In der Zwischenzeit war es nur möglich mit der Glocke II und III zu läuten. Um 20:30 konnten wir dann erschöpft die Baustelle verlassen. Dreißig Minuten später ist das erste mal nach der Demontage wieder das 21:00 Uhr Läuten erklungen – ganz automatisch und auf die Sekunde genau.

In eigener Sache

Leider sind diesmal nicht alle Bilder so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe. Durch die fortschreitende Dunkelheit waren manche Details dann nicht mehr gut zu erkennen. Ein paar Bilder habe ich soweit möglich dann einige Tage später nochmal neu gemacht. Ich hoffe ich konnte einen kleinen – spannenden – Einblick in dieses Projekt geben. Bei weiteren Fragen steht der Kirchenvorstand gerne zur Verfügung! Gerne können Sie sich auch persönlich ein Bild von unseren Glocken machen. Wenden Sie sich bezüglich einer Terminvereinbarung an unser Pfarramt. Zögern Sie auch nicht, uns bei weiteren Fragen direkt zu kontaktieren.

Die nächsten Schritte

Wir haben mit unserem Glockensachverständigen bezüglich des Lagerschadens an der Glocke I Kontakt aufgenommen. Wir erhoffen uns eine Beratung, ob das Lager nur an dieser einen Glocke getauscht werden soll oder gleich an allen drei Glocken. Die Rüstkosten machen einen erheblichen Teil der Reparaturkosten aus und daher ist die Überlegung entstanden, ob die anderen Lager eine ähnliche Lebensdauer haben wie das jetzt beschädigte Stehlager. Die beiden anderen Glocken haben zwar ein niedrigeres Gesamtgewicht, wodurch die Belastung auf das Lager auch geringer ist. Dafür sind diese Lager auch deutlich kleiner ausgeführt. Wir werden berichten, wenn dazu weitere Informationen vorliegen. Die Reparaturkosten wurden in einer ersten Schätzung auch auf einen mittleren vierstelligen Betrag beziffert.

Spenden

Wenn Sie uns beim Erhalt der Glocken unterstützen möchten und können, freuen wir uns sehr über Ihre Spende! Für diese erhalten Sie selbstverständlich einen Beleg, welchen Sie bei der Steuererklärung angeben können.

Unsere Bankverbindung:
Evangelische Bank
IBAN:  DE39 5206 0410 0001 5731 28
BIC: GENODEF1EK1
Verwendungszweck: Kirchenglocken

Wir danken Ihnen schon jetzt für Ihre Unterstützung mit einem herzlichen Vergelt’s Gott!

Für den Bauausschuss – Christian Fenn

Glockenreparatur Teil 2

Der zweite Tag unserer Glockenbaustelle hat bei mir erst mal mit Muskelkater begonnen. Die ungewohnten Bewegungen in zum Teil abenteuerlicher Lage am Vortag haben ihre Spuren hinterlassen. Zum Glück legt meine Arbeitgeberin viel Wert auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, so konnte ich die Familie durch das Ehrenamt ersetzen und am Nachmittag wieder „in der zweiten Arbeit“ sein. Dort angekommen hat unser Glockenspezialist die Motoren fertig montiert.

Bei den Glockenmotoren handelt es sich um Drehstrommotoren, welche ein ruckelfreies Anlaufen bei niedrigen Drehzahlen von 500 Umdrehungen pro Minute ermöglichen. Durch eine Übersetzung ist der Motor an das Glockengewicht angepasst und ermöglicht so auch ein passendes Anläutetempo. Warum für die Glocken Drehstrommotoren verbaut werden und was es damit überhaupt auf sich hat, würde diesen Bericht sehr kompliziert machen. Ich habe deshalb darauf verzichtet. Die Quintesenz ist: Bei korrekter Einstellung und Dimensionierung ergibt sich eine lange Haltbarkeit ohne großen Wartungsaufwand.

Das Beitragsbild zeigt einen solchen Motor, welcher schon mit der Glocke über eine Kette verbunden ist. Der Glockenmotor selber steht auf einer Holzplatte, um nicht direkt mit dem Glockenstuhl aus Metall verbunden zu sein. Das schützt den Motor vor Erschütterungen und Schwingungen, welche beim Läuten der Glocken entstehen.

Vom Motor zur Glocke

An dem Glockenjoch ist für diese Antriebsart ein Rad befestigt, das einem Speichenrad ähnlich sieht. Es ist das sogenannte Seilrad. Auf der Radlauffläche ist eine Spannvorichtung befestigt. An dieser ist ein Drahtseil, welches mit einer Kette verbunden ist, angeschlossen. Die Kette läuft dann über ein Zahnritzel am Motor wieder zurück zum Rad, wo das Ende wieder mit dem Drahtseil fixiert ist. Der Motor zieht die Glocke anhand der Signale aus der Steuerung entsprechend nach rechts und links.

Oben links schlecht zu sehen: Der Glockenmotor auf dem Holzbrett. Zwischen dem Seilrad auf der oberen rechten Seite und dem Motor befinden sich das Drahtseil und die Kette.
Das Bild zeigt die Glocke II.

Der Glockenmotor ist nicht direkt mit der Glocke verbunden. So können Belastungen durch die hohe Dynamik, welche beim Schwingen der Glocke entsteht, durch die elastische Kette aufgenommen werden. Ich denke die Funktionsweise ist ähnlich einem Zahnriemen, wie er auch im Automotor Verwendung findet.

Motor mit Kette und Seil

Die Bilder zeigen aus verschiedenen Ansichten nochmals die fertig eingebauten Glockenmotoren mit der Verbindung zur entsprechenden Glocke.

Das rechte Bild zeigt im Detail die Radlauffläche mit dem Drahtseil und dem Übergang auf die Kette. Die Kette ist nicht durchgängig, wie es zum Beispiel beim Fahrrad der Fall ist. So kann einerseits einfach nachgespannt werden, wenn im lauf der Jahre die Verbindung nicht mehr stramm genug ist. Auf der anderen Seite kann die Glocke im Fall einer elektronischen Fehlfunktion nicht zu hoch schwingen, weil das Zahnrad des Glockenmotors das Drahtseil nicht greifen kann. Der maximal mögliche Läutewinkel ist also auch mechanisch sichergestellt.

Im besten Fall wäre der Glockenmotor so weit vom Seilrad der Glocke entfernt, das beim Läuten ausschließlich das Drahtseil über die Radlauffläche läuft. Bei uns ist das aufgrund der Turmgröße nicht realisierbar gewesen. Der Übergang zwischen der Kette und dem Drahtseil erzeugt beim Auflaufen auf das Seilrad störgeräusche, die beim Hochläuten der Glocke von außen als Rasseln zu hören sind.

Seilrad

Die Kette wird aber nicht mit maximaler Kraft stramm gespannt, sondern ist wie beim Fahrrad noch leicht seitlich zu bewegen, hat also ein kleines Spiel. Auf der anderen Seite muss sie so stark angezogen sein, dass die Kette nicht durchhängt. Das Seilrad, welches ungefähr dem unteren Durchmesser der Glocke entspricht, sitzt niemals genau mittig auf dem Glockenjoch. Außerdem ist es kein hundertprozentiges Rad und läuft daher auch nicht exakt Rund. Durch das Spiel der Kette können diese Beulen und ein Rundlauffehler ohne Probleme ausgeglichen werden. Wäre die Kette zu stramm, würde beim Läuten im extremfall das Seilrad verformt werden, was zu weiteren Folgeschäden und ungleichmäßigem Läuten führen würde. Auch könnte das Motorlager unter den ungleichmäßigen Zugkräften stark verschleißen.

Auf den Bildern sieht man das Seilrad am Glockenjoch im Detail. Das Drahtseil wird am Seilrad befestigt und dann über eine Spannvorrichtung wie beschrieben korrekt eingestellt. Die Kupferschutzrohre werden verwendet, um das Drahtseil beim Übergang von der Radlauffläche ins Innere des Seilrades vor Schäden durch Reibung zu schützen.

Elektronik

Auf dem von uns angebrachten Holzbrett wurde außerdem die Steuerelektronik für die Glockenmotoren im Kirchturm montiert. Der Kasten wurde von der Firma, welche alle verbauten Komponenten herstellt, fertig verdrahtet geliefert und musste nur noch so wie er war an die Wand geschraubt werden. Die Stromkabel für die Glockemotoren und die entsprechenden Steuerkabel wurden dann von uns vor Ort angebracht.

Dazu haben wir neue Kabelschutzrohre angebracht und die entsprechenden Leitungen dann eingezogen. Eine Arbeit, die Aufgrund der schwierigen Lage alleine kaum zu bewältigen ist. Zu zweit und nach gründlicher Vorbereitung (gründliches Messen) war dies aber auch rasch erledigt.

Das Bild zeigt den Übergang vom inneren Teil des Glockenturmes zum Bereich, in dem die Glocken hängen. Das Loch wurde früher für ein Seil zum manuellen Läuten genutzt.

Der Glockenstuhl aus Stahl machte es nicht einfach, die Kabelschutzrohre zu befestigen. Auf Kabelbinder hat der Handwerker bewusst verzichtet, da diese im Laufe der Jahre durch die Witterungseinflüsse in der Vergangenheit oft spröde wurden und sich dann gelöst haben. Nachdem alle passenden Eisenbohrer aufgearbeitet waren, habe ich meine eigenen noch beigesteuert und auch das konnte soweit abgeschlossen werden.

Für heute waren damit alle geplanten Arbeiten erledigt. Wir liegen gut in der Zeit! Morgen Vormittag schließt der Monteuer die Strom- und Steuerleitungen an den Glockenmotoren an und will die Glockenuhr montieren. Am Nachmittag folgt dann die Programmierung und im besten Fall ist ab dann das Glockenläuten wieder möglich. Ich bin gespannt und werde berichten, wie es weitergeht.

Für den Bauausschuss – Christian Fenn

Glockenreparatur Teil 1

In der letzten Augustwoche war es dann soweit, der Glockenspezialist ist mit den überarbeiteten und reparierten Glockenklöppeln wieder aus Österreich zurück gekommen. In der Zwischenzeit hat auch sein Lieferant die Motoren und sonstigen Teile anliefern können. Da manches nur vor Ort erledigt werden konnte, hat sich der Handwerker vor unserem Gemeindehaus eine provisorische Werkstatt errichtet. Dort wurden die Klöppel noch mit einer oder mehreren Lederlagen versehen, welche als Dämpfung zwischen der Glocke und dem Klöppel dienen. Die nachfolgenden Bilder zeigen einen Ausschnitt der Arbeiten und verwendeten Materialien, die er mitgebracht hat.

Was runter gekommen ist, muss auch wieder hoch

Beim Ausbau der Klöppel wurden diese über einen Seilzug im Inneren des Glockenturmes herabgelassen. Dazu wurden zwei Löcher benutzt, in denen früher ein Seil zum manuellen Läuten gespannt war. Der Einbau funktioniert theoretisch genauso.

Sämtliches Material wird mit einem Haken am Seil befestigt und dann hochgezogen. Da es sich nur um eine einfache Umlenkrolle handelt und nicht über einen Flaschenzug, ist die Kraft die man für das Hochziehen braucht in etwa das Gewicht des hochzuziehenden Gegenstandes. Das Bild zeigt einen Glockenklöppel, welcher schon „auf dem Weg nach oben“ ist. Bei den leichten Sachen hat es gereicht wenn ich oben gezogen habe. Bei den schwereren Sachen hat der Monteuer unten am zweiten Seil gezogen und ich gleichzeitig oben. Eine Ahnung davon bekommt man mit dem nachfolgenden Bild.

Bei dem größten Klöppel hat aber auch das nicht gereicht. Der Handwerker hat den Klöppel also immer Stufenweise hoch getragen, während ich mich mit meinem ganzen Körpergewicht an das Seil gehängt habe. Wir waren beide froh, dass es nicht so warm wie letzte Woche war und noch viel mehr, als dann endlich alles Material oben angekommen ist. Die Erkenntnis des Tages war für mich, ich sollte in Zukunft mehr Gelbwurst naschen 😉

Einbau der Klöppel in die Glocken

Zuerst sollten die Klöppel wieder in den Glocken montiert werden. Dazu muss dieser in der sogenannten Klöppelgabel befestigt werden. Dabei handelt es sich um ein U-Förmiges Metallteil im inneren der Glocke. Bei vielen Glocken kann die Klöppelgabel mit ausgebaut werden, was das Verbinden dieser beiden Bauteile durch einen Bolzen einfacher gestaltet. Bei unseren Glocken ist diese Schraube allerdings zwischen dem Glockenjoch und der Glocke angebracht, sodass diese komplett demontiert werden müsste. Das war also keine Option. Während der Monteuer also versucht hat den Klöppel in der richtigen Position zu halten, habe ich versucht den Bolzen entsprechend zu befestigen. Dabei haben wir festgestellt, dass es irgendwie überhaupt nicht mehr dort hineinpasst. Wie konnte das sein?

Auf dem Linken Bild ist bei genauem Hinsehen eine Kante über der unteren Bohrung an der Klöppelgabel zu sehen. Dabei handelt es sich um einen aufgenieteten Metallstreifen, der auf einer Seite angebracht worden ist. Rechts dann das Bild von der anderen Seite ohne Metallstreifen

Die genaue Funktion erschließt sich nicht mehr. Wahrscheinlich eine alte Fixierung. Da die neuen Klöppel mit viel weniger Spiel eingebaut werden, damit diese in Zukunft beim Läuten nicht mehr in der falschen Richtung ausschlagen können und so die Lebensdauer von Klöppel und Glocke negativ beeinflussen, passen diese jetzt nicht mehr in die Klöppelgabeln.

Als erstes hat der Monteur dann die Messingbuchsen abgeschliffen und somit leicht verkleinert. Wir waren uns beide einig, dass wir alles versuchen werden um den Klöppel wieder in die Glocke zu bringen, aber die allerletzte Option wäre, diesen wieder hinab zulassen.

Der zweite Schritt war dann das entfernen der genieteten Metallplatte an der Klöppelgabel.

Mit einem Winkelschleifer hat er versucht die Nieten aufzuschneiden und danach haben wir mit einem provisorischen Meißel und viel Gewalt die angerostete Platte abgeschlagen. Bei der großen Glocke war das noch einigermaßen einfach, bei den kleineren dann eine Herausforderung, weil man entweder auf der unteren Glocke sitzen muss um an die darüber liegende zu gelangen oder fast am Boden liegt, um in die untere hineinschauen zu können.

Danach hat es dann endlich geklappt. Der Klöppelbolzen ist hier auf dem Bild noch nicht vollständig eingeführt. Durch die geringe Toleranz musste dieser als nächstes eingeschlagen werden. Man sieht, wie wenig Platz dafür ist. Mit einer großen Menge Schmierfett ist dies zwar etwas einfacher, nach kurzer Zeit sind aber sowohl die eigenen Hände als auch sämtliches Werkzeug sehr schmierig. Keine schöne Arbeit. Dazu das hohe Gewicht der Klöppel und durch die engen Platzverhältnisse stößt man sich andauernd irgendwo.

So sieht es dann fertig aus. Der Klöppel hängt wieder in der Klöppelgabel, durch zwei mechanische Komponenten dauerhaft gesichert. Auf dem Bild sind auch die Streifen an der Glockeninnenwand zu sehen, welche beim Gießen durch die verwendeten Gussringe entstanden sind.

Fast wäre es geschafft

Bei der kleinsten Glocke gab es dann noch ein anderes Problem. Die neue Ledereinbindung war zu stark und damit hat die Höhe nicht mehr gereicht, um den Klöppelbolzen einstecken zu können.

Nach dem Entfernen einer Lederlage konnte dann auch der Klöppel von Glocke III eingebaut werden. Auf dem Bild sieht man nochmals gut die unterschiedlichen Schichten dieser Ledereinbindung.

Anbringen der Klöppelfänger

Als nächstes wurden die Klöppelfänger an den größten beiden Glocken montiert.

Ich konnte leider kein wirklich gutes Foto davon machen, weil der Platz dazu im Turm zu klein ist und ich somit nicht weit genug weg konnte. Es ist auch nicht einfach zu beschreiben wie genau die Funktion ist und wie die Montage abgelaufen ist. Deswegen an dieser Stelle nur das Ergebnis so gut es geht festgehalten. Der Klöppelfänger bewegt sich beim Läuten mit der Glocke mit und kann dann entsprechend den Klöppel einfangen, sodass dieser kein Geräusch mehr erzeugen kann. Wird er wieder freigegeben, läutet die Glocke sofort.

Hier sieht man gut, wie der Klöppel vom Klöppelfänger gehalten wird. Das Auslösen kann dann in Zukunft genauso wie das Läuten an der Glockenuhr in der Kirche über einen Tastendruck erfolgen.

Die Elektronik merkt sich diesen Befehl dann vor und führt diesen aus, wenn die Glocke das nächste mal an der höchsten Schwingposition ist. Auch das ist nicht so einfach zu beschreiben und ich werde versuchen davon noch ein Video zu machen, wenn es funktioniert. Bei Interesse finden sich dazu aber auch Filme von anderen Kirchen auf diversen Videoplattformen im Internet.

Montage der Glockensteuerung

Ein weiterer Schritt war noch die Montage der Glockensteuerung. Dazu haben wir wie berichtet in Eigenleistung die Wand entsprechend verputzt und ein Holzbrett davor angebracht, um eine gewisse Dämpfung zu ermöglichen und die Montage der Elektrik zu vereinfachen.

Auf dem Bild sieht man die drei Steuereinheiten, für jeden Glockenmotor eine. Dieser Kasten wurde komplett verdrahtet geliefert und extra für unsere Situation entsprechend bestückt. Später müssen die einzelnen Elektro- und Steuerleitungen dann noch entsprechend angebracht werden. Fürs erste haben wir den Kasten aber an die Wand gehängt, damit er nicht mehr im Weg steht.

Anbringen der Motoren

Als letzte Aufgabe für den heutigen Tag wurden die Motoren noch ungefähr an die richtige Stelle gebracht. Der Glockenstuhl aus Metall überträgt die Schwingungen und Erschütterungen der Glocken ziemlich stark. Das ist aber weder für den Glockenturm noch für die Motoren gut. Deswegen sind Holzstühle kein Nachteil sondern bieten viele Vorteile. Der Monteur versucht die dämpfende Eigenschaft des Holzes durch eine dicke Holzplatte unter den Motoren zumindest zum Teil auszunutzen. Auf dem nachfolgenden Bild ist der größte Motor für die Glocke I zu sehen. Rechts am Motor befindet sich ein Zahnrad, in welchem später die Kette gespannt wird.

An der Kette wiederum ist ein Seil befestigt und dieses liegt dann auf einem Rad, welches mit dem Glockenjoch verbunden ist. Der Motor ist damit nicht fest mit der Glocke verbunden und so können starke Kräfte – wie sie zum Beispiel beim Schlagen des Klöppels entstehen – durch das Seil abgefangen werden.

Auch das erhöht die Lebensdauer des Motors. Morgen montiert der Handwerker dann die Motoren in der richtigen Flucht und dann kann ich auch Fotos davon machen, wie das ganze im eingebauten Zustand aussieht.

Trotz der Herausforderungen liegen wir gut in der Zeit und können vielleicht schon Mitte der Woche wieder läuten. Es war ein langer und anstrengender Tag und wir sind beide von oben bis unten schmutzig. Aber man sieht auch, was man geschafft hat. Eine schöne Arbeit!

Für den Bauausschuss – Christian Fenn

Gottesdienst ohne Glocken

Eineinhalb Wochen sind unsere Glocken nun schon verstummt. Über den Ausbau der Klöppel und den Rückbau der Elektronik habe ich ja schon berichtet. Was ist in der Zwischenzeit passiert? Die Klöppel sind im Moment noch in Österreich in der Werkstatt. Die Reparatur dauert länger als gedacht, Ersatzteile werden in der aktuellen Corona-Situation nicht so schnell geliefert wie sonst. Planmäßig beginnt der Einbau nächsten Montag. Wir sind schon gespannt, ob es bei diesem Termin bleibt! Am letzten Sonntag war es ganz ungewöhnlich, direkt mit der Orgel zu beginnen – ganz ohne das gewohnte Glockengeläut zuvor. Wir drücken die Daumen, dass es nächstes Wochenende wieder funktioniert.

Auf dem oberen Bild ist im Hintergrund noch die alte Steuerelektronik im Kirchturm zu sehen. Davor wurde eine Platte als Absturzsicherung angebracht. Das Geländer ist an mehreren Stellen im Turm zu niedrig (oder die Menschen sind die letzten Jahrzehnte einfach größer geworden) und man fühlt sich deutlich sicherer, wenn man dort oben arbeitet. Das haben wir noch vor der Demontage angebracht, damit nichts passiert!

Foto der Wand nach der Demontage der bisherigen Glockenuhr

Im Vorraum zum Kirchen-WC war die Glockenuhr angebracht. Nach dem Abbau blieben eine Menge Löcher in der Wand übrig. Diese wurden verputzt und die Stelle so gut es ging an die restliche Wand angepasst. In der Kirche wurde alles mit einer „besonderen“ Wasserwaage erstellt 🙂

Im Glockenturm wurde dann auch entsprechend verputzt. Auch hier waren große Löcher in der Wand und zum Teil noch unverputzte Stellen von einer noch älteren Installation zu finden.

Foto der Wand nach der Demontage der bisherigen Glockensteuerung

Zum Glück haben wir so talentierte Ehrenamtliche, die uns bei diesen kurzfristigen Spezialaufträgen unterstützen.

Nach dem Trocknen hat Andreas Freitag noch eine Holzplatte an die Wand geschraubt. Das soll Schwingungen dämpfen und die Elektronik schützen. Außerdem ist die Wand damit eben, und die Montage einfacher. Sieht am Ende bestimmt sehr professionell aus!

Unsere Arbeiten sind damit erledigt, wir warten auf Montag und hoffen keine Überraschungen bei der Montage zu erleben!

Für den Bauausschuss – Christian Fenn