Gott schenkt uns ein Zuhause

Monatsspruch Januar 2022: Jesus Christus spricht: Kommt und seht! (Johannes 1,39)


„Wohnst du noch, oder lebst du schon?“ Diesen Spruch benutzte ein großes Möbelhaus in seiner Fernsehwerbung. „Zuhause ist, wo sich dein Herz wohlfühlt.“ So oder so ähnlich ist es auf zahlreichen Postkarten und Wandbildern zu lesen. Das eigene Zuhause – das ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist der vertraute Ort, an dem Menschen sich sicher und geborgen fühlen, wo sie angekommen und angenommen sind.

„Meister, wo wirst du bleiben?“ Das ist das Erste, was die beiden Jünger am Anfang des Johannesevangeliums fragen, als sie auf Jesus treffen. Sie fragen ihn nach seiner Unterkunft für die Nacht. Doch einen konkreten Ort benennt Jesus nicht. Stattdessen antwortet er ihnen mit einer Einladung: „Kommt und seht!“ Die Bibel berichtet weiter, dass die Jünger Jesus folgen und bei ihm bleiben. Wo sie auch hingegangen sein mögen – bei Jesus haben sie einen Ort gefunden, an dem sie bleiben können und wollen. In seiner Gemeinschaft fühlen sie sich zu Hause.

Und das gilt bis heute, wenn Menschen auf der Suche nach Schutz und Geborgenheit sind. „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, sagt Jesus an anderer Stelle (Johannes 14,2). Christinnen und Christen egal welcher Herkunft können mit dieser Zusage gewiss sein, dass auch sie bei Gott ein Zuhause haben. Den Ort, an dem sie bleiben können, an dem sie angenommen sind und wo sich ihr Herz wohlfühlt.

Detlef Schneider

Eine neue Welt wird entstehen

Monatsspruch Dezember 2021: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will  bei dir wohnen, spricht der HERR. (Sacharja 2,14)


Freude – sie ist eines der schönsten Gefühle, das Menschen kennen. Bereits die Bibel berichtet vielfach über sie: Anlässe zur Freude sind das Wiedersehen nach einer Trennung, Hochzeiten und andere Feste, Beziehungen zu anderen Menschen sowie die Ernte. Auch Gott selbst, seine Gnade und seine Gerechtigkeit sind Quellen der Freude. „Ich freue mich und bin fröhlich in dir und lobe deinen Namen, du Allerhöchster“, mit diesen Worten beschreibt es der Beter im neunten Psalm.

„Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion!“ – so ist es auch beim Propheten Sacharja zu lesen. Es ist ein Trostwort, das der Prophet hier an die Einwohner Jerusalems richtet. Denn die Stadt und Gottes Tempel waren zerstört worden – ihre Einwohner standen vor den Trümmern ihrer Häuser. Ein Anlass zur Freude bestand wahrlich nicht – und dennoch verkündet Sacharja sie. „Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR.“ Damit drückt er Gottes Zusage auf Vollendung aus. Im Kommen Gottes und dem Anbruch seiner Königsherrschaft wird eine neue Welt entstehen. In ihr ist das Böse besiegt, Krieg, Leid und Ungerechtigkeit werden nicht mehr sein.

Das kommende Reich Gottes ist gekennzeichnet von einer immerwährenden Freude. Beim Propheten Jesaja heißt es dazu: „Die ­Erlösten des HERRN werden wiederkommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen“ (Jesaja 35,10).

Detlef Schneider

Die sichtbare Liebe Gottes

Monatsspruch November 2021: Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. (2. Thessalonicher 3,5)


Das Ende des Kirchenjahres ist immer mit den Gedanken an das Ende des Lebens verbunden – Ewigkeitssonntag. Warten auf Christus bedeutet, Christus kommt wieder und bereitet uns einen neuen Himmel und eine neue Erde. Der Buß- und Bettag macht uns darauf aufmerksam, dass noch einiges in unserem Leben geradegerückt werden sollte, bevor wir vor dem Richterstuhl Gottes stehen.

Die Herzen ausrichten auf Gott, vielmehr noch auf die Liebe Gottes. Das ist ein großartiger Ansporn. Ich stamme noch aus einer Generation, in der sündhaftes Verhalten mit der Strafe Gottes gekontert wurde. Angst vor Strafe war eine gängige Erziehungsmethode. Christliche Erziehung lief nach dem gleichen Schema ab. Das Jüngste Gericht, es lag zwar in weiter Ferne, hatte nichts Tröstliches. Gott sei Dank, ich hatte eine Familie, in der Liebe und Vertrauen hochgehalten wurden. Auch sind mir Christenmenschen begegnet, die mir den liebenden und nicht den strafenden Gott nahe­gebracht haben. Bis heute aber ist mir diese Angst machende Gottesvermittlung sehr präsent. Gut, dass wir Ende November auch auf den 1. Advent blicken. Da wird das Warten auf Christus zum Warten auf die sichtbare Liebe Gottes. Wie tröstlich!

Ich glaube, dass Fehlverhalten nicht erst im Jüngsten Gericht Folgen hat, sondern jetzt, in meiner Gegenwart. Deutlich wird das für jedermann nicht immer bei religiösen Verfehlungen, bei Umweltsünden aber ist es unübersehbar.

Carmen Jäger

Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken

Symbolbild: Autos parken dicht gedrängt links und rechts an einer Straße

„Sie haben Ihr Auto zu weit auf den Gehweg gefahren. Da kommt keiner mehr mit dem Kinderwagen durch. Ich finde das unmöglich! Es gibt doch in der Nebenstraße bestimmt Parkplätze.“, fährt mich eine ältere Dame mit zornigem Gesichtsausdruck lautstark an. Einen Tonfall wählt sie dabei, den ich auch schon gewählt habe, wenn ich sehr empört war. Gerade noch war ich froh gewesen, nur zwei Minuten zu spät bei der Krankengymnastik anzukommen. Mit kleinem Kind ist pünktlich zu sein eine Herausforderung. Jetzt schäme ich mich ein bisschen, ärgere mich über die unfreundliche Art der Dame und noch mehr darüber, dass sie mich ertappt hat und sage kleinlaut: „Stimmt, Sie haben recht.“

Recht hatte sie wirklich! So zu parken ist wenig liebevoll. Und trotzdem habe ich es gemacht, weil das Ziel „Pünktlichkeit“ in meinem Denken gerade einen größeren Stellenwert einnahm als „liebevolles Parkverhalten“. Schade eigentlich!

Bedauerlich auch, dass sich die Frau so sehr ärgern musste, dass sie mich nicht freundlich darauf aufmerksam machen konnte, dass ich mein Auto auch geschickter platzieren könnte. Gewirkt hat es trotzdem bislang. Ich denke an ihre Worte, wenn ich überlege, wo ich parke.

„Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken.“

Monatsspruch für den Oktober aus dem Hebräerbrief (Hebr. 10,24)

Angespornt und zurechtgewiesen zu werden sind zweierlei Dinge. Es ist ein schmaler Grat zwischen Besserwisserei und dem Ansporn zu gutem Verhalten,
zwischen aufeinander achthaben und einander kontrollieren. Das merken wir gerade in dieser Zeit zwischen Impfangeboten und Maskenpflicht.

Die frohmachende und befreiende Botschaft kommt für mich schon vor unserem Wochenspruch: Dort steht, dass wir Freimut haben können, weil Jesus uns den freien Zutritt zu Gott ermöglicht hat. Er hat uns „reingewaschen“, wir sind frei von einem bösen Gewissen, sagt der Verfasser des Hebräerbriefes.

Dies gilt von Jesus her. Eine unglaubliche Liebe ist es, die uns da trägt und erträgt
in all unserer Lieblosigkeit. Sie spornt mich an! Auch wenn ich es nicht jedes Mal gut hinbekomme, gut auf andere zu achten. Ich glaube fest daran, dass uns diese Liebe wirklich verändert und merke, wie gut es mir tut, trotz allen Versagens fröhlich in die Arme unseres warmherzigen Gottes kommen zu dürfen.

Haben Sie freien Mut und ein befreites Gewissen, haben Sie auf andere Acht und spornen Sie Ihre Mitmenschen in Liebe an zu allem Guten! Wie könnte ein positiver Ansporn aussehen, wenn Sie sich über das Parkverhalten eines anderen ärgern? Vielleicht erzählen Sie mir davon, wenn wir uns treffen!

Solche Gedankenspiele sind eine gute Übung für den Ernstfall. „Darf ich Ihnen ihr Auto auf den besten Parkplatz der Straße stellen?“, wäre jedenfalls ein Angebot für mich, das ich erfreut annehmen oder das mich trotz guter Laune zum Nachdenken bringen würde!

Juliane Jung, Pfarrerin der Thomaskirche

Sehnsucht nach Gottes Nähe

Monatsspruch September 2021: Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel. Haggai 1,6


„Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommele nicht Männer zusammen, um Holz zu beschaffen, sondern lehre sie die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer.“ Vom französischen Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry stammt dieses Zitat. Die Sehnsucht setzt er an den Anfang jedes Tuns. Für Saint-Exupéry ist sie Voraussetzung für das Gelingen eines Vorhabens und zugleich Motivation. Die Sehnsucht kann den Menschen Hoffnung verleihen und gibt ihrem Tun einen Sinn.

Im Alten Testament beschreibt der Prophet Haggai etwas ähnliches. „Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig.“ Lange Jahre haben die Israeliten im Exil verbracht. Zurück in der Heimat, ermutigt Haggai das Volk dazu, Gottes Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen. Denn der alte Tempel war zerstört worden. Und die Israeliten hatten zuerst ihre eigenen Häuser wieder aufgebaut – das war erst mal wichtiger. Und dennoch fehlt etwas. Nach den Erfahrungen in der Ferne beschreibt Haggai die Sehnsucht nach der Nähe zu Gott, seinem Frieden und seiner Gerechtigkeit. Gottes Tempel wieder aufzubauen – das steht dafür, dass Gott bei den Menschen wohnt. Es geht Haggai um die Gemeinschaft mit Gott und ihm im eigenen Leben einen festen Platz zu geben.

Auch Jesus greift dies auf. Im Matthäus­evangelium sagt er: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch alles andere zufallen.“

Detlef Schneider

Ihr sät und bringt doch wenig ein, ihr esst und werdet doch nicht satt …

Der Videogruß von Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

„Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.“ Das ist der Monatsspruch aus Haggai 1 für den Monat September, der heute beginnt. Es ist ein herausforderndes Bibelwort, aber zugleich ein stärkendes, weil es unseren Blick auf das Wesentliche lenkt: säen, essen, trinken, sich kleiden, Geld verdienen – alles schön. Aber war es das schon? Lohnt es sich, dafür zu leben?

Der Prophet Haggai spricht diese Worte vor 2500 Jahren, als das Volk Israel aus dem babylonischen Exil zurückkommt und neu anfangen will. Haggais Worte leiten seinen Aufruf ein, den Tempel, das Haus Gottes neu aufzubauen. Dass wir das Haus Gottes in uns neu aufbauen, das brauchen wir heute auch. Zählen, essen, trinken, sich kleiden, Geld verdienen ist zu wenig. Unser Leben braucht ein Ziel, braucht einen Sinn. Nur so vor sich hin leben reicht nicht. Wofür leben wir? Wer sein Herz öffnet für Gottes Geist, wer sich von Gott geschaffen und geliebt weiß, der spürt die Antwort: mit und für Gott leben, mit und für den Mitmenschen leben, sich selbst gehalten wissen in einer Hand, die in guten und in schweren Zeiten da ist und auch im Sterben. Das ist die Spur, auf die Haggai uns setzt.

Ich werde die herausfordernden Worte Haggais diesen Monat immer wieder lesen und darüber nachdenken, wofür ich lebe und was meinem Leben Sinn gibt. Und darauf warten, dass ich mitten in diesen Tagen Gottes Geist spüren und Antworten finden werde.

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD

Gott hört unsere Gebete

Monatsspruch August 2021: Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her! 2. Könige 19,16

König Hiskia steckt in großer Bedrängnis. Denn der assyrische König Sanherib steht mit seinen Truppen vor den Toren Jerusalems und belagert die Stadt. Das Nordreich Israel haben sie schon eingenommen und dort große Verwüstungen angerichtet. Die Einwohner des Nordreichs hatte Sanherib deportieren lassen. Nun droht er, auch Jerusalem zu erobern. Hiskia fürchtet nicht nur um sich selbst, sondern auch um Leib und Leben seines Volkes.

Wann immer das Alte Testament über Könige berichtet, geht es dabei auch um die Beziehung eines Königs zu Gott. Denn ein König trägt Verantwortung für das Wohlergehen seines Volkes. Und von seiner Gesinnung hängt häufig ab, ob dem Volk Gutes oder Schlechtes widerfahren wird. Die Bibel beschreibt Hiskia als positives Beispiel: Er ist ein König, der Gott treu ist und auch in Zeiten großer Not Zuflucht bei ihm sucht. Und das tut Hiskia auch während der assyrischen Belagerung: Er zerreißt seine Kleider, zieht sich einen Sack über und geht in den Tempel. Im Gebet wendet sich Hiskia an Gott: „Neige, HERR, dein Ohr und höre!“ Und Gott erhört sein Gebet. Die Bibel berichtet, dass Sanherib mit seinen Truppen wieder abzog, ohne Jerusalem zu zerstören.

Auch heute kann das für Christinnen und Christen eine starke Hoffnung sein. In guten wie in schlechten Zeiten können sie sich mit all ihren Sorgen, Ängsten und Nöten im Gebet an Gott wenden. Und sie können gewiss sein, dass Gott ihre Gebete hört.

Detlef Schneider

Eingehüllt von Gott

Symbolbild mit Monatsspruch Juli 2021: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir (Apostelgeschichte 17,27)

Ich liebe es, im Meer zu schwimmen. Die Wellen tragen mich, die Sonne wärmt auch im Wasser meine Haut. Am liebsten bin ich da nackt, so ursprünglich schön ist das. Selbst wenn es regnet und das Meer nicht so sanft ist: Ich mag es. „Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir“ (Apostelgeschichte 17,27). Ich spüre, eingehüllt von Gott zu sein, ganz nah und direkt.

Paulus erzählt in Athen von seinem Gott, er geht dafür zum Areopag, dem Ort, der Weisheit, Ästhetik, Toleranz atmet. Dort hofft er beschreiben zu können, was Gottes Nähe bedeutet, wie sich das anfühlen kann. Der streng wirkende Paulus stellt sich genau auf die Menschen ein, die er erreichen will.

Spüren sie es, wenn sie von etwas ganz umschlossen und begeistert sind? Ein Sommerwald, in dem man die Sonne regelrecht riechen kann, die Ruhe hört und Wind eine Seite in uns zum Klingen bringt. Jede Faser meines Körpers genießt, staunt – Gott wird zu einem Teil von mir. Dann aber gibt es Gewitter und stürmische Fluten, Windbruch und Borkenkäfer, vertrocknete Wälder. Nichts mit Begeisterung, Gott scheint doch recht fern.

Ich weiß aber, wie das Meer ist, wie sich Moosbett anfühlt, wie großartig es ist, Wissen, Erkenntnisse aufzusaugen, Schönheit zu entdecken. Gott ist nicht fern von mir. Ich brauche diese Gewissheit, um Unwetter des Lebens, Stürme des Alltags zu überstehen.

Carmen Jäger

Das Gebot der Nächstenliebe

Symbolbild mit Monatsspruch Juni 2021: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen (Apostelgeschichte 5,29)

Das ist regelrecht Anarchie. Die Apostel lehnen es rundweg ab, geltende Gesetze zu befolgen und berufen sich dabei auf Gott. Dieser Gott (der Juden) ist ihr Herr, ihm allein gehorchen sie, er ist für sie alleinige Autorität – Anarchie gegen Menschengesetze. Anarchie – wirklich? Bis heute berufen sich Menschen darauf, Anordnungen zu missachten, sie gehorchen Menschen nicht, jedenfalls nicht allen, nur denen, die ihrer Meinung sind. Und dabei halten sie sich für Querdenker, meinen, damit Menschen aus ihrer Unterdrückung zu befreien.

Trotz Androhung von Strafen wollten sich die Apostel nicht mundtot machen lassen. Wer denkt, jeglicher Widerstand gegen von Menschen gemachte Gesetze sei damit gerechtfertigt, der ist auf dem Holzweg. Petrus sagt: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Überall dort, wo Gottes Gebote übergangen werden, nicht mit den Taten übereinstimmen, da sollen Christen ihre Stimme erheben.

Wenn wir uns am Gebot der Nächstenliebe orientieren, müssen wir auch handeln. Da passen dann keine Allmachtsfantasien, krude Verschwörungstheorien oder Rücksichtslosigkeit zum Gebot der Nächstenliebe. In vielen Ländern, auch in Deutschland, orientieren sich Gesetze an christlichen Werten. Dass sich dabei auch unchristliche und machtpolitische Ideologien eingeschlichen haben, wissen wir nur zu gut. Deshalb – die Würde des Menschen ist unantastbar. Oder eben: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, frau übrigens auch.

Carmen Jäger

Wir tragen Verantwortung

Symbolbild mit Monatsspruch: Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! (Sprüche 31,8)


Es ist Großes, was die Mutter da von ihrem Sohn, König Lemuel, fordert. Bier und Wein sowie den Verkehr mit Frauen hat sie ihm schon verboten – und jetzt auch noch das: Lemuel soll sich um all die Schwachen kümmern, die in Elend und Armut leben. All jenen, die sich nicht selbst helfen können, soll er ihr Recht verschaffen. Lemuel befindet sich in einer machtvollen Position, damit trägt er eine große Verantwortung.

In der heutigen Zeit sind Könige zur Seltenheit geworden. Nicht auf einer Person liegt nunmehr die Verantwortung, sondern auf jedem Einzelnen. Demokratie bedeutet allerdings nicht, dass wir in Deutschland 82 Millionen Königinnen und Könige haben. Demokratie ist mehr, als einmal in vier Jahren seine Stimme abzugeben. Demokratie bedeutet auch, seine Stimme zu erheben: gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Ungleichheit.

Auch als Christinnen und Christen tragen wir Verantwortung. Gegenüber Menschen, die hungern. Gegenüber Menschen, die in Kriegen sterben. Gegenüber Menschen, die auf der Flucht sind, in Flüchtlingslagern ausharren oder im Mittelmeer ertrinken. Denn das Gebot der Nächstenliebe endet nicht an den Grenzen von Ländern, Religionen oder Kulturen. Es gilt universal. Am Ende müssen wir Rechenschaft abgeben für unsere Taten und für das, was wir unterlassen haben. In dieser Verantwortung stehen wir gegenüber uns selbst wie auch gegenüber unseren Mitmenschen. Und am Ende auch gegenüber Gott.

Detlef Schneider