Ein Schatz für unsere Seele

Monatsspruch April 2022: Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. (Johannes 20,18)

Jesus ist von den Toten auferstanden! Die Osterbotschaft übersteigt unser intellektuelles Fassungsvermögen. Deshalb ist es gut, die biblischen Auferstehungsberichte in Ruhe zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Sie sind ein großer Schatz für unsere Seele.

Alle vier Evangelien deuten auf dasselbe Ereignis: Jesus von Nazareth, die Liebe Gottes in Person, der Gekreuzigte, Gestorbene und Begrabene – Jesus lebt! Gott hat ihn am dritten Tag aus den Toten auferweckt. Unsere Vernunft stößt an ihre Grenzen. Und doch ist dieses schier unglaubliche Geschehen das Ereignis aus der Antike, das am besten belegt ist.

Denn die Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus haben weitergesagt, was sie mit dem auferstandenen Jesus erlebt haben. Sie haben es weiter gesagt trotz großer Widerstände und Einschüchterungsversuche. Und es wurde aufgeschrieben und genau abgeschrieben und in alle Sprachen der Erde übersetzt.

Maria von Magdala war die Erste, die den Auferstandenen gesehen hat. Das war ganz in der Nähe von dem Grab, in dem er begraben war. Noch erfüllt von der Trauer über Jesu schrecklichen Tod, hat sie ihn zuerst gar nicht erkannt und ihn für einen Gärtner gehalten. Da sprach Jesus sie an: „Maria!“ Und er gab ihr den Auftrag, seinen Jüngern Bescheid zu sagen, dass er lebe.

Wenig später sahen auch die Jünger Jesus selbst. Und auch wir können erfahren und im Herzen spüren: Jesus lebt! Deshalb: Frohe Ostern!

Reinhard Ellsel

Der HERR ist auferstanden!

Eindrücke aus der Osternacht in der Stephanuskirche am 17.04.2022

Osternacht in der Stephanuskirche. Der Altar ist durch Kerzenlicht hell erleuchtet, die Bankreihen sind noch im dunkeln.

Ostern ist das älteste und höchste Fest der Christenheit. Der Gottesdienst in der Osternacht oder am frühen Ostermorgen ist zugleich Herzstück des Kirchenjahres. Christen erinnern darin weltweit an die Mitte des christlichen Glaubens: die Auferstehung Jesu Christi von den Toten nach seinem Leiden und Sterben am Kreuz. Das Osterfest ist daher Symbol für den Sieg des Lebens über den Tod.

Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria Magdalena und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Erscheinung war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erbebten aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt und seht die Stätte, wo er gelegen hat; und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern: Er ist auferstanden von den Toten. Und siehe, er geht vor euch hin nach Galiläa; da werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt. Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern zu verkündigen. Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach: Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfassten seine Füße und fielen vor ihm nieder. Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern, dass sie nach Galiläa gehen: Dort werden sie mich sehen.

Matthäus 28.1-10

Wir haben den Ostermorgen zusammen mit Konfirmandinnen und Konfirmanden gestaltet und gemeinsam in der Dunkelheit vor der Kirche am Feuer begonnen. Das brennende Feuer erinnert an den brennenden, aber nicht verbrennenden Dornbusch, in dem sich Gott an Mose gewandt hat. Es erinnert uns aber auch an die Nacht als Jesus im Garten Getsemane mit seinem Vater und sich selbst gerungen hat. Der Karfreitag ist noch präsent – Leid, Krankheit und Tod prägen unser Leben. Doch diese Nacht ist anders als andere Nächte. Sie hat einen anderen Morgen. Einen Morgen, der verkündet. Der Tot hat nicht mehr das letzte Wort. Gott schenkt das Leben, das stärker ist als der Tod.

Der Herr ist auferstanden
Er ist wahrhaftig auferstanden!

Gottes bergende Nähe haben wir in unserer Kirche erlebt. Mit dem Licht der Osterkerze wurden nach und nach auch alle anderen Kerzen entzündet und zusammen mit dem neuen Tag wurde es heller und heller.

Osterfeuer vor der Stephanuskirche, im Hintergrund ist in der Kirche schwach beleuchtet das Kreuz zu sehen.

Das Osterfeuer

Der Feuerschein ist ein Zeichen für den lebenden Jesus Christus. Am Ostermorgen entzünden wir es vor der Kirche. Später wird in die Kirche die neue, große Osterkerze hineingetragen. Es gibt immer nur eine Osterkerze pro Kirche. Sie wird ein Jahr lang in jedem Gottesdienst wieder angezündet. Die Kerze soll ein Zeichen für das Licht des Ostermorgens sein, an dem Jesus Christus auferstand.

Die Gemeinde versammelt sich am Ostermorgen um das Osterfeuer vor der Stephanuskirche

Die neue Osterkerze

Auch dieses Jahr wurde die Osterkerze wieder durch unseren fleißigen Bastelkreis gestaltet. Wir laden Sie ein, die Kerze an Ostern in der Kirche zu entdecken. Dort können Sie sich auch ein Osterlicht für zuhause mitnehmen.

Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben. Das Licht von Ostern will auch unser Leben erhellen.

Das Licht von Ostern erhellt unser Leben, denn Gott wird abwischen alle Tränen und Gott gibt, was wir zum Leben im Lichte von Ostern brauchen. Er schenkt uns: Glaube, Hoffnung und Liebe.

Das Licht von Ostern erhellt unser Leben. Wir können lieben und lassen uns lieben – nehmen und geben, weil wir keine Angst haben müssen zu kurz zu kommen, weil Gott uns unseren Lebenshunger stillt.

Ostern ist zum Fest des Lebens geworden, weil Gottes Liebe stärker ist als der Tod. Ostern ist zum Fest der Freude geworden. Denn er, unser Herr ist auch jetzt in unserer Mitte gegenwärtig.

Die Osterkerze für das Jahr 2022 brennt den ersten Tag am Ostermorgen in der Kirche.

Angedacht zur Jahreslosung

Ausschnitt Acryl zur Jahreslosung 2022.
Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de – Ausschnitt

Die ersten vier Wochen des Jahres sind wie im Flug vergangen. Hoffentlich können Sie noch von den guten Wünschen zehren, die Ihnen zum Jahreswechsel zugesprochen wurden.

Und doch, wenn wir ehrlich sind, ahnen wir schon, dass auch in diesem Jahr Stolpersteine auf unserem Weg liegen werden. Der eine springt mit einem Gefühl von Leichtigkeit drüber, die andere fällt fürchterlich und mag nicht mehr aufstehen. Oftmals verbergen sich unter den Stolpersteinen Abweisung und Beleidigung.  Am Arbeitsplatz geht es nicht so voran, wie man es sich wünscht. Die Coronaregeln entzweien ganze Familien. Der Freund will plötzlich nichts mehr von einem wissen.

Wem kann man da noch vertrauen? Der Evangelist Johannes hat in seinem Evangelium ein Jesuswort aufgegriffen, das auf diese Frage eine klare Antwort gibt.

Jesus Christus spricht:

„Wer zu mir kommt,
den werde ich nicht abweisen!“

Acrylgemälde zur Jahreslosung 2022. Jesus Christus spricht:
„Wer zu mir kommt,
den werde ich nicht abweisen!“
Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de

Gott sei Dank, kann man da nur sagen. Die Jahreslosung für 2022 verspricht uns, dass uns Jesus Christus Türen öffnet, die uns neue Wege aufzeigen. Bei ihm müssen wir uns nicht ausweisen, damit er uns glaubt, wer wir sind. Bei ihm müssen wir nicht ständig beweisen, wie gut und unentbehrlich wir sind. Er weist uns auch dann nicht ab, wenn wir uns irren oder Fehler machen.

Jesus Christus kennt unsere Wege. Er weist uns seine Liebe zu, er zeigt uns, was wir zum Leben brauchen.  Er erweist sich für uns als Segen. Darauf können wir gerne angewiesen sein!

Ihre Pfarrerin der Stephanuskirche
Gabriele Edelmann-Richter

Predigt zur Jahreslosung 2022

Von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am 01.01.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf

Lesezeichen mit Jahreslosung 2022 - Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37.
In der Mitte ist eine Art Amulett mit einer Abendmahlsszene und den Worten Ich bin bei euch.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“

Johannes 6,37

Was für eine Jahreslosung! Treffender könnte sie nicht sein!

Haben doch viele von uns in den vergangenen Monaten Abweisung erfahren. Gemeindemitglieder erzählten mir vor allem von der schwierigen Situation in den Krankenhäusern und in den Seniorenheimen.  Aber auch die verschärften Einlassbedingungen zu den Gasthäusern, der Zugang zu Konzerten und nicht zuletzt das komplette Zuschauerverbot für die Sportstadien.
Ganz zu schweigen von den harten Einschränkungen in unseren Kirchen und Gemeindehäusern.
Da tut es gut, so ein Wort, wie unsere Jahreslosung zu hören.

Jesus wurde oft aufgrund seiner deutlichen Worte von vielen seiner Zeitgenossen abgelehnt und von anderen nur aufgrund seiner materiellen Gabe gesucht. Aber er ließ sich nicht zum einfachen Brotkönig machen, es ging ihm nicht um bloße Wunscherfüllung.
Er wollte mit seinem Wort und seinem Sakrament Brot des Lebens sein, das nachhaltig satt und zufrieden macht.

Jesus ist offen für alle Menschen.

Das ist die gute Nachricht für 2022!
Jesus empfängt alle mit offenen Armen: diejenigen, die sich bei ihm sicher fühlen, aber auch die, die noch auf der Suche sind oder die, die von Jesus erstmal gar nichts erwarten.
Ich werfe hierzu einen Blick in unsere 3 Gemeinden: Stephanus, Thomas und Heilig Kreuz.
Bei vielen Aktionen wird eine prima Arbeit geleistet. Es gibt neue und zündende Ideen und doch können wir überall beobachten, dass sich viele hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter verausgaben, ja, dass sie bis zum Limit arbeiten und dann leider feststellen müssen, dass es immer dieselben sind, die kommen, die sich auf die offenen Kirchentüren hinbewegen.
In unseren Kirchenvorständen wird oft heiß diskutiert, was man noch besser machen könnte. Aber unterm Strich müssen wir gestehen, dass es nicht an uns liegt, ob die Menschen der Einladung Jesu folgen.
Wir würden uns ja total überschätzen, wenn wir für den Glauben an Gott die alleinige Verantwortung tragen wollten.

Manche von uns kommen erschöpft an der Schwelle von der alten zur neuen Zeit an. Weil ein wirklich anstrengendes Jahr hinter uns liegt.
Viele Monate voller Einschränkungen und Sorgen im Alltag … für die allermeisten einfach keine gute Zeit.

Wir brauchen Hoffnung!

Die Hoffnung, dass 2022 das Leben wieder besser weiter geht. Unbeschwerter. In Frieden und Sicherheit – weltweit. Und dass endlich wieder dauerhaft Nähe zwischen den Menschen möglich ist.

Auch für unsere Gottesdienste ist das eine schöne Vorstellung: Wieder von Herzen miteinander singen und im großen Kreis das Abendmahl feiern. In unseren Gemeindehäusern unbeschwert beisammen sein.

Aber, was gibt uns Sicherheit an dieser Schwelle zum neuen Jahr?

Die meisten Menschen hoffen auf den unermüdlichen Forschergeist der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie hoffen auf Fortschritte und Neuentdeckungen in der Medizin. Auf Weitsicht und Umsicht in der Politik. Und sicher auch auf eine Portion Glück.

Wir Christinnen und Christen hoffen das auch. Aber wir hoffen dazu noch anderes. Wir hoffen auf mehr als das, was Menschen tun können oder was sich zufällig ergibt. Wir hoffen auf Gott. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass er unsere Zeit in seinen Händen hält.
Und so beginnen wir das neue Jahr in Gottes Namen. Als Eingangslied haben wir gesungen: Jesus soll die Losung sein!

Und nun gibt es heute auch noch, an der Schwelle zum neuen Jahr, einen Satz, der unheimlich guttut. Ein Wort Jesu. Er spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Eines ist uns allen aber auch klar: Um Hilfe zu bitten ist nicht leicht.
In der Bibel stehen viele Geschichten, in denen Menschen Jesus um seine Hilfe bitten. In den unterschiedlichsten Situationen, manchmal auf umständliche Art und Weise.
Einmal kommt zu Jesus ein römischer Hauptmann. Einer, der sonst die Befehle gibt. Er kennt es nicht anders, als dass erfüllt wird, was er befiehlt. Dieser Hauptmann bittet für seinen Knecht, um den er sich Sorgen macht. Doch Umstände machen will er nicht: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ (Matth. 8,8)
Klein macht sich hier der mächtige Hauptmann. Doch große Hoffnung setzt er auf den, der retten kann.
Leicht hätte Jesus hier sagen können: Für Heiden bin ich nicht zuständig. Doch Jesus hilft!

Ich denke auch an die Erzählung von der Mutter aus Syrophönizien. Sie spürt Jesus auf, als er selbst Ruhe braucht. Sie wirft sich ihm buchstäblich vor die Füße. Und als er sie beinahe wegschicken will, legt sie jeden Stolz ab: „Wie die Hunde von den Krümeln satt werden, die vom Tisch der Herren fallen, so kannst du auch mir helfen.“ Diese unfassbaren Worte sagt sie. Und lässt nicht locker. „So lass doch bitte auch für mich und mein Kind etwas von deinem Heil übrig. Ein paar Krümel deiner Gnade werden reichen!“ Auch hier geschieht es: Jesus hilft!

Niemand, der zu Jesus kommt, bleibt vor verschlossener Tür stehen. Niemand muss ohne Antwort weitergehen.
Niemand wird allein gelassen
– mit dem Anliegen, das ihm unter den Nägeln brennt
– mit der Frage, die ihr auf der Seele liegt
– mit der Bitte, die keinen Aufschub mehr duldet.
Weil Jesus lebendig ist. Weil er es versprochen hat:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

In beiden Erzählungen waren Hilfe und Rettung nicht selbstverständlich.
Doch Jesus hat die bekannten Grenzen einfach überwunden.  Er hat den Mut und den festen Glauben der Bittenden geschätzt.
Jesus kannte das selbst auch: Immer wieder gab es Situationen in seinem Leben, in denen er von den Menschen nicht angenommen wurde:
Schon in Bethlehem hatte es begonnen. Kurz vor seiner Geburt, noch im Mutterleib, gab es keinen Raum in einer Herberge für die werdenden Eltern.
Und die ersten Jahre verbrachte die kleine Familie im ägyptischen Exil, weil von Herodes verfolgt.
Später wurde Jesus in Samaria abgewiesen. Man hat ihn aus der Stadt gedrängt und hätte ihn beinahe getötet. „Was maßt sich dieser Mann an?“, haben die Führenden immer wieder gefragt. „Der Messias kann so einer jedenfalls nicht sein.“

Doch nicht einmal die, die ihn abgewiesen haben, gibt Jesus auf.
Er betet vielmehr noch auf seiner letzten irdischen Station für die, die ihn ans Kreuz brachten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Das macht uns sprachlos.

Jesu Liebe ist einfach unermesslich.

Gute Aussichten also für das Jahr 2022:
Jeder, der möchte, wird von Jesus angenommen, wenn er den Mut hat, sich auf den Weg zu machen.
Seine Zusage gilt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. 

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Die Christen und der Messias

Symbolbild: Bibel

Kann der Wanderprediger Jesus von Nazareth also überhaupt der Messias gewesen sein? Unabhängig davon, ob der historische Jesus sich selbst für einen solchen hielt oder nicht – seine Jünger waren spätestens nach Ostern fest davon überzeugt. Denn so lautet das älteste Bekenntnis des Christentums: Jesus ist der Messias – oder mit dem griechischen Wort: Jesus ist der Christus. Dieses Bekenntnis ist so verwurzelt im Christentum, dass manche das Wort Christus schon für den Nachnamen Jesu von Nazareth halten. Dabei entsprach Jesus nicht einmal der gängigen Vorstellung von einem Messias. Er kam nicht mit Macht und Herrlichkeit daher, sondern im Gegenteil: Er zeigte sich in seiner Ohnmacht und Schwäche.

Die erstmalige Ankunft Jesu war noch nicht alles, das glaubten schon die ersten Christen. Das Friedensreich ist ja noch nicht da. Jesus komme wieder, sagten sie deshalb, „zu richten die Lebenden und die Toten“, so bekennen es Christen weltweit noch heute im Gottesdienst. „Maranata“, beten sie beim Abendmahl. Auf Deutsch: „Unser Herr, komm!“ Und deshalb ist der christliche Glaube an den Christus schon immer ein Mix von beidem gewesen: Er war schon da – und er kommt noch.

Beim ersten Mal kam er, die Sünden hinwegzunehmen, heißt es im Hebräerbrief (9,28). Beim zweiten Mal wird er diejenigen retten, die auf ihn hoffen. Im Jahreszyklus macht sich dieser Mix bemerkbar. Noch am Karfreitag ist das Bekenntnis des römischen Hauptmanns unterm Kreuz zu hören: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen“ (Markus 15,39). Aber schon in der Vorweihnachtszeit erwarten Christen erneut seine Ankunft.

Der Mystiker Bernhard von Clairvaux sprach sogar vom dreimaligen Kommen Jesu. Die erste Ankunft geschah in Demut: als Kind in der Krippe und als Christus am Kreuz. Die dritte Ankunft sei seine Wiederkehr in Herrlichkeit als Richter am Ende der Zeiten. Die mittlere Ankunft Christi aber, das sei die Gottesgeburt im Menschen.

Burkhard Weitz
Aus: „chrismon“, das Monatsmagazin der Evangelischen Kirche. www.chrismon.de

In Jesus blicken wir zu Gott

Symbolbild mit Monatsspruch: Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. (Kolosser 1,15)

Ein Gott, der unsichtbar ist. Das ist keine besonders befriedigende Vorstellung. Unsichtbar – ein wenig klingt das, als sei Gott gar nicht da. „Du sollst dir kein Bildnis machen“, heißt es in den Zehn Geboten. Das erschwert die Sache zusätzlich. Wollen wir nicht wenigstens ein bisschen wissen, wie er aussieht?

Im Alten Testament findet sich das Motiv der „Unansichtigkeit“ Gottes. Wer ihn ansieht, kann dies nicht überleben. So wie die Frau von Lot im Buch Genesis. Als sie sich umdrehte und zu Gott blickte, erstarrte sie zur Salzsäule.

Auch Paulus weiß um dieses Problem. In seinem Brief an die Kolosser schreibt er: „Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes.“ Damit drückt er aus: In seinem Sohn Jesus Christus hat sich Gott den Menschen zu erkennen gegeben. Er ist selbst Mensch geworden. Blicken wir zu Jesus, so blicken wir zu Gott. In den Reden von Jesus und seinen Taten können wir Gott erkennen.

Doch nicht nur Jesus ist das Bild Gottes, auch die Menschen hat Gott zu seinem Ebenbild erschaffen (Genesis 1,27). In der Nachfolge Jesu können wir auf Gottes Reich hinarbeiten. Wir können in Gottes Namen für Frieden und Gerechtigkeit eintreten – um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Wir können dafür sorgen, Gott durch unser Handeln, unser Verhalten und unser Miteinander in der Welt sichtbar zu machen – und damit für die Welt und für unsere Mitmenschen ein Segen zu sein.

Detlef Schneider

Ökumenischer Kreuzweg

Ökumenischer Kreuzweg von Heilig Kreuz nach Stephanus am Freitag, 26. März 2021 um 18.00 Uhr

Symbolfoto Kreuz

Miteinander in der Ökumene unterwegs sein, sich gemeinsam auf die Wurzeln unseres christlichen Glaubens besinnen, die Leidensgeschichte Jesu neu hören und bedenken, beten und singen.

Am Freitag, 26. März 2021 gehen wir mit der Gemeinde Heilig Kreuz den diesjährigen Kreuzweg. Wir beginnen um 18.00 Uhr in der Kirche Heilig Kreuz und werden gegen 18.45 Uhr zur Schlussandacht in der Stephanuskirche eintreffen.

Predigt zum 1. Sonntag n. Epiphanias

Von Pfarrer Dr. Matthias Dreher am 10.01.2021 in der Stephanuskirche in Gebersdorf

Detailansicht Taufbecken in der Stephanuskirche

Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes,
dass er sich von ihm taufen ließe.
Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich bedarf dessen, dass
ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu! Denn
so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm
zu.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den
Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach: Dies ist mein
lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Matthäus 3,13-17

Liebe Brüder und Schwestern,

Johannes der Täufer tauft Jesus. Schöne, klare Geschichte. Ich vermute, es gibt jetzt hier drei Gruppen:
Die einen sagen: Ja! Ganz wichtige Grundgeschichte des Christentums. Kenne ich. Ist so passiert. Die ganze Dreieinigkeit tritt hier erstmals auf den Plan. Eine Geschichte, die jeder Konfirmand kennen muss.
Dann die zweite Gruppe, die sagt: Oh nee, wieder mal so ne typische Bibel-Geschichte: Treffen sich zwei Superfromme, planschen irgendwie im Wasser und dann spricht Gott höchstpersönlich vom Himmel runter. – Fast genau wie im richtigen Leben! Wozu muss ich das wissen?
Und dann könnte ich mir als dritte Gruppe noch die Kritischen denken – die Skeptiker. Die wissen: Johannes der Täufer taufte zur Vergebung der Sünden als dem letzten Ausweg vor dem ewigen Verderben.
So – und zu dieser Veranstaltung kommt jetzt ausgerechnet Jesus – und muss dann mit Johannes fast schon auskarteln, wer hier wen zu taufen hat. Dann kriegt Jesus seine emergency-exit-Taufe und darauf sagt Gott: Leute, das hier ist übrigens mein Sohn, den ich liebe. – Toll, warum braucht einer, zu dem sich Gott vor aller Welt bekennt, noch einen emergencyexit, einen Notausgang knapp vor der Sünden-Hölle?

Komische Geschichte.

So, aber jetzt beschwert sich vielleicht schon die erste Gruppe wieder und sagt: Jetzt ist das mal so ne schöne, eigentlich einfache Geschichte, da muss der Pfarrer die wieder kompliziert zerfieseln. – Ja, muss ich, denn erstens muss ich die Geschichte auch den Mitchristen aus Gruppe 2 und 3 nahebringen und zweitens haben wir die Geschichte nicht dann begriffen, wenn wir uns den Ablauf wie einen Film vorstellen können und sagen: Jawoll, das glaub ich, dass das so war. – Sondern richtig für meinen Glauben hab ich das hier erst begriffen, wenn mir klar wird, was mir das was bringt, dass Jesus hier getauft wird. Da müssen wir hin – und das hat ganz viel zu tun mit den Anfragen von Gruppe 2 und 3.

Zuweilen sind zur Interpretation der Bibel Seitenblicke hilfreich. Und so werfe ich einen ersten Seitenblick auf den Evangelisten Markus, der uns die gleiche Geschichte erzählt, aber nicht dieselbe. Bei Markus nämlich gibt es nicht dieses seltsam-schwülstige Gespräch: Wer von uns beiden ist würdiger? Warum ist die Taufe jetzt doch ok. Jesus sagt bei Markus kein Wort. Dafür spricht aber die Himmelsstimme Gottes nur zu ihm: Du bist mein lieber Sohn! – statt wie bei Matthäus, wo es eine Verlautbarung an alle Welt ist: Das ist mein lieber Sohn. – Diese Unterschiede sind schon einmal eine Warnung an alle, die meinen: So und nicht anders isses passiert. Matthäus erlaubt sich hier eine gewisse Erweiterung, die einen tiefen Sinn hat, auch wenn ein Regisseur vielleicht nur hätte filmen können, was Markus erzählt. Bei Markus übrigens ist die Taufe gleich das erste, was er überhaupt von Jesus erzählt. Johannes tauft ihn. Gott adoptiert ihn quasi: Du bist mein lieber Sohn. So! Ab jetzt ist er es. – Matthäus hingegen erzählt ja vorher schon, wie Jesus von der Jungfrau Maria geboren, von Herodes verfolgt und von den Weisen aus dem Morgenland besucht wird. Hier ist Jesus längst der Sohn Gottes von Geburt an, kommt aber jetzt zu Johannes und will ausgerechnet die Buß-Taufe zur Vergebung der Sünden haben. Matthäus lässt uns spüren: Das ist irgendwie peinlich. Peinlich für den Täufer, der ja den Größeren angekündigt hatte, dem er nicht würdig ist, die Schuhriemen zu lösen. Den soll er jetzt taufen, damit er seine Sünden los wird. Peinlich v.a. für Jesus. Aber auch peinlich für die ersten Christen und die Gemeinde, für die Matthäus schreibt. Der Messias sollte doch diese Taufe nicht brauchen. Das sagt jetzt auch Johannes zu Jesus. Und Jesus antwortet und das sind seine allerersten Worte bei Matthäus: „Lass es jetzt zu! Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.“ Eine schwierige, erstmal rätselhafte Erklärung: Der Ober, also Jesus, lässt sich vom Unter taufen, also von Johannes, und das soll gerecht sein – sogar total gerecht. Hm – gerecht kann ja viel sein: Jedem das Gleiche, oder jedem das Seine, oder das Gesetzesgemäße. Hier bei Matthäus heißt Gerechtigkeit umfassend das, was Gott will, also – alles, was Gottes Reich bringt und ausmacht, ist „Gerechtigkeit“ – und dazu gehört eben auch, dass Jesus, der Gottessohn, sich taufen lässt, wie die , für die er gekommen ist in diese Welt. Johannes hat ja gepredigt: Leute, demütigt euch endlich vor Gott, lasst ab von Eurem falschen Weg an Gott vorbei, lasst Eure Sünde abwaschen und kehrt um auf den neuen Weg mit Gott. Und genau diesen Gehorsam und diese Demut bringt Jesus auch. Modern gesagt: Er solidarisiert sich mit uns. Krass gesagt: Er deklariert sich selbst zum Sünder. Der Immanuel, der „Gott mit uns“, der Maria verheißen war, ist kein Gott, der heilig überm Boden schwebt und uns unantastbar den wahren Weg weist, nein! Wir haben einen Retter, der selbst da anfängt, wo wir immer wieder sitzen: In der Sünde, in der selbstgewählten Sackgasse, in Mist und Trotz und Eitelkeit und Gewalt. An Weihnachten mit dem Krippenkind hat Gott uns das schon gezeigt. Jetzt in der Taufe vollzieht Jesus diese Erniedrigung als mündiger Mensch selbst: „Ich ziehe Euch nicht von oben heroisch raus“, meint Jesus, „ich schiebe euch von unten aus dem Dreck der Gottlosigkeit.“ – Kein Wunder, dass das den Christen peinlich war. Matthäus dreht den Spieß um: Genau in dieser Peinlichkeit liegt die Gerechtigkeit, die das Reich Gottes bringt. Lukas – erwähnt die Taufe Jesu nur noch in einem kurzen Schlenker und der Evangelist Johannes lässt sie ganz weg.

Zweiter Seitenblick

Die großen Reformatoren vor Nürnberg. Holzschnitt eines unbekannten Künstlers, um 1560. (Bild: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen)


Sie haben von mir einen Abzug der sog. „Großen Nürnberger Reformation“ bekommen, ein in echt 1,5 m breiter Holzschnitt von 1560. Erstmal ein
verwirrend volles Bild. Links und rechts aufgereiht eine ganze Menge Leute: Links die Fürsten, die die Reformation unterstützt haben und rechts die Theologen der Reformation, angefangen von Jan Hus, dann Luther und als dritter Melanchthon. Die versammeln sich alle vor unserer Stadt Nürnberg, wie wir alle hier klar erkennen. Und auch die Wappendreiheit wird am Himmel kenntlich. So, aber jetzt kommt’s: Das Eigentliche, worum diese ganze evangelische Elite sich versammelt, das ist die Taufe Jesu in der Pegnitz vor Nürnberg. Wir sehen Gottvater im geöffneten Himmel, wir sehen die Geist-Taube auf Jesus herabschweben und natürlich sehen wir Jesus im Wasser, der mit gesenktem Kopf, also in Demut die Taufe von Johannes empfängt.

Was soll das denn jetzt? Wie kann man denn die Pegnitz mit dem Jordan verwechseln? Nein verwechselt haben das die Nürnberger im 16. Jahrhundert nicht, sondern sie haben sich den Jordan als ihren Fluss angeeignet, also als Pegnitz. Das Ereignis, von dem Matthäus berichtet, haben sie im Glauben angenommen – als das, was hier in Nürnberg gilt. Das ist der Gehorsam der Glaubens. Nicht nur glauben, dass da mal irgendetwas Seltsames vor hunderten von Jahren im fernen Israel passiert ist, sondern für sich annehmen, dass das hier und jetzt für mich passiert und Geltung hat. Und wenn sogar Gottes Sohn Jesus, Gottes geliebter Sohn, sich vor Gott für uns demütigt, dann sollten wir das erst recht tun und – wir können es auch, weil wir ihn ja in unserer Mitte haben als den Anfänger und Vollender von Glauben und Gehorsam. – Wenn wir „unten“ sind, wenn uns das Wasser bis zum Hals steht, wenn wir Umkehr, einen neuen Weg brauchen, dann ist ER gerade nicht fern von uns; dann ist er direkt neben uns. Darum knien auch all die mächtigen Männer links und die Weisen rechts, weil wir ja nicht stolz dastehen können, während sich unser Herr und Heiland unter die Taufe beugt. Das ist Nürnberger Glaube, der verstanden hat und insofern sollen und dürfen wir uns einreihen bei den großkopferten Tauf-Anbetern – und ich überlasse es Ihnen, ob sie das lieber bei den Mächtigen links oder den Schlau-Studierten rechts machen wollen. Vielleicht wollen ja die Frauen, die bislang gar nicht auf dem Bild sind, sogar eine neue dritte Reihe aufmachen … Für den Schluss-Teil möchte ich noch einen dritten Seitenblick riskieren – und der ist wirklich riskant. V.a. Paulus und der Hebräerbrief betonen, dass Jesus ohne Sünde
war, ja gewesen sein muss, um für uns Sünder zu büßen. Der stellvertretend Verurteilte kann die Menschheitssünden nur tragen, wenn er selbst davon rein ist. So war und ist es christliche Grundüberzeugung bis in neue Dogmatiken hinein.

Aber muss das wirklich so sein? Müssen wir daran festhalten, wenn Jesus sich doch selbst unter die Umkehr-Taufe zur Vergebung der Sünden beugt, wie es Matthäus selbst peinlich berichtet? Hebt das Dogma der Sündlosigkeit Jesus nicht doch wieder heraus, als hätte er sich nicht radikal mit uns solidarisiert? Wenn er sich selbst das Etikett „Sünder“ umhängt, erst in der Taufe am Jordan, und dann am Kreuz auf Golgotha, sind wir dann nicht guru-versessene Gläubige, dass wir seine Heiligkeit in zeitloser Reinheit behaupten statt eben in seiner Umkehr, durch die er sich gleichgemacht hat mit uns? Die Stimme Gottes aus dem Himmel sagt wörtlich übersetzt: „Das ist mein Sohn, der geliebte; an ihm habe ich Wohlgefallen gefunden.“ Und das klingt eigentlich schon nach dem Sünder, der radikal umgekehrt ist.

Martin Luther hielt zwar an der Schuldlosigkeit Christi fest, betont aber:

„Wir müssen erkennen, dass Christus ebenso wie Fleisch und Blut, so auch Sünde, Tod und alle Strafen angezogen hat. Wer es nicht wahrhaben will, dass Christus ein Sünder ist, der leugnet auch den Gekreuzigten.“

WA 40 I, 434

„Ich habs oft gesagt, und sag es noch: Wer Gott erkennen … will, der schau in die Krippe, heb unten an und lerne erstlich erkennen der Jungfrau Maria Sohn, geboren zu Bethlehem, so der Mutter im Schoß liegt und säugt oder am Kreuz hängt, danach wird er fein lernen, wer Gott sei. Solches wird alsdann nicht schrecklich, sondern aufs allerlieblichste und tröstlichste sein.“

An Weihnachten ist Gott Mensch geworden; zu Epiphanias wurde er kenntlich nicht nur als Retter Israels, sondern der ganzen Welt. Und heute wird uns klar: Um diese ganze Welt und uns hier vor den Toren Nürnbergs zu retten, hat er sich radikal zum Sünder gemacht, um eingehakt mit uns aufzubrechen ins Reich Gottes. Das ist unser Trost. Halleluja.

Amen.

Dr. Matthias Dreher, Pfarrer