Predigt zum Sonntag Reminiszere

Von Pfarrerin Gabriele Edelmann-Richter am 13.03.2022 in der Stephanuskirche in Gebersdorf zu Matthäus 26,36-46

Liebe Gemeinde,
geht es Ihnen auch manchmal so, dass Sie stundenlang wachliegen und einfach nicht einschlafen können?
Aufregende Tage bescheren uns solche Situationen.
Zu viele ungelöste Fragen, zu große Probleme verfolgen uns nicht selten bis in die Nacht hinein. 
In den letzten beiden Wochen haben mir Menschen aus unserer Gemeinde immer wieder gesagt, dass sie seit Beginn der russischen Angriffe auf die Ukraine von großen Ängsten geplagt werden.
Für etliche Gebersdorfer ist es fast wie ein Dejavu, wenn sie die Bilder der Überraschungsangriffe, die Bilder der brutalen Zerstörung und die Bilder der Flüchtlingsströme in den Nachrichten sehen. 

In unserer Gemeinde leben Menschen, die so eine Katastrophe noch selbst miterlebt haben. Kein Wunder, wenn man da nicht einschlafen kann.
Ohnmächtig sind wir grad momentan.

Viele Menschen in Deutschland versuchen mit Spenden oder auch mit der Aufnahme von Flüchtlingen irgendwas zu tun, um die Anspannung zu lösen. Denn nichts ist schlimmer, als in der Schockstarre zu verharren und der Katastrophe ins Auge blicken zu müssen.

Schließlich hilft auch beten, sonst hält man es nicht aus.
Unser heutiger Predigttext passt sehr gut zu unserer momentanen Lage: 
Da geht es auch um einen, der wach liegt, nicht schlafen kann, weil er nicht weiß, wie es weitergeht, weil er spürt, dass sich Schlimmes anbahnt.

Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten, der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern: Setzt euch hierher, solange ich dorthin gehe und bete. Und er nahm mit sich Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern und zu zagen. Jesus sprach zu ihnen: Meine Seele ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wachet mit mir! Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst! Und er kam zurück zu seinen Jüngern und fand sie schlafend und sprach zu Petrus: Konntet ihr denn nicht eine Stunde mit mir wachen? Wachet und betet, dass ihr nicht in Anfechtung fallt!
Der Geist ist willig; aber das Fleisch ist schwach. Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete und sprach: Mein Vater, ist’s nicht möglich, dass dieser Kelch vorübergehe, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! Und Jesus kam zurück und fand sie wieder schlafend, und ihre Augen waren voller Schlaf. Und er ließ sie und ging abermals hin und betete zum dritten Mal und redete abermals dieselben Worte. Dann kam er zu den Jüngern und sprach zu ihnen: Ach, wollt ihr weiterschlafen und ruhen? Siehe, die Stunde ist da, dass der Menschensohn in die Hände der Sünder überantwortet wird. Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, er ist da, der mich verrät.

Mt. 26,36-46

Liebe Gemeinde,

diese Geschichte trifft mich ins Herz, sooft ich sie höre.
Sie macht mich traurig und wütend zugleich. 
Denn Jesus, der für seine Freunde alles gab, was möglich war, wird in der höchsten Not allein gelassen. In seiner Angst und Einsamkeit bleibt ihm nur noch das Gebet zu seinem himmlischen Vater.
Wenige Tage vorher wurde Jesus noch gefeiert, sein Einzug nach Jerusalem hat die Menschen begeistert. Dank und Freundlichkeit kamen ihm, dem Prediger, dem Hoffnungsbringer, dem Wundertäter entgegen. 
Dann tags drauf sein Auftreten im Tempel. Da hat er den Geldwechslern und Händlern mit Worten und Taten seine Meinung kundgetan. Ein starker Jesus, ein furchtloser Jesus!
Und dann – nach dem Passahabendmahl mit seinen Jüngern, der Gang hinaus zum Garten Gethsemane – diese Einsamkeit!

Jesus ahnte, was auf ihn zukommt. Die Uhr tickte. Nur elf seiner Jünger kamen mit hinaus in den Garten. Judas hatte anderes zu tun…
Gerne hätte Jesus Rückendeckung von seinen Freunden gehabt. „Wachet und betet mit mir!“, so hat er zu ihnen gesagt.
Doch die Jünger sind zu müde, zu schwach. Sie schlafen ein. Jesus hadert mit seinem Schicksal. 
Schließlich hadert er auch mit Gott. Sollte sein irdischer Auftrag schon beendet sein? 
Jesus kämpft um die Einsicht zu dem, was nun auf ihn zukommt.
Schließlich ist er bereit, den schweren Weg zu gehen: Er spricht: „Wenn es nicht möglich ist, dass dieser Kelch an mir vorübergeht, dann werde ich ihn trinken. Gottes Wille soll geschehen!“

Liebe Gemeinde,
Sie alle wissen, wie die Geschichte weitergeht.
Jesus stellt sich souverän den römischen Soldaten. Er vermeidet einen Kampf, heilt sogar noch das Ohr des Malchus und lässt sich abführen. 

Welch‘ eine Geschichte! 
Weshalb hat sie Matthäus in sein Evangelium aufgenommen? 

Ich denke, es ist eine dramaturgische Notwendigkeit!
Denn nur wenn wir Leser und Hörer des Wortes diese schlaflose Nacht Jesu vor Augen haben, wird uns klar, welche Bedeutung der Karfreitag für uns hat, wie nah uns Gott im Leiden kommt. 
Und dann können wir auch verstehen, welch‘ große Kraft schließlich vom Ostergeschehen ausgeht, von diesem Geschehen, das dem Tod und der Finsternis alle Macht nimmt:
Jesus steht an unserer Seite. Auch er kennt Angst, Sorgen und Zweifel. All das, was uns im Alltag begleitet. 

Im Gebet dürfen wir darauf vertrauen, dass er uns versteht, dass er unsere Gedanken kennt, ehe wir sie aussprechen.
Wir wissen gerade nicht, wie es weitergehen wird mit dem Krieg in der Ukraine, was den Menschen dort noch alles bevorsteht. Wir wissen auch nicht, welche Auswirkungen dieser Krieg auf unsere Zukunft hier in Deutschland haben wird. 
Eigentlich bräuchten wir alle eine Rückkehr zur Normalität, die uns wegen Corona schon seit zwei Jahren versagt ist. Aber schon wieder steht die nächste Herausforderung vor der Tür.
Woher sollen wir die Kraft nehmen, das alles zu schaffen?

Liebe Gemeinde,
wohl dem, der Freunde hat, die nicht schlafen, sondern wachen, die bereit sind, mit anzupacken und in der Not zu helfen.
Und wenn uns dann die Einsamkeit und auch die Hilflosigkeit überkommt? 
Dann tut es gut, sich Jesus anzuvertrauen, sich Gott zuzuwenden und zu sagen: 

„Dein Wille geschehe! Wie im Himmel so auf Erden!“

Darum – lasst uns stark bleiben im Glauben daran, dass Krieg niemals eine Lösung ist!
Lasst uns stark bleiben im Glauben daran, dass Gott unsere Gebete erhört und uns die Kraft gibt, Zeichen des Friedens in unserer Welt weiterzugeben!

Weder Dunkelheit noch Krieg dürfen unsere Welt beherrschen!

Denn unser Gott ist ein Gott des Friedens, des Lebens und des Lichts!

Amen.

Gabriele Edelmann-Richter, Pfarrerin

Wir können keine weiße Weste behalten

Die westfälische Theologin Annette Kurschus ist neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)

Der Krieg in der Ukraine stellt nach Worten der EKD-Ratsvorsitzenden Annette Kurschus auch die Gesellschaft hierzulande vor große Herausforderungen. Auf Dauer werde es nicht ausreichen, Mitgefühl zu zeigen und humanitäre Hilfe zu leisten, sagte Kurschus dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch die Kirche befinde sich angesichts des Krieges in einem „schmerzlichen Lernprozess“. Aufgabe der Kirche bleibe es, Menschen zu stärken, die sich für den Frieden einsetzten.

epd: Experten rechnen beim Krieg in der Ukraine mit wesentlich mehr Flüchtlingen als im Jahr 2015. Aktuell ist die Hilfsbereitschaft groß. Befürchten Sie, dass die Stimmung auch wieder kippen kann wie bei der letzten Fluchtwelle?

Kurschus: Es ist sehr erfreulich, welch große Hilfsbereitschaft im Moment zu spüren ist. Überall sperren Menschen die Türen auf und helfen bereits jetzt ganz konkret. Es gibt auch immer wieder Demonstrationen als Zeichen der Solidarität mit den Menschen in der Ukraine. Das habe ich in Berlin vor zwei Wochen selbst erlebt. Dass sich die Stimmung gegenüber den vorherigen Geflüchteten gedreht habe, sehe ich so pauschal nicht. In unseren Gemeinden erlebe ich ein ungebrochenes Engagement. Wir haben uns jetzt eben auf einen „Langstreckenlauf“ einzurichten.

epd: Was hat das für Konsequenzen?

Kurschus: Es werden noch sehr viele Menschen aus der Ukraine zu uns kommen. Auf Dauer wird es nicht ausreichen, Mitgefühl zu zeigen und humanitäre Hilfe zu leisten. Solidarität wird sehr konkret und sehr konsequent gelebt werden müssen, und das wird auch uns selbst in unserem Alltag einiges abverlangen. Wir werden erhebliche Preissteigerungen in etlichen Bereichen hinnehmen müssen. Jetzt gilt es, zusammenzuhalten – auch damit die teure Solidarität nicht auf die Knochen und auf Kosten derer geht, die jetzt schon zu wenig haben. Den entschlossenen Willen dazu spüre ich in unserer Gesellschaft deutlich.

epd: In der Flüchtlingsarbeit engagierte Menschen sind besorgt, dass Flüchtlinge aus Afrika oder Syrien aus dem Blick geraten. Gibt es eine Unterscheidung von Flüchtlingen erster und zweiter Klasse?

Kurschus: Die Regierung hat zum Glück entschieden, dass die Menschen, die aus der Ukraine flüchten, möglichst wenig Hürden überwinden müssen. Sie sollen unkompliziert aufgenommen werden. Das ist großartig. Großartig ist auch, dass die osteuropäischen Staaten, die sich bisher abgeschottet haben, den Menschen großzügig helfen, die aus der Ukraine fliehen. Durch diese Hilfsbereitschaft wird niemand, der auf dem bisher normalen Weg über das Asylverfahren hierher kommt, zu einem Flüchtling zweiter Klasse. Und das darf es auch nicht geben.

epd: Was tun die Kirchen dagegen?

Kurschus: Die unkomplizierte Aufnahme der Menschen aus der Ukraine kann uns in Zukunft vielleicht Wege weisen, wie wir es auch mit denen, die aus anderen Staaten zu uns kommen, besser machen. Wir in den Kirchen werden alles dafür tun, dass die Geflüchteten, die schon bei uns sind, keine Nachteile dadurch haben, dass jetzt mehr und andere dazukommen. Hautfarbe oder Religion oder Kultur dürfen bei der Einschätzung von Not jedenfalls keinen Unterschied machen.

epd: Wie bewerten Sie, dass Deutschland jetzt doch Waffen an die Ukraine liefert?

Kurschus: Es bleibt dabei: Waffen sind kein Mittel, um Frieden zu schaffen. Allenfalls können sie zur Abschreckung von Aggressoren dienen, die sich nicht um Völkerrecht scheren und verbrecherische Angriffskriege anzetteln wollen. Oder sie dienen zur Selbstverteidigung als letztes Mittel in einem solchen Krieg. Die Ukraine ist von einem verbrecherischen Angriffskrieg überzogen worden, die Bevölkerung will sich dagegen wehren und ihre Freiheit verteidigen. Zivilisten werden dort auf offener Straße von der russischen Armee angegriffen.

Ich halte es für schwierig, die geforderten Waffenlieferungen abzulehnen, wenn die Menschen sich nicht allein aus eigenen Kräften verteidigen können. Aber Waffenlieferungen gewährleisten nicht das Ende der Gewalt, das wir uns wünschen. Im Gegenteil: Sie können zu Kettenreaktionen führen, in denen die Beteiligten die Kontrolle verlieren. Das ist das Fatale. Wie immer wir uns positionieren: Wir können in dieser Situation keine weiße Weste behalten. Diese Lernerfahrung mache ich gerade.

epd: Was bedeutet das für Sie?

Kurschus: Ich halte es für zynisch zu sagen: Jetzt müssen unsere Gebete und unser Mitgefühl ausreichen. Ich kann nachvollziehen, dass die Ukraine in ihrer Selbstverteidigung unterstützt wird. Das ist ein echtes Dilemma. Aber wir dürfen dem als Kirchen nicht ausweichen, indem wir schweigen und uns aus der Verantwortung ziehen.

epd: Einige Theologen halten ein Umdenken der evangelischen Friedensethik für nötig. Muss sie angesichts der aktuellen Bedrohungslage reformiert werden?

Kurschus: Ich bin nicht der Meinung, wir müssten jetzt unsere gesamte Friedensethik über den Haufen werfen. Wir sollten sie aber einer kritischen Prüfung unterziehen und neu diskutieren. Die schmerzlichen Lernprozesse, die wir gerade durchleben, müssen sich in unserer Friedensethik niederschlagen. Es ist ein Kennzeichen protestantischer Ethik, dass dort nichts für alle Zeiten festgeschrieben ist, sondern dass wir sie weiterentwickeln können, wenn sich Situationen einschneidend verändern.

epd: Können Kirchen zur Vermittlung in diesem Konflikt beitragen?

Kurschus: Unsere große Stärke ist, dass wir in ganz Europa, auch mit den Kirchen in den Konfliktgebieten, miteinander verbunden sind. Trotz aller Schwierigkeiten lassen wir die Kontakte zur russisch-orthodoxen Kirche sowohl in Russland als auch in der Ukraine nicht abbrechen, sondern versuchen, gemeinsam mit ihnen intensiv um Frieden zu ringen. Wir haben den Ökumenischen Rat der Kirchen und die Konferenz Europäischer Kirchen, die uns gute Möglichkeiten bereitstellen, um miteinander zu reden und auch miteinander zu streiten.

epd: Was können Kirchen in diesem Konflikt einbringen?

Kurschus: Jeder Aggressor, das sehen wir auch bei Putin, rechtfertigt seine Aktionen mit übergeordneten „Werten“. Dagegen können die Kirchen starke Worte und Bilder der Bibel setzen. Worte und Bilder des Friedens. Sie stärken Menschen, sich weiterhin für den Frieden einzusetzen, auch wenn es möglicherweise lange dauert.

epd: Was bedeutet der Krieg in der Ukraine für die Kirche hierzulande?

Kurschus: Unsere Kirchengemeinden bewähren sich als Hoffnungsgemeinschaften, sie bieten Unterkünfte, sammeln Spenden und stellen Hilfstransporte auf die Beine. Das ist großartig. Und es macht deutlich, welch ein starkes und buchstäblich handfestes Potenzial der Glaube hat. Wir setzen viel Vertrauen in unablässige Gebete um Frieden, und aus solchen Gebeten wachsen mutige Taten.

epd: Was antworten Sie Menschen, die sich fragen, wo in all dem Leid in der Ukraine Gott sei?

Kurschus: Ich kann solche Fragen gut nachvollziehen. Ich bin selber nicht frei davon. Überall auf der Welt wird dafür gebetet, Gott möge die Herzen der Kriegstreiber zum Frieden wenden. Unser christlicher Glaube ist aus der Erfahrung entstanden, dass ein Unschuldiger und Wehrloser umgebracht wurde und kein Gott eingegriffen hat und die Leute fragten: „Wo ist nun dein Gott?“. Wir benennen uns nach Christus, der als Gewaltopfer ans Kreuz genagelt wurde. Das war aber nicht das Ende. Sondern Christus wurde auferweckt zu neuem Leben und von Gott ins Recht gesetzt. Seitdem ist das Kreuz ein Protest gegen Gewalt und ein Zeichen dafür, dass Gott an der Seite der Opfer ist und sich mit ihnen identifiziert.

In dieser Passionszeit sehen wir Christus in denen, die in der Ukraine der Gewalt ausgeliefert sind, und in denen, die in Russland inhaftiert werden. Und in alledem glauben wir und halten trotzig an der Gewissheit fest, dass die Gewalttäter nicht das letzte Wort in der Geschichte haben werden.

epd: Sehen Sie die Gefahr, dass angesichts des Kriegs in der Ukraine andere Themen wie der Klimaschutz aus dem Blick geraten?

Kurschus: Tatsächlich drängt der Krieg in der Ukraine derzeit alles andere in den Hintergrund. Angesichts einer unsicherer werdenden Versorgung mit Gas und Öl wird jetzt beispielsweise wieder über eine verstärkte Nutzung von Atomstrom debattiert. Vieles, was wir im Blick auf Ökologie, Schöpfung und Klimapolitik über Jahre mühsam errungen haben, droht gerade wieder rückwärts zu gehen. Zugleich zeigt sich, dass es durchaus von Vorteil ist, sich durch den Ausbau erneuerbarer Energien von russischem Gas unabhängig zu machen – das kann auch motivierend wirken. Wir werden jedenfalls sehr genau aufpassen, dass der Schutz des Klimas auf der Tagesordnung bleibt, auch wenn er aktuell nicht die Schlagzeilen füllt.

epd/GB, 10.3.2022

Europaweites Glockenläuten

am Donnerstag, 3.3.2022 um 12:00 Uhr

Anti-Kriegs-Demo in Berlin

Wir, die Gemeinschaft der Bauverantwortlichen der großen Kathedral- und Domkirchen Europas von Norwegen bis Malta und von Spanien bis in die Ukraine, möchten zum Krieg in der Ukraine nicht schweigen.

Europa brennt – wir wollen am Donnerstag, den 03.03.2022 mittags um 12.00 Uhr, die Glocken unserer Kirchen 7 Minuten läuten lassen, jede Minute für einen Tag dieses unsinnigen Krieges.

Mit diesem Läuten

erklären wir uns solidarisch mit den Menschen,
die diesen Krieg aushalten und um ihr Leben bangen müssen,
die den Widerstand gegen eine Übermacht organisieren müssen,
die vor dem Krieg fliehen müssen,
die den Mut haben, gegen die Kriegstreiber in ihrem Land zu protestieren und
die in den Ländern leben, die unmittelbar von diesem Krieg betroffen sind.

Mit diesem Läuten

trauern wir um die Toten aller beteiligter Länder.
drücken wir unseren Dank aus, sollten die Waffen bis dahin schweigen.

Mit diesem Läuten

beten wir für alle, die von diesem Krieg betroffen sind.

Mit diesem Läuten

beten wir um Frieden.

Jeder aus unserer Gemeinschaft setzt sich in seinem Umfeld dafür ein, dass auch die Menschen aller anderen Kirchen hiervon erfahren und das Brandläuten an vielen Orten Europas zu hören sein wird.

Die Europäische Vereinigung der Dombau-, Münsterbau- und Bauhüttenmeister

Landeskirche unterstützt Menschen aus der Ukraine mit 100.000 Euro

Oberkirchenrat Michel Martin: großartige Unterstützungsbereitschaft


Die bayerische Landeskirche unterstützt die Menschen aus der Ukraine mit 100.000 Euro aus Mitteln der Katastrophenhilfe. Das gab Oberkirchenrat Michael Martin heute bekannt. Ein Teil des Geldes komme Gemeinden der Deutschen Evangelisch-Lutherischen Kirche in der Ukraine zugute etwa für den Kauf von Lebensmitteln. Der ukrainische Bischof Pavlo Shvartz werde in Kürze konkrete Anforderungen der besonders bedürftigen Gemeinden schicken.

Mit einem weiteren Teil des Geldes werden die lutherischen Kirchen in Polen und Ungarn unterstützt in ihrer Hilfe für die Geflüchteten aus der Ukraine. Oberkirchenrat Michael Martin beobachtet derzeit eine „unglaubliche Bereitschaft zur Hilfe“ in Bayern. Täglich erreichten ihn Emails von einzelnen Personen und aus Kirchengemeinden, die nachfragten, in welcher Weise sie helfen könnten. „In der aktuellen Situation ist es vor allem wichtig, dass wir koordiniert vorgehen“, betont Martin. Im Zentrum stehe die finanzielle Unterstützung der Gemeinden in der Ukraine und der evangelischen Kirchen in Polen und Ungarn bei ihrer Hilfe für Geflüchtete an der ukrainischen Grenze. Sachspenden hätten derzeit wenig Sinn, „weil sie aufgrund der Kriegshandlungen nicht durchkommen werden und mit dem Einkauf vor Ort gezielter geholfen werden kann“, erläutert Martin.

Mit großer Freude beobachte er die Bereitschaft und das Engagement staatlicher Stellen, in Bayern Geflüchtete aus der Ukraine aufzunehmen. Das sei eine „völlig andere Haltung den Geflüchteten gegenüber als in früheren Jahren“, so Martin. „Gleichzeitig fordert das uns aber auch in Bayern zu einer guten Kooperation aller Unterstützungen heraus“.

München, 1. März 2022
Johannes Minkus, Pressesprecher

Ukraine: Immer mehr Menschen brauchen Hilfe

Frau mit Kind macht sich zu Fuß auf den Weg über die Grenze nach Polen. Sie hat einen großen Rollkoffer dabei.
Flüchtlinge an der Grenze zu Polen. Die Männer bleiben zurück, um das Land zu verteidigen. Foto: Frank Schultze

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet weiter dringend um Spenden für die Menschen in der Ukraine und die in die Nachbarstaaten Geflohenen. Bislang haben sich 520.000 Menschen außer Landes in Sicherheit gebracht, vor allem Frauen und Kinder. „Stündlich steigt die Zahl der Menschen, die über die Grenzen nach Polen, Rumänien, Ungarn, in die Slowakei und die Republik Moldau fliehen“, sagt Martin Keßler, Direktor Diakonie Katastrophenhilfe. „Es wird in den kommenden Tagen darum gehen, Orientierung zu bieten und Nothilfe zu leisten. Wir rechnen damit, dass der Bedarf an Hilfe noch deutlich zunehmen wird.“

Die Diakonie Katastrophenhilfe hat bereits vergangene Woche einen Nothilfefonds mit zunächst 500.000 Euro aufgelegt. „Unsere Partner in der Ukraine und den Nachbarländern können so schnell und unbürokratisch Nothilfe leisten“, erläutert Michael Frischmuth, Leiter Programme Diakonie Katastrophenhilfe. Zu den Soforthilfen gehören Nahrungsmittel, Trinkwasser oder die Bereitstellung von Notunterkünften. Gemeinsam mit Partnern in Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn werden aktuell weitere Hilfsmaßnahmen geplant.

„Wir konzentrieren unsere Hilfe zunächst auf die Menschen, die nach Polen und in andere Nachbarländer fliehen. An den Grenzen warten Zehntausende Menschen bei klirrender Kälte“, sagt Frischmuth. „Für die Menschen, die in die Nachbarländer geflohen sind, bereiten wir Bargeldhilfen vor, so dass sie sich lebenswichtige Güter nach Bedarf kaufen können.“

Neben der Hilfe in den Nachbarländern bereitet die Diakonie Katastrophenhilfe mit ukrainischen Partnern Maßnahmen in der Ukraine selbst vor. „Besonders hart trifft es diejenigen, die ohnehin schon hilfebedürftig waren und in der Nähe der Kontaktlinien im Osten des Landes leben, sowie Menschen mit eingeschränkter Mobilität, alte und kranke Menschen“, so Frischmuth weiter. Die Partner bieten auch psychosoziale Hilfe an.

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist seit Beginn des Konflikts 2014 über viele Jahre in der Ukraine aktiv und verfügt sowohl in der Ukraine, als auch in den Nachbarländern über ein Netzwerk von erfahrenen Nothilfeorganisationen. Auch im Rahmen des kirchlichen Hilfsnetzwerks ACT Alliance wird Unterstützung geleistet.

Weitere Informationen

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden:

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin,
Evangelische Bank,
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Ukraine Krise

Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/

Friedensgebet für die Ukraine

von Heinrich Bedford-Strohm, Landesbischof der evang.- luth. Kirche in Bayern

Hände zum Gebet gefaltet in einer Kirche

Ewiger Gott,

vor Dich bringen wir an diesem Tag unsere Fassungslosigkeit, unsere Trauer und unseren Zorn. Die diplomatischen Bemühungen, auf die wir so gehofft hatten, haben nicht zum Ziel geführt. Die Sprache der brutalen Gewalt gibt jetzt den Ton an. Der Machthunger hat die Oberhand behalten gegenüber der Vernunft.

Sei Du jetzt bei den Menschen in der Ukraine, die durch die Gewalt der Waffen in Not und Gefahr sind. Lass sie spüren, dass überall auf der Welt Menschen für sie beten.

Sende Du Deinen Geist in die Herzen derer, die verantwortlich sind für aggressive Gewalt. Lass sie erkennen, dass durch die Gewalt alle verlieren. Öffne ihre Herzen, dass sie sich anrühren lassen von dem leid, dass ihre Gewalt verursacht.

Sei bei denen, die jetzt politische Verantwortung tragen und die richtigen Entscheidungen zu treffen haben. Öffne Wege, der militärischen Gewalt die Klarheit in der Verurteilung des Unrechts, wirksame Gegenmaßnahmen und eine Deeskalation der Gewalt entgegenzustellen.

In uns allen stärke das, was die Basis unseres Lebens ist: Stärke unseren Glauben. Stärke unsere Hoffnung. Stärke unsere Liebe.

Auf dich vertrauen wir – auch jetzt.

AMEN

Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden

Logo Evang.-Luth. Kirche in Bayern und Diakonie Katastrophenhilfe.

Ukraine: Überleben sichern

Die Diakonie Katastrophenhilfe ist bestürzt über den heute Nacht gestarteten Krieg gegen die Ukraine und stellt 500.000 Euro für die von den Kampfhandlungen betroffenen Menschen bereit. „Den Preis für diesen Krieg werden die Menschen zahlen, die vollkommen unverschuldet ihre Sicherheit und ihr Zuhause verlieren werden“, sagt Dagmar Pruin, die Präsidentin der Diakonie Katastrophenhilfe. „Wir werden den Menschen in den betroffenen Regionen mit unseren lokalen Partnerorganisationen schnell und mit aller Kraft beistehen und rufen zu Spenden für unsere Hilfe auf.“

Der Krieg herrscht nicht nur im Osten der Ukraine, sondern auch in den bislang friedlichen Regionen des Landes. Massive Fluchtbewegungen in sichere Teile des Landes und die Nachbarländer werden die Folge sein. „Wir haben bis zuletzt gehofft, dass ein Krieg verhindert werden kann, sind jedoch seit Wochen im intensiven Austausch mit unseren Partnern und auf diesen Fall vorbereitet“, sagt Martin Keßler, Leiter der Diakonie Katastrophenhilfe. „Sobald klarer wird, wohin die Menschen in ihrer Not fliehen, werden wir mit unseren Partnern alles tun, um ihr Überleben zu sichern.“

Keßler rechnet damit, dass es in den ersten Tagen um reine Nothilfe gehen wird. Die Diakonie Katastrophenhilfe bereitet sich etwa darauf vor, Nahrungsmittel und Trinkwasser zu verteilen und Notunterkünfte für die vertriebenen Familien bereitzustellen. „Wir waren seit Beginn des Konflikts im Osten des Landes viele Jahre in der Ukraine aktiv und verfügen über ein Netzwerk von erfahrenen Nothilfeorganisationen. Nun werden wir die gemeinsame Arbeit schnell wiederaufnehmen.“

„Mit dem Spruch Römer 12,18 (Ist’s möglich, so viel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden) verweist Oberkirchenrat Michael Martin auf die Bitte des Bischofs der Evang.-Luth. Kirche in der Ukraine, Pavlo Shvartz, der Partnerkirche der Evang.-Luth. Kirche in Bayern, für die Menschen in der Ukraine zu beten.“

Der Krieg trifft eine ohnehin notleidende und schwer traumatisierte Bevölkerung. Selbst ohne die aktuelle Eskalation benötigen fast drei Millionen Menschen in der Ukraine humanitäre Hilfe. Die Diakonie Katastrophenhilfe rechnet damit, dass diese Zahl in den kommenden Tagen und Wochen massiv steigen wird und bittet dringend um Spenden.

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet dringend um Spenden:

Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank
IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02
BIC: GENODEF1EK1
Stichwort: Ukraine Krise
Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/