Siehe dein König kommt zu dir

Predigt zum 1. Advent 2020 Sach. 9,9-10 von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

– Anspiel Konfirmanden –

Liebe Gemeinde,

da kommt er also – die Menschen jubeln, recken die Hälse, schwenken ihre Fähnchen, klatschen.
Haben Sie das schon einmal erlebt, wenn so eine Berühmtheit vorbeikommt?
Ich habe es zuletzt erlebt, als vor ein paar Jahren das niederländische Königspaar in Nürnberg war.
Überall Security und Polizeimotorräder, die Altstadt war gesperrt für Fahrzeuge, die Straßen waren gesäumt von Menschenmassen.
Oder – ganz aktuell – wer diese Woche die Nachrichten verfolgt hat, hat die Bilder aus Argentinien vor Augen, als Diego Armando Maradonnas Sarg eskortiert wurde und diese Fußballlegende auch noch im Tod wie ein Superstar gefeiert wurde.

Wie anders verhält es sich da doch mit dem Friedensfürsten, den wir Christen erwarten?
„Wie soll ich dich empfangen und wie begegn‘ ich dir?“, so haben wir vorhin gesungen.

Kein Glanz, kein Glamour!

Der König, den uns die Bibel ankündigt, kommt auf einem Esel daher, ganz ohne Sicherheit. Die Füße des Königs schleifen auf dem Boden. Es fehlt jeglicher Stolz eines Königs!
Der Esel, das Transporttier der armen Leute, spielt in Jesu Leben eine große Rolle.
Auf einem Esel sitzt Maria, als sie mit ihrem Verlobten Joseph zur Volkszählung nach Bethlehem zieht, wo dann das Wunder aller Wunder geschieht: Gott wird Mensch!
Auf einem Esel reitet Jesus nach Jerusalem hinein, wo sich der Lebenskreis Jesu wieder schließt, als er nach einem freudigen Empfang am Palmsonntag wenige Tage danach ans Kreuz geschlagen wird.
Vielleicht auch deswegen, weil er die messianische Erwartung seiner Anhänger nicht erfüllt hat.
Die große Hoffnung des jüdischen Volkes lag damals vor 2000 Jahren darin, endlich die Römer aus dem Land zu jagen, die mit der Verehrung des römischen Kaisers vor allem den Juden ein Dorn im Auge waren.

Doch wer die Schriften des AT kannte, konnte ahnen, dass es sich bei dem Messias, der da kommen soll, nicht um einen Feldherrn handelt, der mit bester Kriegs- und Waffentechnik ausgestattet ist.
Der Prophet Sacharja schreibt, dass mit dem neuen König jedes Kriegsgerät und jegliche Waffen aus dem Land verschwinden sollen. Abrüstung auf der ganzen Linie!
Das Ende von militärischer Drohung und Gegendrohung, von Gewalt und Gegengewalt.

Und schon sind wir auf einmal mittendrin in unserer Situation heute:
An den Ostgrenzen Europas, in Afghanistan, in vielen Ländern Afrikas scheinen die Kriege niemals aufzuhören. 
Auch in vielen westlichen Ländern gibt es ein Säbelrasseln und herrisches Auftreten von selbsternannten Beschützern der Nation.
Nicht zuletzt dieses gespenstige Virus, das mit Heimtücke die ganze Welt lahmzulegen scheint.
Alles in allem ein Wahnsinn!

Das ist die Lage, in der wir in diesem Jahr Advent feiern!

 Da wird das Trostwort des Sacharja, welches wir im Anspiel gehört haben, zu einer klaren Herausforderung.
Auf welche Seite stellen wir uns mit unserem Denken, Reden und Handeln?
Auf die Seite derer, die um sich schießen – und sei es mit Worten?
Oder auf die Seite des angekündigten Messias, dessen Königreich sich ganz anders ausbreitet?

„Euer König stiftet Frieden unter den Völkern, seine Macht reicht von einem Meer zum andern!“
Wie wird der Friedefürst das machen?
Auch dieses Wie beantwortet Sacharja, indem er schreibt:
„Er bringt Euch Gerechtigkeit und Rettung!“
Das heißt, er hat Recht bekommen von seinem himmlischen Vater und er sorgt für Gerechtigkeit auf Erden.
Ihm ist geholfen worden von seinem himmlischen Vater und er hilft den Menschen auf Erden.

Gott selber steht hinter ihm!
Jesus muss keine Machtmittel und Waffen einsetzen, um sein Reich abzustecken.
Demut und der Mut zum Dienen sind seine Stärken!
So verschafft er der Gerechtigkeit Raum und so bringt er Menschen Hilfe, wo sie hilflos und überfordert sind.

Für uns heute bedeutet das:
Der Glaube an Jesus als der Hoffnungsträger macht uns stark im Kleinen zu Hause, in der Familie, im Freundeskreis.
Der Glaube an Jesus macht uns stark, um für Gerechtigkeit zu sorgen.
Der Glaube an den Hoffnungsträger macht uns bereit dafür, uns für den Frieden in unserer Gesellschaft einzusetzen, aufzubegehren und einzuschreiten, wo die Not sichtbar wird.

Jeder von uns hat da einen Menschen vor Augen, der zur Zeit in besonderer Not ist, ein Mann, der alleine wohnt, eine Frau, die sich nur noch im Haus aufhalten kann oder jemand, der sein Bett gar nicht mehr verlassen kann, oder Menschen, die sich nicht mehr zum Einkaufen wagen, weil sie sich nicht gefährden wollen.
Auch gibt es in unserem Stadtteil viele Menschen, die zur Zeit von Arbeitslosigkeit bedroht sind oder die Schüler, die schon wieder ins Homeschooling müssen…

„Mission Eine Welt“ hatte da für die Adventszeit eine Idee:
Gerade in dieser schwierigen Zeit könnten wir uns vornehmen, uns um einen dieser Menschen in Not zu kümmern. 
Ich habe hier an der Seite die Idee von „Mission eine Welt“ aufgegriffen. Da hängen Postkarten, von denen sie sich nachher gerne eine mitnehmen dürfen und dann an jemanden verschicken, dem sie eine Freude machen wollen.

Wir sind keine Heerführer und Strategen, die die Weltgeschichte verändern wollen, wir fangen im Kleinen an und ziehen doch unsere Helferkreise, die am Friedensreich Gottes arbeiten, immer weiter, wenn wir heute auch an die Menschen in den armen Ländern dieser Erde denken.

Die diesjährige Aktion von Brot für die Welt steht unter dem Motto: „Kindern Zukunft schenken.“
Ganz gezielt geht es dabei um die Bekämpfung von Kinderarbeit auf den Philippinen.
Die Partnerorganisation von Brot für die Welt: Quidan Kaisahan wurde 1996 gegründet. Sie tritt in der philippinischen Provinz Negros Occidental für die Überwindung der Armut, das Ende der Kinderarbeit sowie das Recht auf Bildung ein. Das aktuelle von Brot für die Welt unterstützte Projekt richtet sich an ca. 2000 Kinder und deren Familien. Sie erhalten unter anderem kostenlose Schulmaterialien und Förderunterricht. Ihre Eltern werden in nachhaltigen Anbaumethoden geschult und bei der Gründung von Kleinstunternehmen unterstützt.

Dieses Projekt ist aber nur eines von vielen, das von Brot für die Welt gefördert wird. Vor allem Kinder auf der Südhalbkugel hoffen in diesem Jahr auf Hilfe.

Liebe Gemeinde,

Sie sehen schon, so verwandelt sich die Erwartung des Friedefürsten und die Vergrößerung seines Friedensreichs in ganz praktische Solidarität mit denen, die alleine nicht mehr auf die Beine kommen.
Wir selber können Friedensbringer sein und auch den Friedensbringer in unsere Herzen lassen, wenn wir ihm in den nächsten vier Wochen den Weg bereiten.

Heute haben wir die erste Kerze am Adventskranz angezündet und an den nächsten Sonntagen wird es dann immer heller auf dem Weg nach Weihnachten.

Ich verspreche Ihnen:

Dann stellt sich Freude ein, wenn er kommt, der König, der Gerechte und der Helfer!

AMEN.

Vom Kommen des Reiches Gottes

Predigt zu 1. Thess. 5,1-6 am 08.11.20 in der Stephanuslirche
von Pfarrerin G. Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde,

Wie schon in unserer Evangeliumslesung, so geht es auch in unserem heutigen Predigttext um den Tag des Herrn, uns besser bekannt als der Jüngste Tag, mit dem das Reich Gottes beginnen soll.
In früheren Zeiten war dies eine gewichtige und allgegenwärtige Vorstellung, die großen Einfluss auf das Leben und Handeln der Christen hatte.

Vielen Menschen der Moderne sind diese Vorstellungen fremd.
Da will man nicht mehr an den Tag glauben, der alles Dagewesene verändern soll, der wie ein großes Gericht Gottes über alle hereinbricht und schließlich in einem ungeheuren Sturm die Spreu vom Weizen trennt.

Zu fremd und zu alt hergebracht sind doch diese apokalyptischen Vorstellungen, die schon die Propheten des 8.Jahrhunderts vor Christus – allen voran Amos –  ausschmückten, oder die Vorstellungen, die wir aus dem letzten Buch der Bibel, der Offenbarung des Johannes, kennen.
Dramatische Szenen werden da geschildert, die doch eher an einen Untergang als an einen Neuanfang erinnern.
In etlichen Kinofilmen wurden diese Motive aufgenommen:
So in Tolkiens Ring-Trilogie, in „Armageddon“ oder in der endzeitlichen Schlacht um Hogwards, in der der Widersacher Harry Potters, der böse Lord Voldemort, vernichtend geschlagen wird.
Die Vorlagen zu diesen Endzeitgeschichten finden sich in den apokalyptischen Büchern der Bibel.

Sowohl zu Jesu Lebzeiten als auch zur Zeit des Paulus waren diese Vorstellung vom Ende der alten Welt, vom bald hereinbrechenden Beginn eines neuen Äons, eines neuen Zeitalters, in allen Köpfen.
Das müssen wir wissen, wenn wir den heutigen Predigttext verstehen wollen:

 1.Thess. 5,1-6:

Von diesen Zeiten aber und Stunden, Brüder und Schwestern, ist es nicht nötig, euch zu schreiben, denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommt, wie ein Dieb in der Nacht. Wenn sie sagen: „Friede und Sicherheit“, dann überfällt sie schnell das Verderben wie die Wehen eine schwangere Frau und sie werden nicht entrinnen.

Ihr aber seid nicht in der Finsternis, dass der Tag wie ein Dieb über euch komme. Denn ihr alle seid Kinder des Lichts und Kinder des Tages. Wir sind nicht von der Nacht noch von der Finsternis. So lasst uns nun nicht schlafen, wie die andern, sondern lasst uns wachen und nüchtern sein.

Liebe Gemeinde,

 Jesus und auch Paulus erwarteten den baldigen Anbruch des Reiches Gottes. Jesus spricht dabei vom Menschensohn, der da kommen wird. Die ersten Christen identifizierten damit ihn selbst.  Als dann aber geschichtlich nichts Umwälzendes nach Jesu Tod gekommen ist, nimmt Paulus den Gedanken noch einmal auf und predigt abermals den baldigen Anbruch des Reiches Gottes.

Heute nach über 2000 Jahren wissen wir, dass mit der Hoffnung auf ein neues Zeitalter etwas anderes gemeint sein musste als eine spektakuläre Zeitenwende.
Wir gehen heute davon aus, dass die Zeit immer weiter geht.
Auch wenn sich die Menschheit in den nächsten Jahrhunderten aus Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur selbst die Lebensgrundlagen vernichtet, würde unser Sonnensystem noch Jahrmilliarden weiterbestehen.

Was hat es also mit dem Reich Gottes auf sich?

Jesus bringt es auf den Punkt: „Das Reich Gottes beginnt schon jetzt und ist mitten unter euch“, so sagte er es seinen nicht schlecht staunenden Zuhörern. Und dann erzählte er ihnen Gleichnisse wie das vom Barmherzigen Samariter und Geschichten, wo Menschen von Krankheiten geheilt und von bösen Dämonen befreit werden.
In diesen Handlungen, in diesen Geschehnissen ist Gottes Reich schon angebrochen.
So begegnet Jesus Fanatikern, die selbst Hand anlegen wollen, um das Reich Gottes mit aller Gewalt herbeiführen zu wollen.
Ich denke dabei an Judas, der ihn später verriet, weil er ähnlich den Zeloten das Reich Gottes zügig durchsetzen wollte.
Durch seine Erzählungen rüttelt Jesus auch die Gleichgültigen wach oder auch die Ängstlichen, die sich selber in allem zurückhalten, was für sie gefährlich oder zumindest nicht gleich von Nutzen sein könnte.

Und Paulus – auch er bezähmt die Endzeitfanatiker und bringt die Lethargiker in Schwung, indem er mahnt: „Der Tag des Herrn kommt, wie der Dieb in der Nacht!“
Das sollte heißen: „Ihr müsst ihn nicht herbeizwingen, aber verschlafen sollt ihr ihn auch nicht!“

Liebe Gemeinde,
was also dürfen wir hoffen, wenn es um den Tag des Herrn oder um das Reich Gottes geht?
Wissen wir doch, dass wir Hoffnung brauchen, da wir selbst oft machtlos vor einer Krankheit oder einer existentiellen Krise stehen.
Da stehen Fragen im Raum wie z.B. „werde ich meinen Schulabschluss schaffen?“, „finde ich eine Arbeit, die mir auch gefällt?“, „finde ich den richtigen Lebenspartner?“, „bleibe ich bis ins Alter geistig fit?“ und „wer versorgt mich, wenn ich alt geworden bin?“
Wahrlich, wir sind keine Hellseher und die, die sich als solche ausgeben, sind meist Scharlatane.

Und so hoffen wir alles in allem, dass es gut mit uns wird, dass unser Leben ein Ziel hat, das von Gott festgelegt wurde! Kein Produkt des Zufalls, sondern genauso von Gott gewollt!

Zwar möchten wir vieles planen oder zumindest die Wahrscheinlichkeit dafür ausrechnen, um uns sicherer zu fühlen, aber eigentlich müssen wir bekennen, dass sich der „Faktor Gott“ nicht in solche Pläne und Diagramme zwängen lässt.
Ein altes Sprichwort lautet ja: „der Mensch denkt – und Gott lenkt!“
Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass uns diese Erkenntnis guttut.
Das passt gut zu unserem Predigttext.

Wir sind gefragt, hinzuschauen, anzupacken und einzugreifen, wo unsere Hilfe gebraucht wird, den Jüngsten Tag im wahrsten Sinne des Wortes nicht zu verschlafen, alles aber in der Hoffnung, dass nicht alles Gelingen in unserer Hand liegen muss, sondern wir der Macht und Kraft Gottes Etliches zutrauen können.
Eine Vertröstung auf den „Sanktnimmerleinstag“ wäre also hier völlig fehl am Platz.
Wir dürfen, sollen bereit sein für Spontanes, für Unvorhersehbares, ja sogar für Herausforderndes, weil wir die Zusage Gottes haben, dass er bei uns ist, heute und bis zum Ende aller Tage!

Paulus ging es in seinem Brief an die Thessalonicher um die Kunst des Lebens.
Selbst von Krankheiten gezeichnet, vom Schicksal hart gebeutelt, machte er der von ihm gegründeten Gemeinde Mut, auch mit Widersprüchen leben zu können.
Dem tieferen Sinn des Lebens auf der Spur zu bleiben, trotz des Hin und Her, das Ziel in Verantwortung Gottes gegenüber zu leben, nicht aus den Augen zu verlieren.

Der momentane Blick auf unsere Familien und der Blick nach vorne für unsere Gesellschaft gewinnen dann an Bedeutung, wenn wir unseren Weg als Kinder des Lichts und als Kinder des Tages gehen:

  • Nicht über das Vergangene zu lange nachgrübeln.
  • Den Krisen nicht zu viel Macht und Raum geben.
  • Die Sorgen bewusst vor Gott bringen.
  • Bereit sein für die Herausforderungen der Zeit.

Liebe Gemeinde,
Sie sehen, mit den Worten Jesu und den Briefen des Paulus werden die Zuhörer gecoacht!
Die Botschaft ist klar:
Christen dürfen sich umfangen lassen von der auf keine Zeiten festgelegte, unendlichen Liebe Gottes, die stark macht in guten wie in schlechten Zeiten.

AMEN

Wir ernten und teilen

Predigt zum Erntedankfest 2020
von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde,

Kennen Sie Taizé?
Der Schweizer Theologe Roger Schutz gründete dort im frz. Burgund während des 2. Weltkriegs eine christliche Kommunität. 
Anfangs nur eine Aufnahmestation für Flüchtlinge, entwickelte sich Taizé im Lauf der Jahre zu einem Ort für internationale Jugendbegegnungen.
Zu Nicht-Corona-Zeiten sind es jedes Jahr mehrere zehntausend  Jugendliche, die dort gemeinsam beten, melodische Lieder singen, sich über die Bibel Gedanken machen und natürlich gemeinsam essen. 

Als Religionslehrerin habe ich jedes Jahr Werbung für einen Taizé-Aufenthalt gemacht. Die zurückgekommenen Schülerinnen und Schüler erzählten mir dann begeistert von dem überwältigenden Gemeinschaftsgefühl, welches sich dort schnell entwickelte.
Die Qualität des Essens löste nicht immer Begeisterungsstürme aus, doch die Tatsache, dass alle gemeinsam das Einheitsessen zu sich nahmen, alles geteilt wurde, was auf den Tischen lag, und keiner hungern musste, faszinierte die Jugendlichen immer wieder.

In unserem heutigen Predigttext geht es auch ums Teilen, ums Essen und ums Sattwerden.

 Mk 8,1-9 (BasisBibel):  

Zu dieser Zeit war wieder eine große Volksmenge bei Jesus zusammengekommen.
Da die Menschen nichts zu essen hatten, rief Jesus die Jünger zu sich. Er sagte zu ihnen: „Die Volksmenge tut mir leid. Sie sind nun schon drei Tage bei mir und haben nichts zu essen. Wenn ich sie hungrig nach Hause schicke, werden sie unterwegs zusammenbrechen – denn einige sind von weither gekommen.“ Seine Jünger antworteten ihm: „Wo soll in dieser einsamen Gegend das Brot herkommen, um diese Leute satt zu machen?“
Und er fragte sie:“ Wieviel Brote habt ihr?“ 
Sie antworteten: „Sieben“
Und er forderte die Volksmenge auf, sich auf dem Boden niederzulassen. Dann nahm er die 7 Brote. Er dankte Gott, brach sie in Stücke und gab sie seinen Jüngern zum Verteilen. Und die Jünger teilten das Brot an die Volksmenge aus.
Sie hatten auch noch einige kleine Fische. Jesus sprach das Segensgebet über sie und ließ sie ebenfalls austeilen. Die Menschen aßen und wurden satt. 
Danach sammelten sie die Reste und füllten damit sieben Körbe. Es waren etwa 4000 Menschen.
Jetzt schickte Jesus sie nach Hause. –

Liebe Gemeinde,

hier machen also 7 Brote und einige Fische 4000 Menschen satt. Und – unglaublich… hinterher bleiben noch 7 Körbe mit Brotresten übrig!
Nach heutiger Erkenntnis können wir nicht sagen, wie so etwas möglich war. Die Zahl 7 steht in der Bibel für Ganzheitlichkeit, aber wir wissen nicht, was hinter der geheimnisvollen Zahl 4000 steckt.

Für uns Zuhörer lautet die Botschaft nur: Jesus und seine Freunde verköstigen alle, die da sind!

Jesus spricht das Dankgebet, teilt das Brot und segnet die Fische. Danach machen Jesu Zuhörer die tiefgehende Erfahrung – im wahrsten Sinn des Wortes – das Brot des Lebens zu bekommen. Das was sie brauchen, das was ihnen jetzt weiterhilft. Jesus sorgt sich um die Menschen!
Er lässt seinen Worten Taten folgen!
Vielleicht wird er dabei unterstützt: einige kramen evtl. in allen ihren Taschen und finden soviel, dass sie es gerne an ihren Nachbarn weitergeben. Oder manch einer kauft sich noch im nächsten Dorf von seinen letzten Silberlingen etwas Essbares. Das Wenige, das die Zuhörer Jesu haben, teilen sie miteinander!

Liebe Gemeinde,

In unserem heutigen Gottesdienst geht es auch ums Essen.
Wenn wir uns hier umschauen, sehen wir auf dem Altar, neben dem großen Laib Brot, Gemüse und Obst, das in diesem Jahr über den Sommer hinweg gewachsen ist.

Aber das alles wächst nicht einfach so. Wir sind hier nicht im Schlaraffenland! 
Bis wir auf unserem Tisch das Essen anbieten können, steckt viel Arbeit und viel Segen dahinter!

Ich habe Ihnen heute eine Bildkarte mitgebracht. 
Darauf ist ein Gemälde des Künstlers Paul Gauguin zu sehen, welches er im Jahr 1890 gemalt hat.
Das Bild zeigt Bauersfrauen bei der Ernte. Wir sehen in der Mitte ein bewegtes, goldgelbes Kornfeld. 
Die Frauen tragen ihre Arbeitsschürzen und bücken sich tief, um mit Sicheln die Ähren zu schneiden und zu bündeln. Diese Arbeit ist mühevoll.
Rechts auf der Wiese ist ein Hund zu sehen. Aufmerksam schaut er umher. Vielleicht wartet er darauf, dass in der Mittagspause auch für ihn etwas abfällt.
Stellen Sie sich mal vor, Sie stehen auf einer Anhöhe und blicken von dort oben herunter auf die Szenerie.
Lassen Sie Ihren Blick in die Ferne schweifen. Sie erkennen das Meer in den kräftigen Blautönen. Ihre Augen können sogar das Ufer auf der anderen Seite erkennen. 
Die satten Farben der Ähren erinnern uns an die lange Zeit des Wachsens. Viel Kraft und Energie sind in die Ähren geflossen, bis sie jetzt von den Frauen geerntet werden können. 
Wir müssen keine Bauern sein, Hobbygärtner zu sein genügt auch schon, wenn wir nachvollziehen wollen, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, bis das Getreide geerntet werden kann und wir daraus Brot backen können. 
Der Bauer muss pflügen, eggen, säen, düngen. 
Dann gibt er das Wachstum in Gottes Hand. Er ist es, der den Regen, die Sonne und den Wind schenkt! 
Erst dann tritt der Mensch wieder in Aktion: Er erntet das Gewachsene und verarbeitet die Gaben.

Unser Blick geht wieder zurück zum Bild: 
Wenn wir genau hinsehen, entdecken wir Segelboote. 
In Verbindung mit unserem Predigttext könnten es Fischerboote sein, deren Besatzung sich auch erst einmal viel Mühe machen muss, um mit vollen Netzen heimzukommen.
Trotz der vielen Schweißperlen, die wir durch unser Nachdenken erahnen, strahlt das Bild eine wunderbare Ruhe aus. Die satten Farben mögen ihres dazu tun.

Aber da ist noch etwas, was dieser Ruhe zur Geltung verhilft!
Ich denke, es ist das Vertrauen. Das Vertrauen auf den Schöpfergott, der uns Menschen Saat und Ernte, Sommer und Winter, Frost und Hitze, Tag und Nacht verheißt und gibt.
Das ist es, wofür wir heute Gott danken können, auch in diesem verrückten Corona Jahr. Trotz Hitzewellen und Trockenperioden haben wir in unserem Land ausreichend ernten können. Die Pandemie hat sich zu keiner Notlage mit Hungersnot entwickelt. Bis jetzt wurde die Krise in unserem Land gut gemeistert.

Und so können wir an Erntedank Gott noch für viel mehr Dinge danken.
Im Kleinen Katechismus, dem kleinen Lehrbuch mit den 5 Hauptstücken unseres evangelischen Glaubens, schreibt M. Luther in seiner Auslegung des Vaterunsers zur Bitte um unser tägliches Brot folgendes:
Unser täglich Brot ist „alles, was not tut für Leib und Leben, wie Essen, Trinken, Kleider, Schuh, Haus , Hof, Acker, Vieh, Geld, Gut, fromme Eheleute, fromme Kinder, fromme Gehilfen, fromme und treue Oberherren, gute Regierung, gut Wetter, Friede, Gesundheit, Zucht, Ehre gute Freunde, getreue Nachbarn und desgleichen.“
Damit möchte Luther die Betenden daran erinnern, dass es in jedem Leben, bei jedem von uns ein Wachsen und ein Ernten, ein Blühen, ein Früchtetragen und ein Verwelken gibt.
Und nicht bei allen fällt die Ernte üppig aus. 
Gerade in diesem Jahr kam es bei vielen Menschen zu existentiellen Bedrohungen. Kurzarbeit, Entlassung, Vereinsamung durch zu viel Homeoffice, Spannungen in den Familien, als die Kinder über mehrere Monate zuhause bleiben mussten … ein jeder von uns kann diese Aufzählung mit eigenen Erfahrungen ergänzen.

Was/wer hilft uns da heraus?
In größter Not brauchen wir unbedingt ein sicheres Fundament, auf dem wir stehen können. 
Das können gute, echte Freunde sein, die sich auch bei uns melden, wenn kein gemeinsames Spaßprogramm ausgemacht werden kann. 
Das können zuverlässige Ansprechpartner wie der Arzt, der Seelsorger, die Pfleger, die Entscheidungsträger in der Politik sein.
Das kann auch die Neuentdeckung der Natur, der Schöpfung Gottes sein.
Viele von uns haben in diesem Jahr auch ihren Garten liebgewonnen oder gehen regelmäßig zum Waldbaden.

Wer überleben will muss umdenken!

Und manch einer hat in diesem Jahr die eigene Spiritualität entdeckt. Das Bedürfnis hier in unserer Kirche zur Ruhe zu kommen, den Kopf frei zu bekommen von Ängsten und Sorgen, um sich ganz von Gott umhüllen zu lassen.

Liebe Gemeinde,

 bestimmt gibt es noch mehr, was Sie hier aufzählen können und wofür Sie heute Gott danken können.

Danken für das, was Ihnen eine gute Ernte beschert hat.

AMEN

Die kostbare Perle des Glaubens

Predigt zum Gemeindefest der Thomaskirche
von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde,
suchen Sie noch oder leben Sie schon?
Was für eine Frage!
Da passt doch was nicht, werden sich einige von Ihnen denken. Das muss doch heißen: Suchen Sie noch oder haben Sie schon gefunden?
Und was ist es eigentlich, nach dem Sie suchen sollen, das so wichtig ist, dass es gleich im ersten Satz der Predigt aufgeworfen wird?

Unser kleines Anspiel vorhin hat uns schon neugierig gemacht und manch einen von uns schon nachdenken lassen.

Ich verlese noch einmal den heutigen Predigttext:
Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; in seinerFreude ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte den Acker. Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte und als er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte und kaufte sie.

 Zwei Sätze nur, liebe Gemeinde und zwei große Geschichten. Zwei Momente nur – und zwei umgekrempelte Lebensläufe. Zwei unterschiedliche Menschen, die etwas Wunderbares finden und nichts bleibt wie es war.
Um das Finden geht es in den beiden Gleichnissen, die Jesus da erzählt. Um die Freude des Findens.
Aufgrund dieser Freude bleibt nichts wie es war!

Ver-rückt ist das, im buchstäblichen Sinn des Wortes.
Diese beiden Kurzgleichnisse Jesu lassen unglaubliche Emotionen hochkommen. Sie gehören zur Weltliteratur.

Werfen wir einen Blick in die Zeit der Entstehung dieser zwei Gleichnisse:
Zurzeit Jesu gehörten in Palästina nur wenige Prozent der Oberschicht und nur wenige Prozent der Mittelschicht an.
60 Prozent Unterschicht und 30 Prozent Entwurzelte.
Im ganzen Land machte sich ein Verelendungsprozess breit.
Während der Besetzung des Landes durch die Römer kam es zu Landenteignungen. Anhaltende Zeiten der Dürre zwangen viele Menschen zur Auswanderung. 1 Mio Juden lebten in Palästina, 5 Mio Juden lebten schon außerhalb des Heimatlandes.
Viele Menschen waren in der Schuldenfalle gefangen und mussten Land verkaufen, um Saatgut kaufen zu können.

Vor allem diese Menschen träumten davon, irgendwann einen Schatz zu finden. Im Judentum kursierten deshalb etliche Schatzfundgeschichten, die diese Träume nährten.
Der Kleinpächter in unserem Gleichnis findet beim Pflügen einen Schatz: 
Der Holzpflug bleibt auf einmal stecken inmitten der vielen Steine. Der Bauer wird erstmal fluchen. Doch als er merkt, dass er den größten Fund seines Lebens entdeckt hat, wird ihm plötzlich klar, dass er mit diesem Fund eine langfristige Perspektive hat. Nicht nur ein schnelles Glück.
Aber erst einmal muss er ganz cool und besonnen bleiben, denn der Acker gehört ihm nicht. Und so gehört ihm auch der Schatz nicht.

Liebe Gemeinde, Sie sehen schon, Finden heißt noch lange nicht Besitzen!
In diesem Gleichnis geht es darum, dass du erstmal in den Besitz kommen musst.
Also: Steht der Bauer dabei vor einer Wahl?… auf keinen Fall… für ihn ist es ganz klar, dass er alles dafür tun muss!
Mit unvorstellbarer Freude geht er heim und verkauft alles, was er hat, was ihn bisher im Leben gehalten hat, vielleicht sogar gefangen gehalten hat, um den Acker zu kaufen.
Dass er sich dafür entschieden hat, verdankt er dem Schatz.
Er handelt konsequent!
Aber was macht er mit dem Schatz?

Jesus erzählt nichts davon, was der Finder jetzt mit dem Schatz macht … Das spielt bei dem Gleichnis keine Rolle.
Es geht um eine Entscheidung!
… nicht um die Folgen, die ergeben sich von selbst!

Jesus erzählt dazu noch die Geschichte mit dem Perlenkaufmann.
Wieder eine außergewöhnliche Erzählung.
Denn im gesamten Judentum der Antike gibt es keine Perlenfundgeschichte.
Perlenfunde gab es in Palästina nicht, nur im Indischen Ozean oder im Roten Meer.
Perlen kamen im Leben gewöhnlicher Menschen nicht vor. Eine Perle zu besitzen war unglaublich. Nur für die wirklich Reichen möglich.

An dieser Stelle sehen wir, dass sich Jesus auch für die Reichen, für die Großhandelsleute interessiert.
Perlen waren damals wertvoller als Silber und Gold.
Perlen waren der Inbegriff des Schönen und Wertvollen.
Als der Händler diese Perle fand, war er überwältigt und so traf er die schwerwiegendste Entscheidung seines Lebens.
Auch er verkaufte alles, was er hatte, um die Perle zu kaufen.

Wir fragen uns:
Weshalb verwendet Jesus diese Bilder, die bei seinen Zuhörern großes Kopf-Kino entstehen lassen?
Wie redet er von Gott und dem Himmelreich?

Schließen Sie einmal die Augen und lassen Sie die Stichworte vor Ihrem inneren Auge vorüberziehen!
Achten Sie dabei auf Ihre Assoziationen!

– Unverhoffter Schatz – überwältigende Überraschung – wertvolle Perle – Kostbarkeit – überschwängliche Freude – Änderung des ganzen Lebens …

Merken Sie, was in Ihrem Kopf gerade passiert?
Welche Faszination von diesen Gleichnissen der Weltliteratur ausgeht?
Jesus schafft es, uns mit dieser Gattung der Schatzfundgeschichte klar zu machen, dass jeder Schatz erst einmal verborgen ist.
Jesus verweist seinen Zuhörer darauf:
Bis Du den Schatz Gott entdeckst, meinst Du, ihn gibt es gar nicht. Gott ist verborgen!
Und wenn Du das ernst nimmst, dann weißt Du, Gott ist keine Tatsache, kein Objekt, Gott ist eine Überraschung. Also auch die Vernunft kann Gott nicht wahrnehmen!

Dennoch fragen viele Menschen häufig:
Wer/wo/wie ist Gott?
Wie kann ich in Gemeinschaft mit Gott leben?

Liebe Gemeinde,
keine Wissenschaft, keine Philosophie, keine Theologie kann das klären.
Unser intellektueller Stolz muss hier aufgeben!
Die Verborgenheit Gottes muss angemessen gewürdigt werden. Gott ist nicht nur unsichtbar wie die Luft oder der Strom, sondern er ist verborgen. Er erscheint unter keinem Radar. Gott kann nicht vermessen werden.
In unserem Gleichnis findet der Mensch einen Schatz auf einem Acker, den er erst kaufen muss.

So ist das auch mit Gott, er ist nicht von Anfang an Dein Eigentum, er ist nicht in der Tiefe Deiner Person oder Deiner Gedanken zu finden; er liegt auf fremdem Territorium.
So spricht der Herr: „Meine Wege sind nicht eure Wege, meine Gedanken sind nicht eure Gedanken.“
Wir müssen seine kategoriale Fremdheit akzeptieren!
Gott ist kein Mensch, Gott ist ganz anders als ich.

Der große Theologe Karl Barth sagte: „Gott ist der ganz andere!“
Gott schenkt das Leben! – eine Überraschung!
Die Auseinandersetzung mit ihm verändert Dein ganzes Leben! Unser Verstand kann ihn nicht erfassen.
Die Entscheidung für Gott entstammt der Freude und der Dankbarkeit über den Schatz. In der Kraft des Schatzes wird die Entscheidung gefällt!
Aber wenn Du den gefundenen Schatz Dein Eigentum nennen möchtest und eine Beziehung zu ihm aufbauen möchtest, musst Du alles aufgeben!
Das heißt, dass Gott nicht nur zusätzlich erworben werden kann, …. ein wenig, halt ab und zu, mal beim Wandern und mal in einem Gottesdienst …
Gott lässt sich nicht unter Wert finden!
Er will die Nummer eins sein!
Gott ist anspruchsvoll!
Er ist dein Schöpfer, der das Ziel deines Lebens kennt!

Und deshalb spricht Jesus: Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, dann wird euch alles andere zufallen!

AMEN

25-jähriges Dienstjubiläum

Ende September konnte Frau Edda Gunnesch ihr 25-jähriges Dienstjubiläum als Mesnerin und Hausmeisterin in unserer Stephanuskirche feiern.

Wie sie selbst sagt, ist ihr die Stephanuskirche in all den Jahren zur zweiten Heimat geworden. Sie kommt nicht nur zu ihrem Arbeitsplatz gern, sondern sie fühlt sich auch bei den Gottesdiensten sehr wohl.

Herzlichen Dank an Frau Gunnesch für den Einsatz und die Mitarbeit in unserer Stephanuskirche!
Wir hoffen, dass sie noch viele Jahre im Dienst unserer Kirchengemeinde stehen kann!

Zur Überreichung der Ehrenurkunde aus dem Staatsministerium kamen auch Mitglieder unseres Kirchenvorstandes. Glückwünsche, ein Korb mit Feinem für die Gesundheit und wunderschöne Blumen rundeten den feierlichen Moment ab.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Herzlichen Glückwunsch!

Bitte recht freundlich!

Ökumenischer Segen für das Tunnelbauwerk der U3

Am Freitag, den 7. August fand zum Baubeginn der Tunnelstrecke zwischen Bhf. Großreuth und Bhf. Gebersdorf eine Tunnelanschlagsfeier mit den am Bau Beteiligten statt.

Nach der Begrüßung durch Herrn Planungs-und Baureferenten Daniel Ulrich gab es Grußworte des Herrn Oberbürgermeisters Marcus König, des Herrn Innenministers Joachim Herrmann und eines Vertreters der bauausführenden Firma.

Die Vertreter der Politik betonten die Notwendigkeit einer guten Infrastruktur im Nürnberger Westen, der in den kommenden Jahren zu einem attraktiven Stadtgebiet ausgebaut werden soll.

Da sich die Bauarbeiter der beiden Tunnelröhren in den kommenden 5 Jahren auch Gefahren aussetzen, erbaten Frau Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter und Herr Pastoralreferent Wolfgang Janus göttlichen Schutz für das Großprojekt.

In guter Tradition der Bergleute besann man sich auf die Heilige Barbara.
Sie ist die Schutzheilige der Bergleute und Tunnelbauer.
Die Legende berichtet von einer tapferen und mutigen Frau, die sich im 3.Jhd. gegen den Willen ihrer Familie zum Christentum bekehrte. In einer Felsspalte fand sie Schutz vor ihrem wütenden Vater, ehe sie dann doch den Märtyrertod starb.

Nach einer Kurzansprache von Frau Pfarrerin Edelmann-Richter segnete Herr Pastoralreferent Janus die beiden Tunnelröhren und zwei Skulpturen der Heiligen Barbara mit Weihwasser.

Die Tunnelpatin Frau Anke König stellte die Skulpturen dann in Nischen an den Tunneleinfahrten, drückte auf den roten Buzzer und gab damit das Startsignal für die Bauarbeiten.

Glück auf und Gottes Segen für die Neubaustrecke der U3!

Gabriele Edelmann-Richter, Pfrin.

Gesucht: Kinderpfleger/in

Wir suchen für unser Team vom evangelischen Kindergarten Regenbogen ab 1. September 2020 eine/n engagierte/n, freundliche/n,  aufgeschlossene/n Kinderpfleger/in in Vollzeit (40 Wochenstunden).
Wir bieten eine unbefristete Stelle, Vergütung nach Tarif TV-L und kirchliche Zusatzversorgung,  sowie sehr gute Fortbildungsmöglichkeiten.

Die Bildungsschwerpunkte in unserem Kindergarten liegen in der regelmäßigen aktiven Bewegung, in der Auseinandersetzung mit den Naturwissenschaften und im kreativen Gestalten. 

Wir erwarten von Ihnen eine abgeschlossene Berufsausbildung zur/zum staatl.  anerkannten Kinderpfleger/in, Einfühlungsvermögen und einen wertschätzenden Umgang mit Kindern im Alter von ca. 3-6 Jahren und deren Eltern,  sowie die Freude an der Vermittlung christlicher Werte. 

Die Zugehörigkeit zu einer christlichen Kirche (ACK) ist Anstellungsvoraussetzung.

Rückfragen und Bewerbungen an:

Evang. Kindergarten Regenbogen
Frau Inge Miess
Gebersdorfer Str. 163
90449 Nürnberg 
Kindergarten_stephanuskiche@yahoo.de
Tel. 686968

Stadtverführung mit Pfarrer Schoßwald

Vom 18.-20. September finden in Nürnberg die Stadtverführungen statt, bei denen am ganzen Wochenende eine Vielzahl von speziellen Führungen in Nürnberg angeboten werden. Eine besondere Führung leitet Pfarrer Dr. Schoßwald zu den Themen „Pest, Bahn und Multikulti“ von der Jakobskirche durch den Plärrer über den Rochusfriedhof zwischen den Kneipen und der Dreieinigkeitskirche bis zum Ludwigsbahndenkmal. Die Führung dauert ca eine Stunde. Allerdings muss man sich vorher Karten dafür besorgen, die auch für die anderen Führungen gelten. 

Die speziellen Führungen finden statt am Samstag 19.09.20 um 11, 13 und 15 Uhr. Für die ganze Aktion erscheint ein Veranstaltungskalender.

Frieden – ein Zauberwort?!

4. So. n. Trin 2020 – Predigt zu Röm. 12,17-21 von Pfarrerin Gabriele
Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde!

Sie und ich kennen das: Zwei Menschen geraten aneinander. Der eine macht dem andern einen Vorwurf. Der andere kontert. Wut breitet sich aus. Die Stimmen werden lauter, die Gesten wilder. Einem rutscht eine Beleidigung heraus. Der andere keift zurück. Es ist alles dabei: Demütigungen, Verletzungen, Drohungen. Manchmal kommt es gar zu Handgreiflichkeiten. Tiefe Wunden sind das Ergebnis.

Solche Szenen spielen sich auf dem Schulhof ab, im Straßenverkehr, am Arbeitsplatz, nicht selten auch in den Familien.
Es steckt irgendwie in uns, dass wir nach Beleidigungen zurückschlagen, meist mit Worten! 
Wie du mir, so ich dir!

Diese Verhaltensweisen waren auch schon zu Zeiten des Paulus bekannt. So schreibt er an die Gemeinde in Rom folgendes: – Es ist zugleich unser Predigttext –

„Vergeltet niemand Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden. Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes. Denn es steht geschrieben: Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr. Vielmehr: Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen; dürstet ihn, gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln. Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!“

Paulus scheint die Gemeinde in Rom gut zu kennen, er weiß, wie schnell die Emotionen hochkochen können.
Er hat die Hitzköpfe vor Augen, die sich nichts gefallen lassen und mit Eifer in die Schlacht ziehen. Paulus kennt aber auch die Gedemütigten, die fast ersticken an ihrem stumm erlittenen Unrecht.

Wir haben in unserer Sprache Sprichwörter, die die Fragen nach Recht und Gerechtigkeit, aber auch nach Rache und Vergeltung aufgreifen.
Wir kennen diese Sprichwörter alle: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem Bösen Nachbarn nicht gefällt!“ oder: „Rache ist süß“ oder: „Auge um Auge, Zahn um Zahn!“

Wir können gut nachvollziehen, wenn jemand aus tiefstem Schmerz, Wut und Verzweiflung Rache üben will an einem Täter, der Unheil über einen geliebten Menschen gebracht hat.

Was aber ist das Böse, was ist das Gute?

 Wo stehe ich selbst? 

Kinder und auch noch Jugendliche haben ein klares Bild von Gut und Böse, Schwarz und Weiß.  Wenn ich mit meinen Schülern diskutiere, fordern sie sehr schnell die Todesstrafe, weil unsere deutsche Rechtsprechung doch zu milde sei und Gewaltverbrecher nie wieder freikommen dürften. 
Manchmal ringe ich in solchen Diskussionen um Argumente und kann ihr Anliegen durchaus nachvollziehen. 

Auch Paulus wusste, wie unendlich schwer es mitunter ist, Böses mit Gutem zu überwinden:
„Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt Frieden mit allen Menschen!“ 

Da klingt ganz deutlich durch, dass es nicht einfach ist, Frieden zu schließen.

In Wahrheit aber haben wir keine bessere Alternative!
Denn wo kämen wir hin, wenn vernünftige Regierungen nicht in mühsamen Verhandlungen und trotz schmerzlicher Rückschritte beharrlich weiter nach friedlichen Lösungen suchen würden.
Wo kämen wir hin ohne die engagierten, mutigen Bürgerinnen und Bürger, die bei Gewalt nicht wegschauen. Wo kämen wir hin ohne die Menschen, die aufeinander zugehen, wieder und wieder dem andern die Hand reichen, um irgendwann im Frieden nebeneinander zu wohnen. 

An unseren Schulen werden sogenannte Streitschlichter ausgebildet. Da lernen die Kinder schon in jungen Jahren, wie man am besten in Krisensituationen vermittelt, wie man Streithähne zu Wort kommen lässt und diese dann  versteht, wie der andere tickt und weshalb der andere so schlecht drauf ist.

Wo kämen wir hin, wenn es sie nicht gäbe, die wahren Helden des Alltags! Sie geben acht auf ihr Umfeld und schreiten mutig ein, benennen das Unrecht, fordern Gespräche ein. Und verhandeln geschickt.
Ich denke dabei auch an die Aktivisten von Amnesty International, die sich weltweit für die Einhaltung der Menschenrechte einsetzen, ich denke an die Aktivisten, die sich zur Zeit in den USA  verstärkt für die Gleichbehandlung der Afroamerikaner einsetzen, weil es auch  im Jahr 2020 jeden Tag ungerechte Behandlung von Afroamerikanern durch die dortige Polizei gibt.

 Ich denke aber auch an die Engagierten, die sich für einen friedvollen Umgang mit der Schöpfung einsetzen; Menschen, die einen verantwortungsvollen Umgang mit der Natur vorleben.

Genau so wird es in unserem Predigttext gefordert: „Überwinde, ja besiege das Böse mit Gutem!“

Ein kluger Gedanke dazu ist uns auch von dem englischen Philosophen und Staatsmann des 16. Jhds., Sir Francis Bacon, überliefert.
Er meinte: „Wer nach Rache strebt, hält seine eigenen Wunden offen!“
Das ist wahr, wo alte Wunden offenbleiben, da kann kein innerer Frieden einziehen. Da kann die Liebe keinen Raum mehr gewinnen. 

Wenn wir genau hinschauen, sehen wir, dass Rache nur für kurze Momente eine Genugtuung bringt. 
Niemals aber bringt Rache Frieden, Versöhnung, Liebe oder Glück.

Das Böse wird es in dieser Welt immer geben. Immer wieder bricht es in die gute Schöpfung Gottes herein. Obwohl wir durch Kultur, Erziehung, aber auch durch Gesetze versuchen, das Böse einzudämmen, müssen wir doch allezeit mit einem Ausbruch desselbigen rechnen.

Paulus appellierte damals an seine Zuhörer im Namen Jesu Christi, das Böse durch Gutes zu überwinden. Schließlich stehen Christen Jesu gegenüber in der Verantwortung, am Friedensreich Gottes mitzuwirken! 

Liebe Gemeinde,
wir müssen nicht jeden Menschen lieben können oder ihn mögen, aber wir sollen schlicht das Nötige für ihn tun –  mehr wird von uns nicht verlangt.
An dieser Stelle sind wir alle gefordert, immer wieder auch über den eigenen Schatten zu springen. 
Und wenn es manchmal nicht gelingen kann zu vergeben oder sich zu versöhnen, so kann es vielleicht doch gelingen, die Rache Gott zu überlassen. Auch das kann wahre Befreiung sein!

Wichtig ist auch, sich rechtzeitig zu versöhnen. Bei Trauergesprächen höre ich immer wieder, dass es bis zum Schluss zu keiner Versöhnung mit dem Verstorbenen kam. Versöhnung schien zu Lebzeiten unmöglich. 
Aber ohne rechtzeitige Versöhnung kann selbst nach dem Tod des anderen kein Friede ins Leben einkehren. Oftmals werden Angehörige noch lange von Albträumen begleitet. 

Mein Appell lautet deshalb:

Dem durstigen und hungrigen Feind zu trinken und zu essen geben, dann wird er vielleicht bereuen oder gar umkehren!

„Gib deinen Mitmenschen mehr, als sie erwarten und mache es mit Freude, mit einem Lächeln auf dem Gesicht!“
So hat es einmal der Friedensnobelpreisträger, der Dalai Lama, gesagt. 

Nicht immer, aber manchmal liegt es auch an uns selbst und an unserer Einstellung, ob wir Frieden halten und ihn ermöglichen.

AMEN

„Petrus staunt, die Menge raunt“

Predigt zur Gebersdorfer Kärwa von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Liebe Kärwagemeinde,

jetzt wird’s aber Zeit, ihr lieben Leut,
dass wir, wenn schon sonst nicht viel geht,
zumindest an‘ Gottesdienst feiern heut.
Na ja, zuviel Kärwagäst‘ dürfen ja net rein in uns’re Kirch‘
und deshalb, hab ich mir gedacht,
des wär doch wirklich gelacht,
wenn wir kan g’scheiten Gottesdienst zambringa
mit Lach’n, Bet’n und schee Singa.

Kurz und gut, die Gobels wurden angefragt
und haben ganz schnell zugesagt.
So stehn wir heuer hier,
leider ohne die Maß Bier,
aber unterm freien Himmel,
in frischer Luft mit Blick nach oben
und woll’n so den Herrgott loben
für all das Schöne, das er uns gab:
Freundschaften, Liebe, himmlische Speisen,
momentan leider grad keine weiten Reisen,
aber auch das wird wieder besser
und lässt uns hoffen,
der Blick zum Himmel,
der steht uns nämlich immer offen.

So erfreu’n wir uns an der Bandmusik,
wir lassen uns verzaubern von den Klängen
auch auf den hinteren Rängen.

Natürlich gibt’s auch was aus der Bibel,
was Lukas der Evangelist hat g’schrieb’n.
Darum liebe Gemeinde spitz das Ohr,
sowas Gereimtes kommt nicht oft vor.

Ich werde jetzt mal den Text befragen,
den wir vorhin gehöret haben.
Was will uns sagen, das Evangelium,
die frohe Botschaft heut und hier?
Und was hat sie zu tun mit mir und dir?
Denn erst wenn ich dies begriffen hab,
färbt das auf mein Leben ab.
Was damals am See Genezareth geschah ist allen bekannt,
Jesus da vor vielen Leuten stand.
Seinen Worten zuzuhören, war für viele Leut damals ein Muss,
denn was er sagte, hatte Hand und Fuß!
Doch weil sich alles drängen tat,
ging er zum Ufer und er bat
die dort versammelten Fischer, nochmal hinauszufahr’n,
damit er vom Boot aus lehren kann.

Als er geendet, sprach Jesus zu Simon,
der wirklich frustrieret war:
„Fahr nochmal auf den See hinaus
und wirf dein Fischernetz dort aus.“
Doch ehrlich g’sagt, Simon wusste nicht so recht:
Ist das ein Scherz? Meint Jesus das echt?

Wer glaubt, der gewinnt!
Das könnten wir dazu ganz locker sagen,
Petrus aber ist vom Fang so überwältigt,
dass er nur staunt,
das Volk um ihn herum verwirrt nur raunt.

Jesus beruhigt Petrus schnell,
er bräuchte nicht zu bangen,
denn von nun an soll er Menschen fangen.
„Hab keine Angst und folge mir.
Eine gute Botschaft geb ich dir
mit auf deinen neuen Weg:
Jeder soll erfahren, dass Gott die Menschen wirklich liebt
uns Zukunft schenkt
und auch die Schuld vergibt.“

Und so ziehen noch 11 weitere mit Jesus übers Land,
Apostel werden sie genannt.
In Jesu Nähe spüren sie,
ganz deutlich Gottes Energie!

Was sagt uns das, was hier gescheh’n?
Bei Gott kann wirklich alles geh’n!
Nichts gibt es, was unmöglich ist,
wenn du vertraust und offen bist.
Begleiten will dich Gott durch alle Zeit,
drum Mensch gib acht und sei bereit,
wenn er dich in den Dienst beruft.

Denn nichts auf der Welt vermehrt sich schneller,
als seine Lieb, die wird noch heller,
wärmer, größer, wenn wir sie weitergeben
an den, der’s braucht in seinem Leben.

So hab ich doch die letzten Wochen
mit vielen ält’ren Gebersdorfern gsprochen,
die dankbar sind für all die Leut,
die sich gekümmert ham mit Freud,
da wurde Essen gebracht, auch Literatur,
damit keinem langweilig wurd‘ toujour.

Auch bei den Familien sind oft schon die Nerven blank gelegen,
als standen sie im Regen,
vor allem bei denen, die Kinder ham‘,
die den ganzen Tag zuhause war’n.

Endlich kann ich heut verkünden:
Unser Kindergarten macht für alle Kinder wieder auf,
des gibt uns Hoffnung, des gibt Applaus!

„Geduld musst‘ haben“, so sagt der Franke
und „Werd scho‘ wer’n“ – des hör’n wir gern.

Und deshalb sag ich noch einmal,
lasst euch nicht unterkrieg’n und schmiedet Pläne
für des, was kommt nach der ganzen Quarantäne.
Das Leben geht weiter,
des is g’wiess, auch wenn wir denken,
2020 is a B’schieß.
Nix läuft so wie all die Jahr,
selbst unser‘ Kärwa – glaubst des gar –
die is verschwund’n aus’m Kalendar.
Doch lasst euch nochmal sag’n, was war
vor ungefähr 2000 Jahr:

Da wollten die Fischer auch ganz g’frustet geh‘,
obgleich es doch war am See Genezareth ganz schee.
Doch was nützt’s, wenn’s schee is und du hast nix zum Essen,
da is die Freud‘ ganz schnell vergessen.

Des hat der Jesus g’spürt und hat ruck zuck drauf reagiert:
„Verlasst euch ganz auf mich!“ hat er den Fischern damals g’sacht.
Manch einer hat noch drüber g’lacht.
Aber dann, als die Fisch‘ ins Netz sind ganga,
da war klar, das kann nur aner.
Der hat‘ s drauf, dem folg’n mer nach!

Wie des Ganze nausganga is, des wissen wir heut.
Schaut euch nur um ihr Christen Leut.
Vor über 80 Jahr a Haus hab’n die Gebersdorfer baut
für ihre kleine Welt
Genau deshalb feiern wir heut,
ausnahmsweis‘ unter’m Himmelszelt.

Menschenfischer soll’n wir alle werden.
Vom Unglaublichen berichten und erzählen,
dann können die Zuhörer wählen,
ob sie ihren Blick in die Zukunft richten
oder weiter bleiben im Unbelichten.

Dass uns des g’lingt, das wünsch ich uns heut,
allen miteinander ihr Kärwa Leut!

Drum lass‘ uns singa und fein bet’n zu unserm Gott,
der uns ist treu in aller Not!

Des war’s jetzt mit der Kärwapredich.
Ich wünsch an g’segnet’n Sonntag
und euer Glaube bleibe ewig!

Amen!