Ich bin Gottes geliebtes Kind

Monatsspruch Mai 2022: Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht. (3. Johannes 2)


Kennen Sie schon den Geburtstagswunsch mit den drei X? Na, Xundheit, Xundheit, Xundheit!
Ja, die Gesundheit ist ein hohes Gut. Das merkt man vor allem, wenn sie einem fehlt. So lautet ein kluges Sprichwort: „Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.“

Natürlich wird auch in der Bibel die Gesundheit hoch eingeschätzt. Da heißt es: „Es ist besser, arm zu sein und dabei frisch und gesund als reich und nicht gesund. Kein Reichtum ist zu vergleichen mit einem gesunden Körper, und kein Gut gleicht der Freude des Herzens“ (Sirach 30,14.16).

Andererseits kann unter der Überschrift „Hauptsache gesund!“ auch zu viel des Guten getan werden. Schon der Philosoph Platon hatte erkannt: „Die ständige Sorge um die Gesundheit ist auch eine Krankheit!“ Wir wissen, dass sich Freude und seelische Ausgeglichenheit förderlich auf die Gesundheit des Körpers auswirken. Diesen Zusammenhang spricht auch der Monatsspruch für Mai an: Geht es der Seele gut, gelingt Leben leichter und der Mensch fühlt sich frisch und gesund. Also: „Hauptsache gesund!“? Ja und nein! Ich gerate schnell in ein Sorgenkarussell, in dem sich alles ängstlich um mein Wohlbefinden dreht, wenn ich mich nicht dankbar auf Gott besinne, der mir mein Leben geschenkt hat und immer wieder auch Gesundheit.

Deshalb ist für mich die Hauptsache, dass ich weiß: Ich bin Gottes geliebtes Kind – und das auch gerade dann, wenn ich krank bin.

Reinhard Ellsel

Ein Schatz für unsere Seele

Monatsspruch April 2022: Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte. (Johannes 20,18)

Jesus ist von den Toten auferstanden! Die Osterbotschaft übersteigt unser intellektuelles Fassungsvermögen. Deshalb ist es gut, die biblischen Auferstehungsberichte in Ruhe zu lesen und auf sich wirken zu lassen. Sie sind ein großer Schatz für unsere Seele.

Alle vier Evangelien deuten auf dasselbe Ereignis: Jesus von Nazareth, die Liebe Gottes in Person, der Gekreuzigte, Gestorbene und Begrabene – Jesus lebt! Gott hat ihn am dritten Tag aus den Toten auferweckt. Unsere Vernunft stößt an ihre Grenzen. Und doch ist dieses schier unglaubliche Geschehen das Ereignis aus der Antike, das am besten belegt ist.

Denn die Nachfolgerinnen und Nachfolger von Jesus haben weitergesagt, was sie mit dem auferstandenen Jesus erlebt haben. Sie haben es weiter gesagt trotz großer Widerstände und Einschüchterungsversuche. Und es wurde aufgeschrieben und genau abgeschrieben und in alle Sprachen der Erde übersetzt.

Maria von Magdala war die Erste, die den Auferstandenen gesehen hat. Das war ganz in der Nähe von dem Grab, in dem er begraben war. Noch erfüllt von der Trauer über Jesu schrecklichen Tod, hat sie ihn zuerst gar nicht erkannt und ihn für einen Gärtner gehalten. Da sprach Jesus sie an: „Maria!“ Und er gab ihr den Auftrag, seinen Jüngern Bescheid zu sagen, dass er lebe.

Wenig später sahen auch die Jünger Jesus selbst. Und auch wir können erfahren und im Herzen spüren: Jesus lebt! Deshalb: Frohe Ostern!

Reinhard Ellsel

Die Stille, die Liebe und ein leeres Herz…

Brennende Kerze in der Dunkelheit

„Wir brauchen die Stille, um diese Worte zu verstehen und in die Tat umzusetzen! Wenn wir aufgescheucht und beunruhigt sind, haben wir beliebig viele Argumente und Gründe, nicht ohne weiteres zu verzeihen und zu lieben. Wenn wir aber „unsere Seele in Frieden und Stille“ bewahren, verflüchtigen sich diese Gründe. Vielleicht meiden wir manchmal auch deshalb die Stille und ziehen ihr den erstbesten Lärm, Worte oder Zerstreuungen vor, weil der innere Friede ein Risiko birgt: Er macht uns leer und arm, er zersetzt Bitterkeit und Auflehnung und er führt uns zur Selbsthingabe. Ist unser Herz still und leer, zieht der Heilige Geist in es ein, erfüllt er es mit bedingungsloser Liebe. Unmerklich, aber unaufhaltsam führt die Stille uns dazu zu lieben.“

Communauté de Taizé


Wir stehen bald am Anfang der Passionszeit. Nehmen wir die Einladung der Gemeinschaft von Taizé an, leeren wir unser Herz und gehen mit IHM gemeinsam den Weg gen Ostern und empfangen wir seine Liebe.


Jesus Christus sagte:

„Dies ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“

Johannes 15,12

Peter Memmert

Angedacht zur Jahreslosung

Ausschnitt Acryl zur Jahreslosung 2022.
Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de – Ausschnitt

Die ersten vier Wochen des Jahres sind wie im Flug vergangen. Hoffentlich können Sie noch von den guten Wünschen zehren, die Ihnen zum Jahreswechsel zugesprochen wurden.

Und doch, wenn wir ehrlich sind, ahnen wir schon, dass auch in diesem Jahr Stolpersteine auf unserem Weg liegen werden. Der eine springt mit einem Gefühl von Leichtigkeit drüber, die andere fällt fürchterlich und mag nicht mehr aufstehen. Oftmals verbergen sich unter den Stolpersteinen Abweisung und Beleidigung.  Am Arbeitsplatz geht es nicht so voran, wie man es sich wünscht. Die Coronaregeln entzweien ganze Familien. Der Freund will plötzlich nichts mehr von einem wissen.

Wem kann man da noch vertrauen? Der Evangelist Johannes hat in seinem Evangelium ein Jesuswort aufgegriffen, das auf diese Frage eine klare Antwort gibt.

Jesus Christus spricht:

„Wer zu mir kommt,
den werde ich nicht abweisen!“

Acrylgemälde zur Jahreslosung 2022. Jesus Christus spricht:
„Wer zu mir kommt,
den werde ich nicht abweisen!“
Acryl von U. Wilke-Müller © GemeindebriefDruckerei.de

Gott sei Dank, kann man da nur sagen. Die Jahreslosung für 2022 verspricht uns, dass uns Jesus Christus Türen öffnet, die uns neue Wege aufzeigen. Bei ihm müssen wir uns nicht ausweisen, damit er uns glaubt, wer wir sind. Bei ihm müssen wir nicht ständig beweisen, wie gut und unentbehrlich wir sind. Er weist uns auch dann nicht ab, wenn wir uns irren oder Fehler machen.

Jesus Christus kennt unsere Wege. Er weist uns seine Liebe zu, er zeigt uns, was wir zum Leben brauchen.  Er erweist sich für uns als Segen. Darauf können wir gerne angewiesen sein!

Ihre Pfarrerin der Stephanuskirche
Gabriele Edelmann-Richter

Gott schenkt uns ein Zuhause

Monatsspruch Januar 2022: Jesus Christus spricht: Kommt und seht! (Johannes 1,39)


„Wohnst du noch, oder lebst du schon?“ Diesen Spruch benutzte ein großes Möbelhaus in seiner Fernsehwerbung. „Zuhause ist, wo sich dein Herz wohlfühlt.“ So oder so ähnlich ist es auf zahlreichen Postkarten und Wandbildern zu lesen. Das eigene Zuhause – das ist mehr als ein Dach über dem Kopf. Es ist der vertraute Ort, an dem Menschen sich sicher und geborgen fühlen, wo sie angekommen und angenommen sind.

„Meister, wo wirst du bleiben?“ Das ist das Erste, was die beiden Jünger am Anfang des Johannesevangeliums fragen, als sie auf Jesus treffen. Sie fragen ihn nach seiner Unterkunft für die Nacht. Doch einen konkreten Ort benennt Jesus nicht. Stattdessen antwortet er ihnen mit einer Einladung: „Kommt und seht!“ Die Bibel berichtet weiter, dass die Jünger Jesus folgen und bei ihm bleiben. Wo sie auch hingegangen sein mögen – bei Jesus haben sie einen Ort gefunden, an dem sie bleiben können und wollen. In seiner Gemeinschaft fühlen sie sich zu Hause.

Und das gilt bis heute, wenn Menschen auf der Suche nach Schutz und Geborgenheit sind. „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen“, sagt Jesus an anderer Stelle (Johannes 14,2). Christinnen und Christen egal welcher Herkunft können mit dieser Zusage gewiss sein, dass auch sie bei Gott ein Zuhause haben. Den Ort, an dem sie bleiben können, an dem sie angenommen sind und wo sich ihr Herz wohlfühlt.

Detlef Schneider

Predigt zur Jahreslosung 2022

Von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am 01.01.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf

Lesezeichen mit Jahreslosung 2022 - Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. Johannes 6,37.
In der Mitte ist eine Art Amulett mit einer Abendmahlsszene und den Worten Ich bin bei euch.

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Jesus Christus spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“

Johannes 6,37

Was für eine Jahreslosung! Treffender könnte sie nicht sein!

Haben doch viele von uns in den vergangenen Monaten Abweisung erfahren. Gemeindemitglieder erzählten mir vor allem von der schwierigen Situation in den Krankenhäusern und in den Seniorenheimen.  Aber auch die verschärften Einlassbedingungen zu den Gasthäusern, der Zugang zu Konzerten und nicht zuletzt das komplette Zuschauerverbot für die Sportstadien.
Ganz zu schweigen von den harten Einschränkungen in unseren Kirchen und Gemeindehäusern.
Da tut es gut, so ein Wort, wie unsere Jahreslosung zu hören.

Jesus wurde oft aufgrund seiner deutlichen Worte von vielen seiner Zeitgenossen abgelehnt und von anderen nur aufgrund seiner materiellen Gabe gesucht. Aber er ließ sich nicht zum einfachen Brotkönig machen, es ging ihm nicht um bloße Wunscherfüllung.
Er wollte mit seinem Wort und seinem Sakrament Brot des Lebens sein, das nachhaltig satt und zufrieden macht.

Jesus ist offen für alle Menschen.

Das ist die gute Nachricht für 2022!
Jesus empfängt alle mit offenen Armen: diejenigen, die sich bei ihm sicher fühlen, aber auch die, die noch auf der Suche sind oder die, die von Jesus erstmal gar nichts erwarten.
Ich werfe hierzu einen Blick in unsere 3 Gemeinden: Stephanus, Thomas und Heilig Kreuz.
Bei vielen Aktionen wird eine prima Arbeit geleistet. Es gibt neue und zündende Ideen und doch können wir überall beobachten, dass sich viele hauptamtliche und ehrenamtliche Mitarbeiter verausgaben, ja, dass sie bis zum Limit arbeiten und dann leider feststellen müssen, dass es immer dieselben sind, die kommen, die sich auf die offenen Kirchentüren hinbewegen.
In unseren Kirchenvorständen wird oft heiß diskutiert, was man noch besser machen könnte. Aber unterm Strich müssen wir gestehen, dass es nicht an uns liegt, ob die Menschen der Einladung Jesu folgen.
Wir würden uns ja total überschätzen, wenn wir für den Glauben an Gott die alleinige Verantwortung tragen wollten.

Manche von uns kommen erschöpft an der Schwelle von der alten zur neuen Zeit an. Weil ein wirklich anstrengendes Jahr hinter uns liegt.
Viele Monate voller Einschränkungen und Sorgen im Alltag … für die allermeisten einfach keine gute Zeit.

Wir brauchen Hoffnung!

Die Hoffnung, dass 2022 das Leben wieder besser weiter geht. Unbeschwerter. In Frieden und Sicherheit – weltweit. Und dass endlich wieder dauerhaft Nähe zwischen den Menschen möglich ist.

Auch für unsere Gottesdienste ist das eine schöne Vorstellung: Wieder von Herzen miteinander singen und im großen Kreis das Abendmahl feiern. In unseren Gemeindehäusern unbeschwert beisammen sein.

Aber, was gibt uns Sicherheit an dieser Schwelle zum neuen Jahr?

Die meisten Menschen hoffen auf den unermüdlichen Forschergeist der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Sie hoffen auf Fortschritte und Neuentdeckungen in der Medizin. Auf Weitsicht und Umsicht in der Politik. Und sicher auch auf eine Portion Glück.

Wir Christinnen und Christen hoffen das auch. Aber wir hoffen dazu noch anderes. Wir hoffen auf mehr als das, was Menschen tun können oder was sich zufällig ergibt. Wir hoffen auf Gott. Wir hoffen und vertrauen darauf, dass er unsere Zeit in seinen Händen hält.
Und so beginnen wir das neue Jahr in Gottes Namen. Als Eingangslied haben wir gesungen: Jesus soll die Losung sein!

Und nun gibt es heute auch noch, an der Schwelle zum neuen Jahr, einen Satz, der unheimlich guttut. Ein Wort Jesu. Er spricht: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

Eines ist uns allen aber auch klar: Um Hilfe zu bitten ist nicht leicht.
In der Bibel stehen viele Geschichten, in denen Menschen Jesus um seine Hilfe bitten. In den unterschiedlichsten Situationen, manchmal auf umständliche Art und Weise.
Einmal kommt zu Jesus ein römischer Hauptmann. Einer, der sonst die Befehle gibt. Er kennt es nicht anders, als dass erfüllt wird, was er befiehlt. Dieser Hauptmann bittet für seinen Knecht, um den er sich Sorgen macht. Doch Umstände machen will er nicht: „Herr, ich bin es nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“ (Matth. 8,8)
Klein macht sich hier der mächtige Hauptmann. Doch große Hoffnung setzt er auf den, der retten kann.
Leicht hätte Jesus hier sagen können: Für Heiden bin ich nicht zuständig. Doch Jesus hilft!

Ich denke auch an die Erzählung von der Mutter aus Syrophönizien. Sie spürt Jesus auf, als er selbst Ruhe braucht. Sie wirft sich ihm buchstäblich vor die Füße. Und als er sie beinahe wegschicken will, legt sie jeden Stolz ab: „Wie die Hunde von den Krümeln satt werden, die vom Tisch der Herren fallen, so kannst du auch mir helfen.“ Diese unfassbaren Worte sagt sie. Und lässt nicht locker. „So lass doch bitte auch für mich und mein Kind etwas von deinem Heil übrig. Ein paar Krümel deiner Gnade werden reichen!“ Auch hier geschieht es: Jesus hilft!

Niemand, der zu Jesus kommt, bleibt vor verschlossener Tür stehen. Niemand muss ohne Antwort weitergehen.
Niemand wird allein gelassen
– mit dem Anliegen, das ihm unter den Nägeln brennt
– mit der Frage, die ihr auf der Seele liegt
– mit der Bitte, die keinen Aufschub mehr duldet.
Weil Jesus lebendig ist. Weil er es versprochen hat:

„Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen.“

In beiden Erzählungen waren Hilfe und Rettung nicht selbstverständlich.
Doch Jesus hat die bekannten Grenzen einfach überwunden.  Er hat den Mut und den festen Glauben der Bittenden geschätzt.
Jesus kannte das selbst auch: Immer wieder gab es Situationen in seinem Leben, in denen er von den Menschen nicht angenommen wurde:
Schon in Bethlehem hatte es begonnen. Kurz vor seiner Geburt, noch im Mutterleib, gab es keinen Raum in einer Herberge für die werdenden Eltern.
Und die ersten Jahre verbrachte die kleine Familie im ägyptischen Exil, weil von Herodes verfolgt.
Später wurde Jesus in Samaria abgewiesen. Man hat ihn aus der Stadt gedrängt und hätte ihn beinahe getötet. „Was maßt sich dieser Mann an?“, haben die Führenden immer wieder gefragt. „Der Messias kann so einer jedenfalls nicht sein.“

Doch nicht einmal die, die ihn abgewiesen haben, gibt Jesus auf.
Er betet vielmehr noch auf seiner letzten irdischen Station für die, die ihn ans Kreuz brachten: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Das macht uns sprachlos.

Jesu Liebe ist einfach unermesslich.

Gute Aussichten also für das Jahr 2022:
Jeder, der möchte, wird von Jesus angenommen, wenn er den Mut hat, sich auf den Weg zu machen.
Seine Zusage gilt: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen!“

Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. 

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Jesus lädt zu sich und Gott ein

Jahreslosung 2022: Jesus Christus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht abweisen. (Johannes 6,37)


„Draußen vor der Tür“, heißt das Theaterstück, das Wolfgang Borchert im Herbst 1946 geschrieben hat. Ein junger Mann namens Beckmann kehrt zurück nach Deutschland. Beckmann war im Zweiten Weltkrieg Soldat, dann in russischer Gefangenschaft. Von alledem schwer gezeichnet, findet Beckmann nicht mehr in sein altes Leben zurück, weil er überall abgewiesen wird. Er bleibt draußen vor der Tür, wo er stirbt ohne Wärme, ohne Antwort.

Einer Mutter ist es im Beisein ihrer Freundinnen peinlich, dass ihr Sohn mit schmutzigen Händen vor ihr steht. Sie schickt ihn mit einem Tadel weg. Wie wird der sich wohl gefühlt haben? Er hatte mit seinen Freunden Fußball gespielt und wollte nur mal schnell seine Mutter drücken, die in der Nähe bei einem Kaffeeklatsch war. Seine schmutzigen Schuhe hatte er extra draußen vor der Tür stehen lassen.

Ich bin froh und gewiss, dass ich zu Gott immer kommen kann, auch mit schmutzigen Händen oder mit meinen Problemen, so wie ich bin. Jesus hat das seinen Zeitgenossen vorgelebt. So durften Mütter mit ihren Kindern zu ihm, obwohl seine übereifrigen Jünger das verhindern wollten. Mit den Worten „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid!“ (Matthäus 11,28) lädt Jesus auch heute zu sich und zu Gott ein. Ein blinder Bettler darf zu ihm und erfährt Heilung. Und ein Vater läuft seinem verloren geglaubten Sohn voll Freude entgegen. Türen zu öffnen, ist göttlich.

Reinhard Ellsel

Herr, wohin sollen wir gehen?

Der Videogruß von Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

„Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“ Das ist der Lehrtext der Herrnhuter Losung für den heutigen Tag aus Johannes 6. Mich beschäftigt die Frage, die Petrus hier an Jesus stellt, schon seit langem. Welchen Weg soll ich in meinem Leben gehen?

Es gäbe da durchaus unterschiedliche Möglichkeiten, z.B. den Weg des engagiert aufgeklärten Humanisten, der sagt, wozu so viele religiöse Worte über Gott oder über Jesus machen? Warum nicht einfach nur mithelfen, dass alle Menschen in Würde leben können? Oder der Weg des stillen Genießers, der sagt: „Ist der Kampf gegen das Leid der Welt nicht ein Kampf gegen Windmühlenflügel? Was kann ich als Einzelner schon ändern? Also freue ich mich ganz einfach an meinem eigenen Leben, am guten Essen und Trinken, an meiner Familie. Und vielleicht strahlt mein privates Glück dann auch aus über mich hinaus. Oder der Weg des skeptischen Beobachters, der sagt: „Gibt es überhaupt etwas, an das sich wirklich zu glauben lohnt? Schlagen sich die Leute nicht gerade deswegen die Köpfe ein, weil sie so von einer Sache überzeugt sind, dass ihnen jedes Mittel zu ihrer Durchsetzung recht ist?

Aber wie traurig wäre es, wenn ich an gar nichts mehr glauben würde. Wie begrenzt wäre mein Leben, wenn ich das Leid der Welt einfach verdrängen müsste? Und wie sehr müsste ich verzweifeln, wenn ich glauben würde, dass die Rettung der Welt von mir abhängt? Nein, ich spreche die Worte des Petrus an Jesus aus ganzem Herzen mit: „Herr, wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens.“

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Die Hochzeit zu Kana

Predigt zu Joh. 2, 1-11 am 2. Sonntag nach Epiphanias
von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter

Liebe Gemeinde,

der heutige Predigttext steht im Johannes-Evangelium. Sie haben ihn vorhin bei der Evangeliumslesung schon gehört.

Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen.
Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was geht’s dich an, Frau, was ich tue? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.
Seine Mutter spricht zu den Dienern „Was er euch sagt, das tut“.
Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte und in jeden gingen zwei oder drei Maße.
Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan.
Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm.
Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten -, ruft der Speisemeister den Bräutigam
und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten.
Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

Das Szenario: Eine Hochzeitsfeier ist in vollem Gang und der Wein droht auszugehen. Wirklich oberpeinlich für den Gastgeber!
Doch der Gastgeber, der Bräutigam, hat Glück.
Jesus hilft ihm aus der Patsche, er verwandelt das Wasser in den Krügen zu Wein, sechs Krüge a zwei oder drei Maße, das sind ungefähr 600 Liter bester Wein. 

Fast jeder kennt diese Geschichte aus der Bibel. Es ist eine der bekanntesten Wundergeschichten.

Doch worum geht es hier eigentlich genau? Geht es nur darum zu zeigen, dass Jesus Wunder tun kann? Oder geht es um weit mehr als das?

Am Ende heißt es: „Das war das erste Zeichen, das Jesus tat – und er offenbarte seine Herrlichkeit.“
Aha – Die Herrlichkeit Gottes auf Erden! – darum geht es also in dieser Geschichte vom Weinwunder, es geht um das Licht Gottes, das in Jesus Christus zu uns gekommen ist. Deshalb ist dieser Predigttext auch für die Epiphanias Zeit ausgewählt worden, die Zeit im Kirchenjahr, in der es um die Erscheinung Gottes in der Welt geht. 
„Das war das erste Zeichen, das Jesus tat“, sagt der Evangelist. Das Weinwunder war also mehr als ein spektakuläres Kunststück, das alle bewundern sollten. Es war ein Zeichen, das für etwas steht, eine Art Wegweiser, der in eine Richtung zeigen will, zu etwas Größerem hin, etwas Wichtigerem als Wein für eine Hochzeit.
Jesus ließ die Menschen durch dieses Zeichen ein Stück des Himmels sehen, ein Stück göttlicher Liebe, Macht und Kraft – er offenbarte seine Identität:
Er war der Sohn des lebendigen Gottes! –  nicht nur der Sohn des Zimmermanns Josef aus Nazareth.
Deshalb ist es so eine schöne Geschichte, dieses Weinwunder von Kana. Denn die Botschaft scheint klar: Gott ist mit seiner Herrlichkeit mitten unter uns – und hilft uns in unseren Nöten, egal, worum es geht.

Wenn wir aber noch einmal genau auf den Text schauen, stellen wir fest, dass sich Jesus zunächst gar nicht offenbaren wollte; ja, dass er sich geradezu weigerte, einzugreifen. Sehen wir auf den Dialog mit seiner Mutter Maria. Sie, die gesehen hatte, dass der Wein ausgeht – und die wusste, wer Jesus war und was er vermochte, spricht ihn an: „Sie haben keinen Wein mehr!“ Die ungesagte Botschaft dahinter lautet: „Sohn, mach doch was!“
Doch was antwortet ihr Sohn darauf?
„Was geht’s dich an, Frau, was ich tue: Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“
Jesus weist sie deutlich zurück. In Luthers Übersetzung klingt es wirklich schroff.
Aus heutiger Sicht geht das gar nicht. Ein unmögliches Verhalten!

Weder Maria noch das Problem, das sie anspricht, scheinen Jesus zunächst zu interessieren.
In diesem Moment leuchtete noch nichts von der Herrlichkeit Gottes auf Erden auf.
Doch dann fügt Jesus seiner Abweisung eine interessante Anmerkung hinzu, die für das Verständnis seiner Reaktion sehr wichtig ist. Er sagt: „Meine Stunde ist noch nicht gekommen!“
Was meinte er damit? Wollte er mit dieser Ansage Maria auf später vertrösten, auf später am Tag?  Wohl kaum.

Wenn man das Johannes-Evangelium aufmerksam liest, fällt auf, dass der Evangelist diesen Begriff öfter gebraucht, dass Jesus öfter von seiner Stunde redet, die „kommt“ oder später dann „gekommen ist“.
Wenn Jesus von seiner Stunde redet, meint er damit die Zeit, in der sich sein göttlicher Auftrag erfüllt. Der Auftrag, nach Jerusalem zu gehen, um am Kreuz das Leid und die Schuld aller Menschen auf sich zu nehmen und durch sein Sterben die Menschheit zu erlösen. Und der Auftrag, dem Tode die Macht zu nehmen – und in der Auferstehung die Herrlichkeit Gottes in Kraft zu offenbaren.

Und diese Zeit, diese Stunde Jesu, war am Tag der Hochzeit zu Kana noch nicht gekommen.

 Als Maria ihren Sohn auf den fehlenden Wein ansprach, stand der erst ganz am Anfang dieses schweren Weges, den er gehen sollte.
Vielleicht reagierte Jesus deshalb so schroff auf seine Mutter.  Weil im Vergleich zu dem Großen, was vor ihm lag, dieses Weinproblem nun wirklich uninteressant war.
Jesus war nicht für solche Kleinigkeiten von Gott gesandt, nicht, um punktuell Heilung zu bringen oder im Bedarfsfall Probleme zu lösen.

 Jesus Christus war von Gott gesandt, um das Ganze zu heilen, um alles zu überwinden, was uns Geschöpfe von unserem Schöpfer trennt, wirklich alles, bis hin zu unserer Endlichkeit – und uns wieder zu vereinen und zu versöhnen mit unserem himmlischen Vater!

Warum Jesus sich dann schließlich um das Weinproblem kümmerte – und die Wasserkrüge füllen ließ, wissen wir nicht.

Maria, seine Mutter, hoffte auf seine Barmherzigkeit.
„Was immer er euch sagt, das tut!“, sagte sie zu den Dienern.

 Und so setzte Jesus ein Zeichen: Das Wasser wurde zu Wein. 
 Es war das erste Zeichen von vielen, die folgten, um deutlich zu machen, dass bei Gott nichts unmöglich ist – und er alles vermag. Ein Zeichen, das auf den Gesalbten, den Sohn Gottes, hinwies, nicht mehr und nicht weniger.
Solch ein Zeichen Gottes kann auch uns Mut machen, aber es kann nicht die einzige Grundlage unseres Glaubens sein, dann würden wir scheitern.

Wie gerne hätten wir in der momentanen Zeit ein klares Zeichen der Hoffnung. Zumindest einen festen Zeitpunkt in der nahen Zukunft, an dem wir mit dem Ende der Pandemie rechnen können.
Aber so einfach ist das leider nicht.
Uns bleibt nur das Vertrauen darauf, dass der, der vor 2000 Jahren Wunder getan hat, unserem Leben das Fundament gibt, auf dem wir sicher stehen können.
Die Zeichen, die er gab, dienen dazu, unseren Glauben daran zu stärken, dass Gott da ist und Interesse an uns hat. 

In den vergangenen Wochen hörte ich in vielen Gesprächen häufig von negativen Erlebnissen, von Frust, von Verzweiflung, von Aussichtslosigkeit.

Dem können wir entgegenwirken:
Psychologen lassen ihre Patienten aufschreiben, was sie über den Tag hinweg Gutes erlebt haben. Jedem schlechten Erlebnis müssen die Patienten ein gutes Erlebnis gegenüberstellen.
Das müssen keine spektakulären Ereignisse sein. Auch Kleinigkeiten können unser Herz erfreuen!
Freude über das pfiffige Verhalten des Enkels oder Freude über den Anruf einer alten Freundin!

 Ich bin mir sicher: Wenn wir uns aufmachen, nach Zeichen Gottes in unserem Leben und um uns herum zu suchen, werden wir fündig.
Dazu braucht es einen Moment der Stille, ein offenes Herz!
Dann finden wir Gott, der da ist, auch in unserem Leben, mit seiner Liebe, mit seinem Licht!

 Sollte das nicht gleich gelingen, so wollen wir Gott darum bitten, dass er uns wachrüttelt aus der Lethargie,
dass er uns die Augen öffnet für die schönen Dinge im Leben,
damit wir uns freuen können und spüren, wie lebendig unser Gott ist!

Amen