Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor

Der Videogruß von Heinrich Bedford-Strohm, EKD-Ratsvorsitzender

„Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.“ Der heutige Lehrtext der Herrnhuter Losung aus dem zwölften Kapitel des Römerbriefs des Paulus hat eine hohe Alltagstauglichkeit. Denn wie wir miteinander umgehen, hat eine ganz entscheidende Bedeutung für das Lebensgefühl, mit dem wir leben. Ist es eine Kultur der Abwertung? Oder ist es eine Kultur der Achtung und des Respekts?

Achtung und Respekt sind vielleicht die modernen Worte für das, was mit Ehrerbietung gemeint ist. Eine Kultur der Abwertung entsteht, wenn man über andere Menschen immer nur das sagt, was sie falsch machen. Wenn man vielleicht sogar über sie herzieht. Eine Kultur der Achtung und des Respekts entsteht, wenn wir andere Menschen ganz unabhängig von ihren Leistungen erst einmal einfach als Menschen und deswegen mit Freundlichkeit begegnen. Es geht nicht um Höflichkeitsfloskeln, es geht um eine Haltung, um eine innere Haltung, eine Haltung, die man erstmal gewinnen muss.

Wie gewinnt man sie? Paulus hat da gleich im nächsten Vers eine klare Antwort: „Seid brennend im Geist, dient dem Herrn!“ Eine innere Haltung kann auch nur von innen kommen. Sie muss sozusagen aus der Seele kommen. Deswegen sagt Paulus: Lasst euch berühren vom Geist, von der Liebe Gottes. Wenn ihr in euch spürt, wie ihr bitter frustriert oder gar verächtlich gegenüber anderen Menschen werdet: Haltet inne, redet mit Christus im Gebet. Vielleicht spürt ihr dann, wie die Achtung und der Respekt zurückkommt und ihr zu einer lebendigen Antwort werdet auf diesen Satz: „Einer komme dem anderen mit Ehrerbietung zuvor.“

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Das erste Gebot

Screenshot: www.facebook.com/landesbischof

Impuls des Landesbischofs

„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“

So lautet das erste der Zehn Gebote in der Fassung Martin Luthers, und es ist zugleich das Gebot, von dem alle anderen Gebote ausgehen. Es geht bei den Zehn Geboten nicht um moralische Regeln, die man irgendwie aufgezwungen bekommen soll, oder die man befolgen muss, um ein guter Mensch zu sein, sondern es sind Orientierungen, die uns helfen sollen, gut zusammenzuleben. Sie sind verwurzelt in der Gottesbeziehung: „Ich bin der Herr, dein Gott.“

Es geht also um die Freiheit eines guten Lebens. Und dafür ist es entscheidend wichtig zu wissen, von wem diese Gebote kommen. Für mich ist Gott nicht irgendeine diffuse Kraft, sondern ein Du, bei dem ich weiß, mit wem ich es zu tun habe. Ein Gott, der nicht den Tod will, sondern das Leben, der nicht die Knechtschaft will, sondern die Freiheit. Der nicht Hass schürt, sondern Liebe wirbt, der nicht national vereinnahmt werden kann, sondern jeden Menschen geschaffen hat zu seinem Bild.

„Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“ Dieses Gebot ist deswegen so wichtig, weil der Name Gottes immer wieder so sehr missbraucht wird für die eigenmächtigen Zwecke des Menschen. Wer an Gott glaubt, der kann nicht andere Götter verehren wie die Nation, das Geld oder die Macht, sondern der glaubt an den Gott, der die Welt geschaffen hat und sich ihr und uns immer wieder von neuem in Liebe zuwendet. Von diesem Gott lasse ich mir das gerne sagen: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir.“

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Öffne deinen Mund für die Stummen und das Recht aller Schwachen

Der EKD-Ratsvorsitzende ermuntert und bestärkt mit seinen Videobotschaften die Menschen.

„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ Das ist der Monatsspruch für den jetzt gerade begonnenen Monat Mai. Und es fügt sich, dass diese Worte aus Sprüche 31 genau zu dem Thema soziale Gerechtigkeit passen, das am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, mit guten Gründen im Zentrum stand.

„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ Für mich ist dieser Monatsspruch ein Aufruf dazu, diejenigen wahrzunehmen, die nicht oder kaum an dem Wohlstand teilhaben, den Deutschland insgesamt genießt. 13,2 Millionen Menschen verfügen über weniger als 1074 Euro im Monat. Das ist die Armutsrisiko-Grenze in Deutschland. Alles müssen sie davon bezahlen. Viele von ihnen arbeiten hart, oft in unsicheren Beschäftigungsverhältnissen, die in schlechten Zeiten einfach wegbrechen – erst recht jetzt in der Coronazeit. Kurzarbeiterinnen, Solo-Selbständige, Kleinunternehmer, auch manchmal Kulturschaffende stehen kurz vor dem Ruin, hangeln sich wirtschaftlich von Woche zu Woche.

„Öffne deinen Mund für die Stummen, für das Recht aller Schwachen!“ Wenn wir das ernst nehmen, dann müssen wir jetzt darauf achten, dass nicht noch mehr Menschen in Armut geraten und denen, die schon jetzt in Not sind, rausgeholfen wird. Alle müssen wir zusammen helfen, wenn die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie zu bewältigen sein werden. Auf gar keinen Fall darf bei den Schwächsten gespart werden. Denn, so heißt es an anderer Stelle im Buch der Sprüche, „Gerechtigkeit erhöht ein Volk“.

Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein

Der EKD-Ratsvorsitzende ermuntert und bestärkt mit seinen Videobotschaften die Menschen.

„So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“ An dieses Wort aus Jesu Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg in Matthäus 20 muss sich in den letzten Wochen öfter denken, seit über den Impfpass diskutiert wird, und ob Geimpfte und Genesene wieder Restaurants oder Theaterbesuche oder Reisen unternehmen dürfen sollen, während andere noch warten müssen. Das wird, so ist die Sorge, den sozialen Zusammenhalt schädigen, weil es denjenigen, die in der Impfpriorität erst später dran sind, dann noch schwerer fallen wird, selbst warten zu müssen. Und es ist ja auch nachvollziehbar. Trotzdem leuchtet es mir nicht ein, wenn von den Geimpften und den Genesenen wirklich keine Gefahr mehr ausgeht, warum sollten sie dann nicht wieder die Freiheiten ausüben können, die ja nur aus Gesundheitsschutz-Gründen eingeschränkt worden sind? Können wir denen – das ist die Frage für mich dahinter – die kein Risiko mehr bedeuten, das nicht gönnen, dass sie sich wieder freier bewegen können und uns darauf freuen, dass wir es bald auch wieder können. Vielleicht dank Schnelltests schon vor der Impfung und uns dazu daran freuen, dass der Wirt von der Kneipe gegenüber wenigstens wieder einige Gäste haben kann, statt bankrott zu gehen. Anderen etwas gönnen können: Das ist vielleicht eine unserer größten Aufgaben in diesen verrückten Zeiten.

„So werden die Letzten die Ersten und die Ersten die Letzten sein.“

Matthäus 20:16

Von den Glücksforscher kann man lernen: Wer zuletzt dran ist und den anderen einfach gönnt, dass sie vor ihm dran sind, wird am Ende der Glücklichere sein. Geht gesegnet und behütet in diesen Tag.

Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm,
Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Mikroskopisches Virus fordert Glauben heraus

Reformationspredigt von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in der Stadtkirche Bad Windsheim – Religionsfreiheit weltweit bedroht

Ausgerechnet von einem kleinen, „nur unter dem Mikroskop sichtbaren“ Virus werde der christliche Glaube am Reformationstag 2020 herausgefordert, so der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm heute in seiner Reformationspredigt in Bad Windsheim. Ein Virus, „das uns Angst macht, das uns brutal vor Augen stellt, wie wenig Kontrolle wir über unser Leben haben, das uns mit unserer Endlichkeit konfrontiert“ und eine „ganze Welt im Würgegriff“ halte, so der Landesbischof.

Foto: Michael Lucan, Lizenz: CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0, via Wikimedia Commons

Der christliche Glaube gebe Kraft, die Herausforderung durch die Pandemie zu bewältigen: Die Beziehung zu Gott und das Vertrauen auf Christus helfe die „lähmende Angst“ zu überwinden. Denn nichts könne uns trennen von der Liebe Gottes, „nicht das Virus, und nicht einmal der Tod“. Die Erfahrung, trotz eigener Fehler von Gott angenommen zu sein gebe Mut, auch in schwierigen Dilemma-Situationen zu handeln, in der Pandemie, „das relativ Beste“ zu tun, und aus Fehlern zu lernen. Schließlich ermögliche das Vertrauen auf Christus, selbst Liebe weiterzugeben. „Lasst uns gerade jetzt, wo wir so sehr mit uns selbst beschäftigt sind, auch an die anderen denken“ betonte der Landesbischof. „Nicht, weil wir moralische Champions sein müssen, sondern weil wir die Liebe Gottes in uns spüren und sie überfließt zum Nächsten“.

Religionsfreiheit weltweit bedroht

Bekennermut sei von Christen jedoch auch gefordert in Ländern mit Einschränkungen der Religionsfreiheit. Das habe der zweite Bericht der Bundesregierung zur weltweiten Lage der Religionsfreiheit vor wenigen Tagen gezeigt. Insbesondere Christen würden weltweit darunter leiden, hob der Landesbischof hervor. Selbst in Ländern mit garantierter Religionsfreiheit versuchten terroristische Gewalttäter „Angst und Schrecken“ zu verbreiten bei Menschen einer bestimmten Religionsgemeinschaft, wie kürzlich in Nizza oder beim Anschlag auf die Synagoge am Yom-Kippur-Tag in Halle im vergangenen Jahr. „Alle, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, verdienen unsere Unterstützung, egal welcher Religion sie angehören“, betonte Bedford-Strohm. Denn Christus zu bekennen bedeute im Umgang mit anderen Religionen, „Achtung und Respekt zu zeigen und Christus genau dadurch groß zu machen, dass wir in all unseren Dialogen seinen Geist der Liebe selbst ausstrahlen“, so dass die Religionen zu Kräften des Friedens in der Gesellschaft werden können und „der Intoleranz der Kampf angesagt wird“, so der Landesbischof.

München, den 30. Oktober 2020

Johannes Minkus, Pressesprecher